Cristina Jengo und Giorgio Chiappa schließen schweren Herzens ihr Restaurant L’Antipasto

Kulinarisches Vermächtnis in Buchform

Noch bis Ende Oktober verwöhnen Cristina Jengo und Giorgio Chiappa ihre Gäste in dem kleinen Lokal in der Hauptstraße. Etliche Rezepte hat der 72-Jährige jetzt für vier Kochbücher ausgewählt. Foto: strohfeldt Das Beste ist immer noch das, was Zeit braucht. Giorgio Chiappa

Dreieich – Italienische Restaurants gibt es wie Sand am Meer. Die richtig guten aber sind rar gesät. Eines aus dieser Kategorie betreiben Cristina Jengo und Giorgio Chiappa in Sprendlingen. VON FRANK MAHN

Von außen eher unscheinbar, entpuppt sich das Ristorantino L’Antipasto als stilvolles Lokal mit gerade mal 28 Sitzplätzen. Wer dort einmal gegessen hat, kommt wieder. Wer sich von dem Ehepaar noch nicht hat verwöhnen lassen, hat bis Ende Oktober Zeit, dieses Versäumnis nachzuholen. Dann ist Schluss und die zahlreichen Stammgäste müssen sich einen neuen Italiener ihres Vertrauens suchen. Oder sie kochen die Rezepte des „Patrone“ nach, denn Chiappa hinterlässt ein kulinarisches Vermächtnis in Form von vier Kochbüchern.

„Der Pachtvertrag läuft aus und wir sind in einem Alter, in dem man nicht noch einmal verlängert“, schildert Chiappa den Hintergrund. Während andere schon längst den Ruhestand genießen, steht der 72-Jährige noch viermal die Woche in der Küche. Ehefrau Cristina (69) ist federführend beim Service. Mit dem Kochen allein ist es nicht getan. Der gelernte Restaurant-Fachmann geht jeden Tag einkaufen, damit nur frische Ware auf den Teller kommt. Massenware ist verpönt. Weil mit zunehmendem Alter Verschleißerscheinungen nicht ausbleiben, haben die beiden in den vergangenen Jahren schon die Zahl der Öffnungstage reduziert.

Angefangen hat die Geschichte des L’Antipasto im November 2004. „Es war damals ein bisschen aus der Not geboren“, erinnert sich das Ehepaar. Aber den gemeinsamen Schritt in die Selbstständigkeit haben die beiden nie bereut, dabei musste sich die Quereinsteigerin Jengo erst mal in die Gastronomie reinfuchsen. Gatte Giorgio hatte vorher schon das damalige Restaurant im Sprendlinger Hallenbad und ein Bistro in Offenbach betrieben.

Das L’Antipasto ist für viele Gäste zu einer Art Wohnzimmer geworden. „Wir wollten es nicht größer. So ist es schön familiär“, betonen die beiden. Familie spielt in Italien bekanntlich eine große Rolle. Die drei erwachsenen Söhne haben zwar andere Berufe, unterstützen den Betrieb ihrer Eltern aber jeder auf seine Weise – hinter der Theke, bei der Buchhaltung oder beim Gestalten der Homepage.

Essen in dem kleinen Lokal ist Schlemmen auf hohem Niveau – zu bezahlbaren Preisen. Im Gespräch mit Giorgio Chiappa wird schnell klar: Kochen ist für den Mann aus Ancona, die Hauptstadt der Region Marken, weit mehr als ein Broterwerb. Es ist Leidenschaft, von der Mama in die Wiege gelegt, der er als Bub beim Kochen oft geholfen hat. „Wir bieten unseren Gästen und Freunden eine ehrliche italienische Küche an“, sagt er. Seine Frau Cristina formuliert es anders: „Wir kochen wie früher, so wie es vor 50 Jahren war. Das Ursprüngliche unterscheidet uns vielleicht von den anderen. In der Zubereitung einiger Speisen ist bei uns die Zeit stehen geblieben.“ Chiappa mag auch Kurzgebratenes, „aber das Beste ist immer noch das, was Zeit braucht“. Kein Wunder, dass er eine Vorliebe für Schmorgerichte hat. Seine Rinderhochrippe muss mindestens vier Stunden garen. „Und am zweiten oder dritten Tag schmeckt sie am besten.“

Ein Teil der Karte wechselt alle vier Wochen, serviert wird, was Saison hat. Giorgio Chiappa hat hunderte Rezepte im Kopf. Als Dankeschön an die Gäste und auch als kulinarisches Testament hat er einen Gutteil aufgeschrieben, mit Anekdoten garniert und lässt sie zwischen zwei Deckel pressen. Das zweite von vier Büchern ist dieser Tage erschienen, wieder illustriert mit Bildern eines professionellen Fotografen. Es kann also fleißig nachgekocht werden: zum Beispiel gegrillte Lammleberspieße an Feldsalat, Ravioli mit Walnüssen und Gorgonzola in Butter und Salbei, Seezunge nach Antipasto-Art oder Hauskaninchen in Weißwein und wildem Fenchel. Allein im ersten Band finden sich 40 Rezepte, natürlich auch was für Süßmäuler. Gerade zur Zeit passt Tiramisu mit Erdbeeren. Die Bücher gibt’s im Restaurant zum Preis von 15 Euro, bis Oktober sollen die letzten beiden fertig sein.

„Bei unserer Eröffnung haben wir zwei Tage gefeiert und so verabschieden wir uns auch“, sagt Cristina Jengo. Die beiden schließen ihr Restaurant mit einem lachenden und einem weinenden Auge, doch die Gesundheit geht vor. „Wir haben so viele Stammgäste, die wir sehr vermissen werden“, sagt Giorgio Chiappa. Das beruht zweifelsohne auf Gegenseitigkeit.

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