CDU und Linke: Nahversorgung in Sprendlingen gefährdet

Rewe-Rückzug schwerer Schlag

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Der Rewe an der Frankfurter Straße

Dreieich - Der Rückzug von Rewe ist ein schwerer Schlag für die Nahversorgung in der Sprendlinger Innenstadt. Nachdem unsere Zeitung am Freitag über die bevorstehende Schließung berichtet hatte, reagieren viele in Dreieich mit Unverständnis auf diesen Schritt.

Der Lebensmittelkonzern begründet das Aus für den Markt mit zu geringem Umsatz. Die Schließung darf nach Ansicht des CDU-Vorsitzenden Hartmut Honka nicht das Ende der Nahversorgung in diesem Bereich sein. Der Standort sei für den nördlichen Teil Sprendlingens von großer Bedeutung. „Nicht alle Bewohner können die Märkte im Gewerbegebiet erreichen und sind sehr froh über den bisherigen Standort.“ Der CDU-Chef fordert den Magistrat auf, mit dem Eigentümer des Gebäudes Kontakt aufzunehmen, um über die zukünftige Nahversorgung zu sprechen. Man müsse auch an die Menschen denken, die kein Auto hätten und auf fußläufig zu erreichende Geschäfte angewiesen seien, so Honka.

Als zentralen Anlaufpunkt für die Versorgung mit Lebensmitteln beurteilt Natascha Bingenheimer den knapp 700 Quadratmeter großen Markt, den Rewe Mitte Februar aufgibt. „Dort kaufen auch sehr viele ältere Mitbürger ein, die fußläufig, oft mit Rollatoren, den täglichen Bedarf an Lebensmitteln decken. Umso weniger ist verständlich, dass das Geschäft nun die Pforten dicht machen will“, sagt die Stadtverordnete der Linken.

Henry Schmidt, Ortsverbandsvorsitzender der Partei in Dreieich, stimmt überein. „Selbst bei oberflächlicher Betrachtung kann die Behauptung des Betreibers nicht stimmen, dass der Markt nicht rentabel sei, denn dort werden sehr viele Wocheneinkäufe getätigt, bei denen gute Beträge über die Ladenkasse gehen und der Kundenandrang das Öffnen beider Kassen erforderlich macht. Die geplante Schließung reißt sicher ein großes Loch in die Nahversorgung Sprendlingens. Da hilft auch der weiter weg gelegene Penny nicht, ebenso wenig der Biomarkt in der Fichtestraße, der viel teurer ist.“

Das Geschehen sei vor dem Hintergrund der geplanten Neuen Mitte in der Hauptstraße zu bewerten, meint Bingenheimer. Es sei offensichtlich, dass sich Rewe eine größere Gewinnmarge wünsche und die Fläche des jetzigen Marktes einem expansiven Geschäftsmodell entgegen stehe. Durch die Schließung verschärfe sich die ohnehin kritische Situation in der Sprendlinger Innenstadt. Bingenheimer: „Wir müssen weiter fragen, ob ein Nahversorger nicht auch eine Verpflichtung hat, alle Alternativen zu prüfen, die den Erhalt des jetzigen Standorts sichern könnten und ob dies überhaupt erfolgt ist.“

Die zehn frechsten Preisfallen im Supermarkt

Für manche Anwohner kommt die Schließung einer Zäsur gleich. „Ich war glücklich, als ich vor 20 Jahren eine altengerechte Wohnung fand. Sie ist auf einer Ebene nahe an zwei Bushaltestellen, 200 Meter um die Ecke ist der Rewe-Markt. Seit ich hier wohne, habe ich alles dort eingekauft. Nun macht das Geschäft zu. Ich bin behindert und auf einen Rollator angewiesen“, schildert Hiltrud Schmitt aus dem Pappelweg ihre Lage. Sie fragt sich, wo sie künftig einkaufen soll. Auf die Neue Mitte könne sie verzichten. Immerhin: Der Handelskonzern tegut sagte auf Anfrage, er prüfe den Standort an der Frankfurter Straße. Es gibt also Hoffnung.  (fm)

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