Spanische Fachkräfte

Eine neue Heimat gefunden

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Dreieich - Bei der immer schwerer werdenden Suche nach Fachkräften für die Betreuung und Pflege älterer Menschen geht das Kursana Domizil in Dreieich neue Wege. So wurden junge Leute aus Spanien angeworben – mit Erfolg.

Die Einrichtung in der Eisenbahnstraße in Sprendlingen, die den Namen St. Martinus trägt, hat sich an dem von der Landesregierung gestarteten Modellversuch zur Anwerbung spanischer Fachkräfte beteiligt. Dabei wird jungen Menschen aus der von hoher Arbeitslosigkeit geprägten Region Madrid eine berufliche Perspektive in Deutschland geboten. Bei Kursana in Dreieich hatten vergangenes Jahr vier Spanier angefangen. Von ihnen sind zwei geblieben, wie Direktorin Kerstin Perez Taboada mitteilt. Laura Calvo Pérez und Jorge Leon Diez sind Krankenpfleger und sprechen Deutsch. „Wir haben gute Erfahrungen gemacht. Sie sind bei den Bewohnern und Mitarbeitern beliebt und versuchen, sich so gut sie können zu integrieren“, sagte die Direktorin beim Neujahrsempfang.

Zwei Pärchen in Sprendlingen

Angefangen hatten am 1. April 2013 in Sprendlingen zwei Pärchen. Pérez und Diez, die 23 und 24 Jahre alt sind, fanden bereits wenige Wochen später vor Ort eine Wohnung. „Beide sind happy und fühlen sich sehr wohl hier“, berichtet die Direktorin. Sie hatten bereits ihre Ausbildung in Spanien absolviert, dort jedoch nur Tagesverträge bekommen. Für junge Leute sei es schwer, dort feste Arbeitsstellen zu finden. So besuchten Peréz und Diez die Jobmesse des Landes Hessen, wurden bei Kursana fündig und wagten den Sprung nach Deutschland. Ihnen kam anfangs entgegen, dass die Direktorin von St. Martinus Spanisch spricht. „Beide sind sehr offen, flexibel und bereit, sich auf Neues einzulassen“, lobt Perez Taboada.

Das andere Pärchen dagegen sei mit der hiesigen Mentalität nicht so gut zurecht gekommen und nach Spanien zurückgekehrt. Das Gesamtunternehmen Kursana wird sicherlich weitere Fachkräfte aus Spanien beschäftigen, teilt die Direktorin mit. Allerdings sei damit eine intensive Begleitung verbunden. Insgesamt sei es sehr schwer, Fachkräfte im Pflegebereich zu bekommen. „Doch ab und zu findet sich jemand, der sich verändern will“, meint Perez Taboada. Zurzeit gebe es in St. Martinus 30 Mitarbeiter. Von 103 Pflegeplätzen seien aktuell 75 belegt.

Die Direktorin und die Mitarbeiter haben sich zum Ziel gesetzt, „den Herbst der älteren Generation zum Spätsommer“ zu machen. Sie möchten den Bewohnern neben der notwendigen Betreuung und Pflege einen abwechslungsreichen Alltag mit Aktivitäten und Kultur bieten. Neben einigen Bewohnern engagieren sich auch ehrenamtliche Kräfte. So hat eine ältere Dame die große Dachterrasse begrünt. Das Haus ist offen für Vereine und Gruppen, organisiert Fotoausstellungen, lädt zum Rosenfest und zu Erdbeerwochen ein oder serviert beim Spargelfest hessische Spezialitäten.

Auch junge Besucher kommen ins Haus. Perez Taboada berichtet von Vorlese- und Erinnerungsgruppen mit Schulen. Beim Boys Day haben Teenager den Alltag im Domizil kennengelernt. Die Jungs durften in einem Altersimulationsanzug selbst spüren, wie schwer so mancher Gang sein kann, wenn die Mobilität eingeschränkt ist.

hok

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