Kunstwerk der Natur

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Müll und allerhand Gewächse verunzieren heute das Naturdenkmal.

Götzenhain - Nicht selten statten Götzenhainer Jugendliche dem Ringwäldchen in der Nähe des Bahnübergangs einen Besuch ab. Die vielen Hügel laden förmlich dazu ein, mit dem Fahrrad hinunter zu rasen. Von Manuel Schubert

Scherben und anderer Müll zwischen den Bäumen deuten hingegen auf gelegentliche Trinkgelage in der Nacht hin. Doch was kaum einer weiß: Die großen Gesteinsbrocken in der Mitte des Krater-ähnlichen Geländes sind echtes Vulkangestein.

Während der Vogelsberg sich vor Jahrtausenden ein letztes Mal aktiv zeigte, öffnete sich nämlich auch am Rande Götzenhains die Erde - Lava trat aus, erkaltete und hinterließ großflächige Spuren in Form schwarzer Felsformationen. Doch zurzeit fallen die Brocken kaum ins Auge - vollkommen sich selbst überlassen vegetieren allerhand Pflanzen im Ringwäldchen vor sich hin, das Moos sprießt und morsche Bäume haben sich niedergelegt.

Heinrich Umbach, gebürtiger Götzenhainer, der in Langen wohnt, ist fassungslos und kämpft seit Jahren für die Pflege und den Erhalt des Vulkangesteins. „Viele Menschen wissen gar nicht, was sich in dem Dreckloch verbirgt“, so der Maler. Weiter führt er an, es könne nicht sein, dass „jedem Fachwerkhaus“ ein riesiges Maß an Zuwendung und Aufmerksamkeit entgegengebracht werde und hier „eines der kostbarsten Naturdenkmäler vor unserer Haustür vergammelt“.

Allerdings ist heute nur noch ein kleiner Teil der Ausbruchsspuren erhalten geblieben, da das Gelände zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Steinbruch verwendet wurde. Auch die katholische Kirche in Götzenhain ist aus heimischem Basalt erbaut.

„Provozierendes Desinteresse“

Umbachs Vorstöße bei verschiedenen Ämtern zeigten keine Wirkung. „Mittlerweile kann man fast von einem provozierenden Desinteresse sprechen“, so der verärgerte Aktivist. Bei der hessischen Denkmalschutzbehörde verlangte man sogar, dass er auf einer DIN A4-Seite begründete, wieso die Überbleibsel des Ausbruchs eine Besonderheit darstellten.

Im Jahr 2009 schaufelte Heinrich Umbach das Vulkangestein im Ringwäldchen eigenhändig frei.

Daraufhin packte der Naturliebhaber, der in den Gesteinsbrocken zudem hervorragende Mal-Objekte fand, die Sache selbst an und schaufelte die Reste des Steinbruchs eigenhändig frei. Doch nun, knappe zwei Jahre später, muss Umbach frustriert feststellen, dass sein Versuch, das Ringwäldchen der Öffentlichkeit nahe zu bringen, fehlgeschlagen ist. Ralf Geratz-Krambs, Sprecher des Kreises Offenbach, erklärt die Problematik: „Wir wissen, dass das betroffene Gelände oft von Jugendlichen auf eine Art und Weise genutzt wird, wie es nicht genutzt werden sollte. Doch das eigentliche Naturdenkmal ist lediglich der Basalt. Kommt der zu Schaden, müssen wir sofort eingreifen. Aber wird er lediglich bewachsen oder ist verschmutzt, ist dies nicht der Fall.“

Zu Beginn des Jahres wurde das Ringwäldchen allerdings gesäubert, Schilder wurden aufgestellt und die Verkehrssicherheit überprüft. „Doch wir können das Gebiet nicht 24 Stunden lang überwachen“, erklärt Geratz-Krambs weiter. Jedoch verspricht er, man werde in Kürze einen Mitarbeiter entsenden, um die Lage noch einmal zu überprüfen.

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