Nach Terroranschlägen von Paris

Liberales Islam-Verständnis fördern

Dreieich - Angesichts der Debatte nach den Terroranschlägen von Paris und den Berichten über ein Treffen von Islamisten rund um den Hassprediger Pierre Vogel in Dietzenbach fordert der Landtagsabgeordnete und Dreieicher CDU-Chef Hartmut Honka eine differenzierte Auseinandersetzung.

In diesem Zusammenhang kritisiert er den Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ des Altbundespräsidenten Christian Wulff, der kürzlich von Bundeskanzlerin Angela Merkel wiederholt wurde. Honka spricht von einer zu pauschalen Aussage, die der Wirklichkeit nicht gerecht werde. Der Islam kenne keine fest organisierten Strukturen. Dies bedeute auch, dass jeder die Möglichkeit habe, den Koran für sich selbst auszulegen. Die Islam-Auslegung von Fanatikern wie dem Hassprediger Pierre Vogel gehöre ganz bestimmt nicht zu Deutschland. Die Frage sei vielmehr, welcher Islam zu Deutschland gehört.

„Der Verzicht auf eine vernünftige Differenzierung wird nur zu einem größeren Zulauf zu Pegida und ähnlichen, noch radikaleren Gruppierungen führen“, befürchtet der Abgeordnete. Um eine weitere Radikalisierung zu verhindern, müssten sich die Politik, die Moscheegemeinschaften sowie die Islam-Verbände mit der Frage auseinandersetzen, ob einige Auslegungen radikale Ideologien begünstigen. Honka: „Ein antiquiertes Frauenbild, die Ablehnung homosexueller Lebensgemeinschaften, die Pflege einer medialen Opferrolle, eine totale Verabsolutierung des eigenen Glaubens, das Verbot, einzelne religiöse Gebote zu hinterfragen, die Ablehnung neuer, zeitgemäßer Islamauslegungen, ein auf die Familie und die Autorität des Vaters zentriertes Erziehungsideal – das alles sind Aspekte, die einer offenen Debatte bedürfen.“

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Der Abgeordnete begrüßt Aussagen wie die des Leiters des Zentrums für Islamische Theologie, Mouhanad Khorchide. Dieser habe von einem Verdrängungsmechanismus gesprochen, „zu behaupten, die Gewalt, die wir erleben, habe nichts mit dem Islam zu tun”. Es gebe eine Bandbreite an Positionen – von friedlichen, menschenfreundlichen bis hin zu menschenverachtenden, gewalttätigen. Die Frage sei, warum sich einige auf die humanen Aspekte der 1400-jährigen Ideen-Geschichte des Islam beziehen und andere auf die grausamen. Die andere Frage sei, wie die menschenfreundlichen Positionen gestärkt werden können.

Der CDU-Politiker stimmt mit der früheren Islambeauftragten der SPD, Lale Akgün, überein, dass die Mehrheit der Muslime erst noch davon zu überzeugen sei, eine liberalere Auslegung des Koran vorzunehmen. Zur Entwicklung eines modernen und aufgeklärten Euro-Islam seien Studiengänge für islamische Theologie an Hochschulen wichtig. Auch müsse der Gesetzgeber überlegen, wie man radikale Prediger von den Moscheen in Deutschland fern halten könne. Gleichzeitig gelte es, einer weiteren Radikalisierung junger Muslime zu begegnen.

Honka glaubt, dass die absolute Mehrheit der hier lebenden Muslime friedliebend ist und die Freiheiten wertschätzt. „Daher sollten wir alles daran setzen, diese Menschen zu unterstützen. Denn noch sind die liberalen Muslime eine kleine Minderheit und diese Minderheit muss größer werden.“ Den Menschen müsse geholfen werden, um sich frei zu einem Euro-Islam bekennen zu können. Wichtig seien auch Vorbilder, die einen modernen Islam verkörpern und Jugendlichen Orientierung geben. Ziel müsse sein, ein Bündnis aus liberalen, weltoffenen Christen und Muslimen zu schmieden und fremdenfeindliche sowie islamistische Strömungen zu isolieren. Honka: „Nur so wird dauerhaft ein Miteinander der unterschiedlichsten Religionen sowie nicht gläubiger Atheisten funktionieren.“

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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