Rege Resonanz bei „Kunst in der Burg“

Countdown noch einmal mitgezählt

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Martin Böttcher und Corinna Zürcher sind mit dem Verlauf ihrer Kunstaktion während der Burgfestspiele sehr zufrieden. Jeden Abend verfolgten zahlreiche Besucher die Videoprojektionen. Das Foto entstand kurz nach der Premiere Anfang Juli.

Dreieichenhain -  Mit den Burgfestspielen endete am Sonntagabend auch die diesjährige Aktion „Kunst in der Burg“. Letztmals waren die Videoprojektionen „Lichtgespinste“ und „look@the world through my eyes“ zu sehen. Die waren ein besonderer Hingucker. Von Holger Klemm 

„Ich würde es sofort wieder machen“, berichtet Martin Böttcher, der zusammen mit Corinna Zürcher die Projektionen entwickelte und umsetzte. „Wir sind glücklich mit dem Verlauf“, fügt er hinzu. Am Samstagabend feierte das Künstlerpaar mit Freunden und Bekannten seine private Finissage an der Burg. Und es war wie bei der Premiere Anfang Juli gewesen. Nach der Aufführung von „Cinderella“ blieben – wie an den meisten Abenden zuvor – viele Besucher auf der Burgbrücke und dem Vorplatz stehen, um „Lichtgespinste“ und „look@the world through my eyes“ zu verfolgen. „Und viele zählten wieder den Countdown herunter.“ Böttcher freut sich, dass die Resonanz auch nach knapp sieben Wochen noch so groß war.

Mithilfe des 3D-Mappings nahmen beeindruckende Lichtgespinste und Schattengestalten das alte Gemäuer in den Besitz und verwandelten sich in abstrakte Gebilde aus Linien und Flächen. Das Sounddesign dazu schuf Bernhard Straub. Bei „look@the world through my eyes“ handelte es sich um eine Aktion für mehr Toleranz und Mitgefühl, an der sich viele Dreieicher beteiligten. Porträts wurden dabei von anderen Porträts überlagert und standen für die Fähigkeit und Bereitschaft, sich in andere hineinzuversetzen.

Böttcher lobt die Zusammenarbeit mit der Kunstinitiative und den Bürgerhäusern um Benjamin Halberstadt. „Da war viel Herzblut mit dabei.“ Das habe das Paar selten so erlebt. Der Künstler erinnert sich noch, wie im Regen der Beamer aufgebaut wurde. Die lange Dauer der Projektion habe die Möglichkeit geboten, korrigierend einzugreifen. „Schon bei den Tests haben wir gemerkt, dass wir an den Kontrasten nacharbeiten müssen.“ Danach hoben sich die „Lichtgespinste“ deutlicher auf der dunklen Mauer ab.

Ein wenig überrascht zeigt sich Böttcher darüber, dass auch die zweite Videoprojektion so gut angekommen ist und viele mitgemacht haben. Dabei war die Entscheidung dafür erst kurzfristig gefallen, um die Zeit zwischen den beiden Projektionen der „Lichtgespinste“ zu füllen. Doch daraus wurde aber weitaus mehr als ein Lückenfüller. Die bereits 2015 für den Berliner Fernsehturm geplante Aktion für Toleranz und Mitgefühl stieß schon im Vorfeld, als die beiden Künstler in Schulen Porträtaufnahmen machten, auf große Resonanz und Zustimmung. Böttcher war gespannt, ob nicht doch auch kritische Stimmen an der Grundaussage laut würden. „Doch das war nicht der Fall“, freut er sich.

Bürgerhaus-Chef Benjamin Halberstadt ist mit dem Zuspruch zur Kunstaktion sehr zufrieden. Jeden Abend seien viele Leute stehen geblieben und hätten das Spektakel bewundert – etliche auch zum wiederholten Male.

Ebenfalls gut angekommen ist die Installation von Tanja Hoffmann auf dem Burgweiher. Dort schwammen große Nymphen-Figuren um einen abends beleuchteten Kreis. Ausgangspunkt war die Sage der Fastrada, die ihren Ehemann Karl den Großen binden wollte. Doch als Symbole der Freiheit stehen die Nymphen für ein freies und selbstbestimmtes Leben. Halberstadt freut sich, dass die Figuren die Zeit unbeschadet überstanden haben. Allerdings hätten Jugendliche auch mal Unsinn gemacht, indem sie den Figuren Unterhosen übergezogen haben. Nicht durchgehalten hat allerdings der beleuchtete Ring, der irgendwann nicht mehr funktionierte. Trotzdem übte die Installation weiterhin einen besonderen Reiz aus.

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