Diesmal ist auch die Weibelfeldschule vom Unwetter betroffen

Land unter in Sprendlingen

Vom Unwetter war ebenfalls  die Weibelfeldschule betroffen. Auch dort musste die Feuerwehr die Pumpen einsetzen.
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Vom Unwetter war ebenfalls die Weibelfeldschule betroffen. Auch dort musste die Feuerwehr die Pumpen einsetzen.

Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit wütete ein Unwetter im Dreieicher Stadtteil Sprendlingen. Am späten Dienstagnachmittag gab es voll gelaufene Keller, einen reißenden Hengstbach und umgestürzte Bäume.

Dreieich – „Nicht schon wieder Indoor-Pool im Keller“, sagt eine Sprendlingerin verzweifelt, die am Dienstagnachmittag knöchelhoch in ihrem Keller im Wasser steht. Es ist fast auf den Tag genau vier Wochen her, als die Starkregenfälle von Tief Olger an Fronleichnam Sprendlingen überfluteten. Am Dienstag am späten Nachmittag bringt dann das Tiefdruckgebiet Xero enorme Wassermassen vom Himmel und sorgt erneut für einen reißenden Hengstbach und eine Feuerwehr im Dauereinsatz.

Dabei hieß es Anfang Juni noch: Ein solches Hochwasserereignis hat die Stadt seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt. „Es ist ähnlich heftig wie vor vier Wochen“, sagt Stadtbrandinspektor Markus Tillmann noch am Einsatzabend. Um 16.38 Uhr wird Vollalarm bei allen Stadtteilwehren ausgelöst. 115 Einsatzkräfte pumpen gemeinsam Keller leer, sorgen für Sicherheit auf den Straßen, ein paar umgefallene Bäume gibt es außerdem. An 70 Einsatzstellen kann den Dreieichern von der Feuerwehr geholfen werden.

Die beim letzten Mal erheblich betroffene Schillerschule hat wieder den Keller unter Wasser. „Ungefähr 30 Zentimeter hoch stand es“, schätzt Markus Tillmann. Zum Glück war nur der Keller der Sporthalle betroffen: „Wir hatten ihn noch nicht wieder eingeräumt. Die Feuerwehr war sehr schnell da und hat den Keller ausgepumpt. Seit heute Morgen ist bereits ein Reinigungstrupp zugange und der Keller wird jetzt erneut mit Trocknungsgeräten ausgestattet“, berichtet Schulleiter Ruwen Guggenberger.

Schlimmer sieht es dagegen an der Weibelfeldschule aus. „Bei uns hat das Wasser aus der Kanalisation nach oben gedrückt. Die Kellerräume stehen unter Wasser und auch der Kriechkeller war ordentlich vollgelaufen“, erzählt Schulleiterin Susanne Strauss-Chiacchio. Im Lehrerzimmer ist es ebenfalls feucht – dort allerdings von oben. Das Dach hat den Wassermassen an einigen kleineren Stellen nicht standgehalten. Der Unterricht ist nach einer Sicherheitsprüfung aber weiterhin möglich.

„Die Zusammenarbeit unserer Stadtteilwehren hat wieder gut funktioniert. Wir haben die Notrufe nacheinander abgearbeitet und um 21 Uhr war dann auch Feierabend“, sagt Markus Tillmann. Mit im Einsatz war das DRK, das mit gepumpt und die Einsatzkräfte mit Abendessen versorgt hat.

Ein Leser wendet sich an die Redaktion und sieht Handlungsbedarf bei der Stadt: „Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit ist Dreieich von einem schweren Unwetter getroffen worden. Viele Keller sind wieder vollgelaufen. Man könnte sagen: höhere Naturgewalt. Das sollten wir nicht!“, so der Sprendlinger. Es gebe Auffälligkeiten: Er habe mit drei Hauseigentümern entlang der Liebknechtstraße und einem an der Ecke Liebknecht/August-Bebel-Straße an der Baustelle gesprochen. „Das Wasser, wie bei uns in der oberen Liebknechtstraße, kam aus Stellen, wo es noch nie im Haus herauskam – bei uns beispielsweise aus aufgeplatzten Kacheln an einer Wand im Heizungskeller Richtung Joinviller Straße“, berichtet der Mann. In einem weiterem Haus hätten sich Rohre aus dem Boden gehoben und seien aufgeplatzt.

Der Sprendlinger vermutet einen Zusammenhang mit der Baustelle in der August-Bebel-Straße. Zudem habe Dreieich offensichtlich ein Kanal-Problem. Er fordert ein Unwetter-Management in der Stadt. Wenn tatsächlich Baustellen daran beteiligt seien, dass das Kanalsystem nicht mehr richtig funktioniert, stelle dies eine ganz interessante Haftungsfrage dar. Es müsse für Dreieich einen Wasserabflussplan geben und relevante Kanäle müssten nötigenfalls umgehend vergrößert werden.

Die Stadt sieht das anders: „Das Kanalsystem Dreieich ist ausreichend. Auch Rückhaltebecken sind in ausreichendem Maße vorhanden“, sagt Claudia Scheibel, Sprecherin der Stadt, auf Anfrage. Auch die Baustelle in der August-Bebel-Straße habe nichts mit der Überschwemmung zu tun, versichert sie. Der Grund sei das sehr starke Unwetter gewesen. Nicht nur in Dreieich, im gesamten Kreis und in Frankfurt standen Keller unter Wasser, es mussten überflutete Straßen gesichert werden oder herabgestürzte Äste weggeräumt werden. Solche Ereignisse könnten immer wieder vorkommen.

Von Nicole Jost

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