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„Kunst darf unbequem sein“

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Dreieich (klg) - „Die Freiheit der Kunst und das Grundgesetz sind nicht verhandelbar.“ Mit dieser Aussage hat Landrat Oliver Quilling (CDU) Position zum Dreieicher Bilderstreit bezogen.

Wie berichtet, sorgt seit anderthalb Wochen der Umstand für Streit, dass Bürgermeister Dieter Zimmer ein kleines künstlerisches Foto, auf dem auch das Gesicht des Ex-PKK-Führers Öcalan zu sehen ist, nach Protest von türkischer Seite im Rathausflur abnehmen ließ.

Auf Befragen, wie der Landkreis bei seinen Ausstellungen verfahre, erklärte Landrat Oliver Quilling wörtlich: „Die Freiheit der Kunst und das Grundgesetz sind nicht verhandelbar. Ganz klar. Kunst darf auch unbequem sein. Ja, es ist geradezu eine ihrer Aufgaben, Diskussionen über bestimmte Werte innerhalb einer Bürgerschaft auszulösen. Solche Kontroversen - auch wenn sie manchmal weh tun - muss eine aufgeklärte, selbstbewusste Gesellschaft schlicht aushalten. Das zeichnet ein demokratisches und lebendiges Land ja geradezu aus.“

Als „absolut unbefriedigend“ hat indes der Dreieicher CDU-Vorsitzende Hartmut Honka die Antwort von Bürgermeister Dieter Zimmer auf seinen offenen Brief in dieser Sache (wir berichteten) bezeichnet. Wenn Zimmer argumentiere, das Bagus-Bild deshalb abgenommen zu haben, um eine „emotionale und unsachliche Berichterstattung“ zu verhindern, habe er genau das Gegenteil dessen erreicht, was die Meinungs- und Kunstfreiheit des Grundgesetzes schützen wolle.

Keine Zensur sondern „Opferung der Kunstfreiheit"

Zudem frage er sich, so Honka, welchen Grund es habe, dass der Imman des türkisch-islamischen Vereins wegen des Bildes mit Öcalan-Gesicht das Gespräch mit dem Bürgermeister gesucht habe. Bei Öcalan handele es sich doch nicht um einen religiösen Anführer, sondern um den Kopf einer terroristischen Vereinigung. Er hoffe sehr, so Honka, dass Zimmer die Trennung von Staat und Religion in Deutschland eindeutig klar gestellt habe.

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An diesem Punkt werde aber deutlich, dass die „so genannten Religionsbeauftragten“ in den Gemeinden der DITIB (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, Anm. d. Red.) in Deutschland von staatlichen Stellen der Türkei ins Ausland entsandt und als Beamte auch vom türkischen Staat entlohnt würden.

Als „merkwürdig“ bewertet Honka die Einlassung des Bürgermeisters zu einem nicht geäußerten Zensurvorwurf. Er habe dem Rathauschef keine Zensur vorgeworfen, denn das wahre Problem sei das Abhängen eines Kunstwerks „und die damit einher gehende Opferung der Kunstfreiheit aufgrund des Anrufs einer türkischen Zeitung“. Das sei falsch gewesen und könne nur auf eine einzige Art und Weise wiedergutgemacht werden: das Bild der Öffentlichkeit wieder zur Verfügung zu stellen.

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