Hoffnungsschimmer für Kleingärtner

Luftschlösser in der Lettkaut?

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Dieses Konzept von Hans Nolte und Hans Strothoff findet im Rathaus offenbar keine Zustimmung.

Dreieich - Viel Aufregung um nichts? Die von den Unternehmern Hans Nolte und Hans Strothoff forcierten Projekte in der Lettkaut werden von übergeordneten Behörden sehr kritisch bewertet. Von Frank Mahn 

Das geht aus dem Protokoll eines sogenannten Scoping-Termins hervor, zu dem sich Behördenvertreter im Dreieicher Rathaus getroffen hatten. Damit könnten die deutsch-chinesische Fußballakademie und eine Internationale Schule an diesem Standort zu Luftschlössern werden.

Vor nicht ganz zwei Monaten waren Strothoff und Nolte an die Öffentlichkeit gegangen, weil sie nach dem gescheiterten Bürgerbegehren Fortschritte vermissten. Die gibt es jetzt, wenn sie auch nicht im Sinne der beiden Investoren sind. Der Magistrat hatte Behörden und Naturschutzverbände ins Rathaus gebeten, um im Vorfeld des Planfeststellungsverfahrens über mögliche Auswirkungen auf die Umwelt zu sprechen. Das ist in Planungsprozessen bei bestimmten Bauvorhaben durch die EU gesetzlich geregelt.

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„Sport-, Bildungs- und Freizeitcampus Lettkaut Sprendlingen“ – unter diesem Namen firmieren die Pläne, die seit gut einem Jahr für reichlich Unruhe in Dreieich sorgen und eine Protestbewegung in Gang gesetzt hatten. Vor allem der Kleingartenverein fürchtet um seine Anlage, zumindest um Teile davon. Die Bedenken der Behörden dürften die Mitglieder mit Wohlwollen lesen, während vor allem Bürgermeister Dieter Zimmer und Erster Stadtrat Martin Burlon als vehemente Befürworter der Projekte vermutlich nicht mit so vielen Einwänden gerechnet hatten. Allerdings ist dem Protokoll auch zu entnehmen, „dass die derzeit in der Presse von den Investoren veröffentlichten Pläne nicht dem entsprechen, was sich die Stadt als Konzeption und Planungsziel für den Erweiterungsbereich (Ergänzungsflächen) vorgestellt hat“.

Von einem „schwierigen Vorhaben“ aus Sicht der Landesplanung und Raumordnung sprach der Vertreter des Fachbereichs Regionalplanung beim Regierungspräsidium Darmstadt. Die vorgesehenen Erweiterungsflächen seien im Regionalen Flächennutzungsplan als „Vorranggebiet Regionaler Grünzug“ dargestellt. Auch handele es sich bei dem ins Auge gefassten Standort für die Schule um eine Außenbereichsfläche. Dadurch bestehe die Gefahr der Entstehung einer Splittersiedlung. Der Standort sei zudem schlecht erschlossen und schwierig zu erreichen.

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Als kompliziert dürfte sich die vom Magistrat angestrebte Löschung von Teilflächen aus dem Landschaftsschutzgebiet erweisen. Die Vertreterin der Oberen Naturschutzbehörde beim RP bewertet diesen Ansatz sehr skeptisch. Im Protokoll liest sich das wie folgt: „Eine Teillöschung kann nur dann in Aussicht gestellt werden, wenn die für das Vorhaben sprechenden Gründe des Gemeinwohls höher als der Landschaftsschutz zu bewerten und keine geeigneten Alternativstandorte vorhanden sind. Gerade hinsichtlich der Alternativstandorte, die sich aus den Darstellungen des Regionalen Flächennutzungsplans ergeben, wird eine Teillöschung des Landschaftsschutzes als kritisch gesehen. Nur eine klar nachvollziehbare städtebauliche Begründung für die Festlegung auf diesen Standort und die bestehende Alternativlosigkeit könnte diese bestehenden Zweifel abstellen. Die von der Stadt vorgesehene Angebotsplanung, die eine temporär begrenzte bauliche Nutzung der Flächen beinhaltet, verstärkt den Eindruck, dass Alternativstandorte für dieses Projekt vorhanden sind.“

An der Lettkaut: In Bildern durch die Streitzone

Zudem ist Acker nicht gleich Acker. Die im Geltungsbereich liegenden Flächen zweier Landwirte aus Dreieich und Langen sind nach Angaben des Fachbereichs Ländlicher Raum von hochwertiger Qualität. Demnach werden die Schollen der höchsten Wertstufe zugeordnet. Positiv, immerhin, sei die Absicht, Kleingärten zu erhalten.

Auch die Vertreter des Regionalverbands FrankfurtRheinMain meldeten deutliche Bedenken an. Sie sehen nördlich der Lettkaut Standort-Alternativen für einen Neubau der Schule. Die von der Stadt herausgestellten Synergieeffekte des direkten Nebeneinanders von Sportinternat und Schule seien kein Hinderungsgrund, einige hundert Meter Fußmarsch zumutbar.

Das Thema Verkehrserschließung bewertet der Regionalverband ebenfalls kritisch. Bezweifelt wird, dass die Kreuzung Darmstädter Straße/An der Trift/An der Lettkaut das zusätzliche Verkehrsaufkommen bewältigen könnte. Mit einer möglichen Schulansiedlung würde eine verkehrsintensive Einrichtung entstehen, für die gegebenenfalls eine weitere Anbindung erforderlich würde. Dieser Problematik, heißt es in der Niederschrift, sei sich die Stadt bewusst. Derzeit werde überlegt, ob ein Kreisel besagten Knotenpunkt leistungsfähiger machen würde. Außerdem habe man bereits mit Hessen Mobil Gespräche über eine Nutzung des Feldwegs am Schützenhaus geführt. Die Darmstädter Straße sei breit genug, um eine Linksabbiegerspur einzurichten.

Vielleicht spielen den Gegnern einer Bebauung aber auch Relikte aus grauer Vorzeit in die Karten. Das Landesamt für Denkmalpflege redet nämlich ebenfalls ein Wörtchen mit. Denn: In der Lettkaut gibt es zwei geschützte Bodendenkmäler. Das Amt nennt eine vorgeschichtliche Siedlung und eine römische Straße. „Im Zuge der Umsetzung der von der Bauleitplanung vorbereiteten Vorhaben wäre von einer Zerstörung dieser Bodendenkmäler auszugehen“, heißt es. Daher müsse für den Bereich eine archäologische Untersuchung beauftragt werden.

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