Impulse für den Dialog

Landesjury des Europäischen Wettbewerbs tagt in Ricarda-Huch-Schule

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Künstlerisch, schriftlich oder multimedial haben sich die jungen Teilnehmer den Themensträngen des Wettbewerbs genähert. Großen Raum nahm diesmal die Auseinandersetzung mit der Flüchtlingskrise ein – eine Sache, die die Schüler sehr beschäftigt.

Dreieich - Der Europäische Wettbewerb animiert Schüler Jahr für Jahr, sich mit der europäischen Idee auseinanderzusetzen. Von Enrico Sauda

In der Ricarda-Huch-Schule tagte dieses Mal die Landesjury und prämierte die besten hessischen Arbeiten, die dann in der nächsten Runde um den Bundessig konkurrieren. Emely und Josephine haben ein Ziel. „Wir möchten, dass Frauen den Mut aufbringen, ihr wahres Gesicht zu zeigen“, sagen die beiden 16-Jährigen der Ricarda-Huch-Schule unisono. Dabei geht es nicht um das verzerrte Bild der Wirklichkeit, das abgemagerte Models abgeben, sondern um Gewalt im Alltag gegen Mädchen und Frauen. „Viele Frauen werden misshandelt, trauen sich aber nicht, sich öffentlich zu zeigen“, wissen die beiden Heranwachsenden, die sich im Rahmen des 63. Europäischen Wettbewerbs, der unter dem Motto „Gemeinsam in Frieden leben – 2016 Europäisches Jahr gegen Gewalt an Frauen“, mit dem Thema auseinandergesetzt haben. „Wir haben uns Zuhause getroffen, darüber gesprochen und dann ein Bild gemacht.“ Ihr Werk ist ein Foto, das aus zwei Aufnahmen besteht. Es zeigt Emely einmal mit blauem Auge und blutigem Mund und einmal ohne. „Ich habe Emely geschminkt. Dann haben wir das Bild gemacht. Anschließend haben wir es zerrissen und eins von ihr gezeigt, auf dem sie nicht geschminkt ist“, erklären die beiden Teenager ihre Vorgehensweise. Auf dem Bild steht: „Gewalt macht stumm, gib ihr eine Stimme. Lass die Fassade fallen.“

Im Rahmen des Wettbewerbs reichten Lehrer aus ganz Hessen, besonders aus den Kreisen Fulda, Limburg, Kassel, Offenbach, Darmstadt, Wiesbaden und dem Hochtaunuskreis die besten Arbeiten ihrer Schüler an die Landesjury weiter. Gesammelt wurden sie an der RHS, wo die Jury sie diese Woche begutachtete. Auch in diesem Jahr konnten Schüler von der ersten bis zur 13. Klasse den europäischen Gedanken in 13 altersgerechten Modulen in den Unterricht integrieren. Die Themen reichten dabei von „Ab heute bin ich mutig“ über „Cybermobbing - nur ein harmloser Streich?“ bis hin zu „Gewalt im Alltag“. Natürlich wurde die Flüchtlingskrise nicht ausgespart. Deshalb standen Sujets wie „Wir sind Europa“ ebenfalls zur Auswahl. Außerdem konnte, wer wollte, eine Sonderaufgabe bewältigen. Unter dem Motto „Ein bisschen Frieden...“ bestand die Möglichkeit, sich kreativ mit jener Textzeile zu befassen, die Nicole 1982 den Sieg European Song Contest einbrachte.

Klassisch und modern: Die besten Spick-Methoden

Alle Themen konnten von den Schülern bildnerisch, schriftlich oder multimedial umgesetzt werden. Nachdem die Entscheidung der Landjury gefallen ist, wird eine Auswahl der besten hessischen Arbeiten in die nächste Runde zur Bundesjurywoche im März nach Rheinland-Pfalz weitergereicht. „Es sind insgesamt 160 Arbeiten, die wir Hessen für die Bundesauswahl ausgewählt haben“, sagt Fabian Klaes, Landesbeauftragter für den Europäischen Wettbewerb. „Es sind auch etliche Arbeiten aus der RHS dabei“, verrät er. Neben Sach- und Geldpreisen gibt es auch in diesem Jahr wieder mehrtägige Fahrten nach Berlin oder Brüssel auf Einladung der Bundeskanzlerin oder des Bundespräsidenten sowie Seminare in Straßburg zu gewinnen. „In vielen Arbeiten ist in diesem Jahr eine besonders kritische Auseinandersetzung mit nationalen und europäischen Herausforderungen zu erkennen“, schildert Klaes. Dabei geht es natürlich um die Flüchtlingskrise sowie deren Ursachen und Folgen. Die Siegerehrung der Hessischen Bundespreisträger geht am Donnerstag, 19. Mai, in Darmstadt über die Bühne. Vielleicht sind dann auch Emely und Josephine dabei.

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