Versammlung untersagt - Einstweilige Verfügung

Kleingärtner-Knatsch geht weiter

Lange Gesichter machten die Mitglieder des Kleingärtnervereins Sprendlingen, die am Freitagabend einen neuen Vorstand wählen wollten. Per Einstweiliger Verfügung hatte Günter Neukirch die Versammlung untersagen lassen. In den Händen halten die Kleingärtner das Schreiben des Vorstands, das über die Absage informierte.(c)Foto: zcol
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Lange Gesichter machten die Mitglieder des Kleingärtnervereins Sprendlingen, die am Freitagabend einen neuen Vorstand wählen wollten. Per Einstweiliger Verfügung hatte Günter Neukirch die Versammlung untersagen lassen. In den Händen halten die Kleingärtner das Schreiben des Vorstands, das über die Absage informierte.

Dreieich - Eigentlich könnten die Mitglieder des Kleingartenvereins Sprendlingen ausgelassener Dinge sein. Nachdem die hochtrabenden Pläne für einen Sport- und Bildungscampus in der Lettkaut abgeblasen wurden, können sie ihre Freizeit im Grünen wieder unbeschwert genießen.

Doch es gibt noch eine Baustelle – enervierende Querelen innerhalb des Vereins. Im Zentrum: der ehemalige Vorsitzende Günter Neukirch. Der „Zirkus“ nimmt kein Ende. Die Mitglieder, die am Freitagabend ins Bürgerhaus kommen, stehen vor verschlossenen Pforten. An den Türen hängen Zettel: „Aufgrund einer beim Amtsgericht Langen erwirkten Einstweiligen Verfügung muss die für ursprünglich heute anberaumte Jahreshauptversammlung kurzfristig abgesagt werden“ steht dort geschrieben. Die Mitglieder, die an diesem Abend einen neuen Vorsitzenden wählen wollen, schauen ungläubig und wütend.

Erwirkt hat die Verfügung Günter Neukirch: Nach der außerordentlichen Mitgliederversammlung, bei der er Mitte Mai als Vorsitzender abgewählt und aus dem Verein geworfen worden war, will er die damalige Versammlung für ungültig erklären lassen. In dem dieser Zeitung vorliegenden Beschluss des Amtsgerichts Langen ist die Mitgliederversammlung am Freitag untersagt worden – unter Androhung eines Ordnungsgeldes in Höhe bis zu 250.000 Euro. In der Begründung der Richterin heißt es, dass die Einberufung der Versammlung im Mai fehlerhaft war und die dort gefassten Beschlüsse damit nichtig sind.

Während der stellvertretende Vorsitzende der Kleingärtner, Michael Vogel, den aufgebrachten Mitgliedern vor der Tür das Problem erklärt, steht Jens Bremecker kopfschüttelnd im Foyer des Bürgerhauses. Er ist als Kandidat für den Posten des Vorsitzenden vorgesehen. „Wir haben durch unseren Anwalt schon Rechtsmittel gegen diese Einstweilige Verfügung eingelegt. Aber das kam für heute Abend zu spät“, ist Bremecker enttäuscht. Das Vorstandsteam habe sich große Mühe gegeben, die Veranstaltung vorzubereiten. „Wir haben die gute Nachricht, dass unsere Gärten bleiben können und hätten einen neuen Vorstand gewählt. Wir haben in den vergangenen Wochen viel Zeit investiert, damit im Verein alles wieder in geordneten Bahnen läuft.“ Gerade für die Außenwirkung des Vereins in der Stadt sei Ruhe nach den turbulenten Monaten mit internem Clinch, Demonstrationen und gescheitertem Bürgerbegehren im Kampf um den Erhalt des Vereinsgeländes dringend notwendig.

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Als „Klammern an einen letzten Strohhalm“ bezeichnet Bremecker das Vorgehen Neukirchs. „Aber das ist jetzt der letzte Akt. Soweit wir informiert sind, war unsere formelle Einladung im Mai sehr wohl rechtens. Wir werden, wenn das Gericht unserer Beschwerde stattgibt, eben noch einmal einladen und dann neu wählen“, kündigt Bremecker an. Es gebe dann auch kein Rechtsmittel mehr, das Neukirch nutzen könne, meint er.

Annette Brandt, Pächterin eines Gartens im Sprendlinger Seegewann, kann das Verhalten des ehemaligen – oder eben vielleicht doch noch rechtmäßigen – Vorsitzenden Neukirch nicht verstehen. „Er hat damals gesagt, wenn die Mehrheit gegen ihn entscheidet, wird er das akzeptieren und zurücktreten. Die Mehrheit hat entschieden, aber er ist immer noch da“, sagt sie verständnislos.

Bilder: Kleingärtner protestieren gegen Lettkaut-Pläne

Lettkaut in Dreieich: Kleingärtner protestieren und geben Unterschriften ab
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Günter Neukirch wähnt sich indes im Recht. Auf die Frage, warum er nach dem eindeutigen Mitgliedervotum vom Mai an seinem Posten als Vorsitzender klebe, erklärt er, mit falschen Vorwürfen aufräumen zu wollen. Die große Mehrheit für seine Abwahl – 122 von 165 anwesenden Mitgliedern hatten dafür gestimmt – sei zustandegekommen, weil ihm Veruntreuung und Unterschlagung vorgeworfen worden seien. „Die Leute wurden bewusst gegen mich aufgehetzt. Aber keiner dieser Vorwürfe stimmt und das kann und möchte ich beweisen“, betont Neukirch. Er habe einen Ruf zu verlieren. „Ich gehe auch anwaltlich gegen diese Leute vor“, sagt der umstrittene Kleingärtner. -  zcol/fm

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