Keine Schule und keine deutsch-chinesische Fußballakademie

„Leuchtturmprojekt“ in der Lettkaut beerdigt

Die Pläne, eine Schule und eine deutsch-chinesische Fußballakademie zu bauen, führten zu erbitterten Protesten in der Bevölkerung. In der Lettkaut ansässige Vereine machten mobil und starteten ein Bürgerbegehren.(c)Foto: Sauda
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Die Pläne, eine Schule und eine deutsch-chinesische Fußballakademie zu bauen, führten zu erbitterten Protesten in der Bevölkerung. In der Lettkaut ansässige Vereine machten mobil und starteten ein Bürgerbegehren.

Dreieich - In der Lettkaut wird keine Internationale Schule gebaut. Auch die Pläne für eine deutsch-chinesische Fußballakademie sind begraben worden. Das Scheitern des sogenannten Leuchtturmprojekts bestätigte Bürgermeister Dieter Zimmer (SPD) auf Nachfrage der Redaktion. Von Frank Mahn

Der Rathauschef hatte sich immer für den Sport-, Bildungs- und Freizeitcampus stark gemacht – und sich damit viel Ärger eingehandelt. Wenn die Mitglieder des Kleingärtnervereins Sprendlingen heute Abend im Bürgerhaus zur Jahreshauptversammlung zusammenkommen, werden sie nicht nur personell ein neues Kapitel aufschlagen. Die Stimmung dürfte ausgelassen sein, denn Zimmer hat den Verein über die neue Entwicklung informiert. Nachdem die Kleingärtner sogar ein Bürgerbegehren gegen die umstrittenen Pläne initiiert hatten, das an Formfehlern gescheitert war, müssen sie sich nun keine Sorgen mehr um ihre Zukunft machen.

Spekulationen gab es schon länger, nun ist es raus. Hans Strothoff, Chef der MHK Group, hat sich von der Idee verabschiedet, in der Lettkaut eine Internationale Schule zu bauen. Das ließ sich erahnen, als vor wenigen Monaten der Mietvertrag mit dem Kreis am bestehenden Standort im Haus des Lebenslangen Lernens verlängert wurde. Das war allerdings auch aus rein zeitlichen Gründen notwendig, denn der Vertrag wäre sonst 2019 ausgelaufen. So schnell lässt sich – egal wo – keine Schule bauen. Nun wollen die Verantwortlichen der Strothoff International School ausloten, wie die Kapazität im HLL erweitert werden kann.

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Es habe sich herausgestellt, dass vom Flächenbedarf der Schule her die gesamte Kleingartenanlage hätte geopfert werden müssen, sagt Hahn-Air-Chef Hans Nolte, gemeinsam mit Strothoff Motor des Ganzen. Alle Gärten hätten kostenneutral umgesiedelt oder abgefunden werden müssen. Darüber habe sich keine Einigkeit erzielen lassen, weder politisch noch materiell. Somit brach das Gesamtkonstrukt ein. Ohne Schule in der Lettkaut kam eine Akademie für die chinesischen Partner nicht infrage.

An der Lettkaut: In Bildern durch die Streitzone

Bilder: Lettkaut
Bilder: Lettkaut
Bilder: Lettkaut
Bilder: Lettkaut
An der Lettkaut: In Bildern durch die Streitzone

Den Investoren lief aber auch die Zeit davon. Ausschlaggebend für das Scheitern des „Leuchtturmprojekts“ sind laut Bürgermeister Dieter Zimmer die „erkennbaren Widerstände, sodass nicht mehr damit zu rechnen ist, dass der enge Zeitplan für die Realisierung eingehalten werden kann.“ Die Dauer des Bebauungsplanverfahrens war auf gut zwei Jahre ausgelegt, eins ist schon rum. Erschwerend kam hinzu, dass übergeordnete Behörden schwerwiegende Bedenken angemeldet hatten. Ein zeitnaher Baubeginn rückte in weite Ferne.

Auch die Art und Weise der Auseinandersetzung macht der Rathauschef mitverantwortlich für das Scheitern. Die Befürworter seien zum Teil mit Hetze und Hasskampagnen überzogen werden, kritisiert Zimmer. Das fehlende öffentliche Bekenntnis der Politik zum Campus habe gerade in dieser Situation zu großer Enttäuschung und Verunsicherung sowohl bei den Projektbeteiligten als auch bei deren Vertragspartnern geführt, bedauert der Rathauschef.

Bilder: Kleingärtner protestieren gegen Lettkaut-Pläne

Lettkaut in Dreieich: Kleingärtner protestieren und geben Unterschriften ab
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Lettkaut in Dreieich: Kleingärtner protestieren und geben Unterschriften ab
Bilder: Kleingärtner protestieren gegen Lettkaut-Pläne

Auch wenn sich das „Leuchtturmprojekt“ erledigt hat – es gibt einen Plan B. Nämlich ein Projekt des von Nolte geförderten SC Hessen Dreieich in Kooperation mit der Frankfurter Eintracht, die bei der China-Variante ebenfalls mit im Boot gewesen wäre, weil sie dort einen Fuß in der Tür hat. Für die Internationale Akademie würde wesentlich weniger Fläche gebraucht, Kleingärten wären definitiv nicht betroffen, so Zimmer.

„Ob diese alternative Idee weiterverfolgt wird, ist noch offen und bleibt abzuwarten. Es wäre wünschenswert. Es wird letztlich aber davon abhängig sein, ob das Gelände ohne Internationale Schule als Sport- und Freizeitgelände politisch gewollt ist und planungsrechtlich weiterentwickelt werden kann“, sagt der Bürgermeister. Er hofft auf ein eindeutiges Votum der städtischen Gremien.

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