Von der Leseoma zur Lernpatin

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Silke Labonté als Lernpatin mit Schülerin und einem Schüler der Klasse 3 b in der Erich Kästner-Schule.

Dreieich ‐ „Du hörst nicht auf zu lachen, weil du älter wirst, sondern du wirst älter, weil du aufhörst zu lachen.“ Dieser Sinnspruch steht auf der zweiten Seite im neuen Infoblatt der Uhus, einer Solidargemeinschaft der Generationen. Von Emil Pathe

Was folgt, sind Geschichten und Reiseberichte, Wissenswertes und Rezepte, jede Menge Veranstaltungen und eine Rubrik unter der Überschrift: „Da kann ich helfen“. Geholfen wird von den Mitgliedern der Uhus vielfach - ein wichtiges Angebot lautet: Lese- und Lernhilfe in Schulen; Hausaufgabenhilfe. Allein hinter dieser Offerte stehen 43 Bürgerinnen und Bürger, von denen derzeit 38 aktiv in den Schulen tätig sind.

Ins Leben gerufen wurde diese Initiative vor 14 Jahren an der Schillerschule“, erinnert sich die 1. Vorsitzende der Uhus, Käthe Drees. „Damals mussten wir sogar Überzeugungsarbeit bei unserem eigenen Vorstand leisten, um das Projekt auf den Weg bringen zu können.“ Heute sind unter anderem sechs Lernpaten an der Erich Kästner-Schule und zehn an der Gerhart-Hauptmann-Schule in Sprendlingen tätig, vier an der Offenthaler Wingertschule, fünf an der Götzenhainer Karl-Nahrgang-Schule und vier an der Sprendlinger Georg-Büchner-Schule.

Auch Stadtverordnete unter den Lernpaten

Vier Lernpaten besprechen ihren Einsatz: Käthe Drees, Hildegard Strasburger, Christine Simon und Silke Labonté (von links) im Seniorentreff „Gut Stub“, zugleich Büro der Uhus.

Besonders erfreulich ist“, stellt Hildegard Strasburger, Beisitzerin des Vorstandes, fest, „dass sechs Männer, ehemalige Rektoren und Lehrer, aber auch zwei Stadtverordnete zu den Lernpaten gehören und die Schülerinnen und Schüler der Grundschulklassen vor Ort betreuen.“ In der Regel sind es zwei oder drei Schüler, mit denen der Lernstoff intensiver, als es in der Klasse möglich ist, behandelt wird.

Peter Seidel, Leiter der Erich Kästner-Schule, einer Ganztagsschule mit pädagogischer Mittagsbetreuung, weiß diese Hilfe sehr zu schätzen. „Unsere Omas sagten noch, wenn es in der Schule mit dem Lernen nicht recht vorangehen wollte: ,Du musst mehr üben'. Heute wissen wir, dass diese pauschale Aufforderung nicht mehr genügt. Man muss wissen, woran es denn konkret hängt, und dabei immer wieder testen, ob das, was man methodisch angewendet hat, erfolgreich war. Genau das tun die Betreuerinnen, die sich hier ehrenamtlich engagieren“, sagt er.

Persönliche Dinge kommen zur Sprache

Eine von ihnen ist Silke Labonté, ehemalige Unternehmensberaterin, die mehrere Jahre mit ihrer Familie in den USA lebte. Sie ist für die Schülerinnen und Schüler nicht nur eine zusätzliche Lehrerin. In dem kleinen Kreis kommen auch ganz persönliche Dinge zur Sprache. „Die Kinder schütten dabei manchmal ihr Herz aus“, weiß sie.

Die Uhus sind zu erreichen montags, dienstags, donnerstags und freitags von 14 bis 17 Uhr im Büro Fahrgasse 7, 06103/98 50 50 (Anrufbeantworter) und per E-Mail: Die Uhus@t-online.de.

Zumeist bleibt es nicht nur bei der Lesekorrektur. Uhu-Mitglied Christine Simon kennt Paten, welche die Hausaufgaben kontrollieren, das Diktatschreiben üben, Hilfe bei der Gruppenarbeit im Unterricht leisten und das Wissen im Sachkundeunterricht aus eigener Erkenntnis vertiefen.

Aber die Uhus sind beileibe nicht nur im Bereich der Hausaufgabenhilfe tätig. Wer handwerklich begabt ist, der ist bei kleinen Reparaturen gefragt. Menschen, die gern an der frischen Luft tätig sind, können sich für leichte Gartenarbeiten, für Hof oder Laub fegen, melden.

Uhus helfen auch bei Behördengängen

Eine zeitlich befristete Betreuung eines Hauses bei Abwesenheit oder Krankheit wird ebenso gern vermittelt wie das Gassigehen mit einem Hund.

Schwierigkeiten im Umgang mit dem Handy oder dem PC? - Kein Problem. Behördengänge ? Besorgungen? Babysitting? - Die Uhus können helfen.

Aber natürlich gibt es auch Probleme bei den Uhus, die kürzlich ihr 15-jähriges Bestehen feierten. Käthe Drees dazu: „Wir haben das alles vor eineinhalb Jahrzehnten begonnen aufzubauen, aber wir sind inzwischen auch 15 Jahre älter geworden. Mit einem Wort: Wir suchen Hände ringend Nachwuchs, soll die Arbeit erfolgreich fortgesetzt werden. Jeder, der in das Rentenalter eintritt oder kurz davor steht, hat eine Menge Wissen und Lebenserfahrung, die er weitergeben kann. Das hilft nicht nur künftigen Generationen, sondern stärkt das eigene Selbstbewusstsein, wenn man weiß, man wird noch gebraucht.“

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