Notizbuch der Woche

Kommentar: Leben in die Bude gebracht

Seit wenigen Tagen erst steht das Dreieich-Museum im Eigentum des Dreieichenhainer Geschichts- und Heimatvereins. Der hat es - nachdem die Museumsleiterin Ingeborg Dittler Ende 2009 in den Ruhestand gegangen ist und dadurch eine Ära beendet wurde - vom Kreis übernommen. Von Klaus Hellweg

Und weil zumindest dem Sprichwort zufolge neue Besen auch gut kehren, soll nun alles anders werden - moderner und zeitgemäßer, heißt es.

Nun spricht ja überhaupt nichts dagegen, nach einem oder zwei Jahrzehnten darüber nachzudenken, ob Konzepte in Stein gemeißelt sein müssen oder verändert werden können. Insofern ist es auch vollkommen in Ordnung, dass der neue Eigentümer sich überlegt, wie man mehr Besucher als bisher in das Museum zieht, was vielleicht nicht mehr so ganz zeitgemäß daher kommt und einer Auffrischung bedarf.

Bei all dem wäre es aber höchst ungerecht, die Arbeit und die Verdienste von Ingeborg Dittler um dieses Museum in irgendeiner Weise anzugreifen, in Zweifel zu ziehen oder zu schmälern. Sie als studierte Diplom-Museologin und niemand andere(r) ist es gewesen, die dem Dreieich-Museum den Bekanntheitsgrad und den Stellenwert hat zukommen lassen, den das Haus über Jahrzehnte hinweg genossen hat und noch immer genießt. Sie hat, wie man so sagt, Leben in die Bude gebracht mit den vielen Aktivitäten abseits der Dauerausstellung - man denke nur an die fast 2000 Sonderausstellungen, man denke an Feten, Feste und Feiern, an Veranstaltungen verschiedenster Art, die Burg, die Burgfestspiele und Dreieichenhain betreffend.

Insofern ist es schon nachzuvollziehen, wenn Ingeborg Dittler jetzt sauer auf all das reagiert, was im Museum nun anders und - vielleicht auch - besser gemacht werden soll. Das ist menschlich sehr verständlich.

Aber es geht ja gar nicht darum, dass irgendjemand etwas falsch gemacht hätte. Es geht lediglich darum, nach zwei Jahrzehnten ein Museumskonzept zu überprüfen. Überprüfungen dieser Art finden überall und in jedem Lebensbereich statt. Wäre das anders, stünde die Zeit still, würden mögliche Entwicklungen blockiert.

Das werden auch all die Dreieicher und Dreieichenhainer akzeptieren, die sich - auch in etlichen Anrufen bei unserer Zeitung - dem Dreieich-Museum enorm verbunden fühlen und mit Argus-Augen darüber wachen, was denn nun passiert. Sie können beruhigt sein: Der Geschichts- und Heimatverein ist noch nie aufgefallen durch modernistisches Gehabe oder dadurch, dem Zeitgeist hinterherzulaufen. Er wird mögliche Veränderungen mit aller Behutsamkeit angehen. Dabei kann er auf einer respektablen Grundlage aufbauen - auf jeden Fall auf den guten Namen des Dreieich-Museums, der nun einmal unweigerlich mit dem Namen und der Arbeit von Ingeborg Dittler verbunden ist. Nun aber geht‘s weiter .... So ist das eben.

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