Nachdem Flüchtlinge ausgezogen sind

Juz wird für offenen Betrieb saniert

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Bei der aktuellen Renovierung helfen auch Besucher des Juz Benzstraße mit. Das Foto zeigt Betreuer Rifki Kestem (Zweiter von links) mit (von links) Ahmad Ibarhirn, Sultan Mohmand, Usman Karazei, Abdul Sabor Arabzai, Zaki Oriakhle und Gulzaman Zadran (oben). Sie verpassten unter anderem einem Paletten-Tisch einen Anstrich.

Dreieich - Vor fast genau einem Jahr bezogen 22 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge einen abgetrennten Teil des Juz Benzstraße. Ihr dortiger Aufenthalt währte aus Genehmigungs-Gründen nur ein gutes halbes Jahr. Ehe die Juz-Besucher den zuvor in Windeseile mit Stockbetten eingerichteten Gebäudeteil wieder in Beschlag nehmen können, stehen aktuell Renovierungsarbeiten an. Von Cora Werwitzke

Viele Jugendliche freuen sich darauf, dass sie im Jugendzentrum an der Benzstraße bald wieder mehr Platz haben. „Wir müssen schauen, wie es mit den Arbeiten vorangeht“, sagt Sabine Neuert, im Rathaus als Ressortleiterin für die Zielgruppenförderung zuständig. Im November soll der alte Gebäudeteil, in dem bis zum Sommer noch jugendliche Flüchtlinge wohnten, aber auf jeden Fall wieder geöffnet sein. „Mag sein, dass die Renovierung der dortigen Küche dann noch nicht abgeschlossen ist, aber alle anderen Räume sollten wieder zur Verfügung stehen.“

Rückblick: Anfang November 2015 zogen 22 jugendliche Flüchtlinge in einen Teil des Juz’, den die Stadt innerhalb von nur gut einer Woche notgedrungen mit Stockbetten, Schränken, Waschmaschinen und Trocknern für bis zu 28 Bewohner eingerichtet hatte. Der einstige Eingang des alten Trakts wurde reaktiviert und ein Handwerker mit der Errichtung einer baulichen Abtrennung zum Foyer beauftragt. Gleichzeitig ging der Juz-Betrieb im Neubau auf engerem Raum weiter. Im Foyer und auf Fluren kamen zum Beispiel die Sofas und Tischgruppen aus dem abgetrennten Teil unter. Auch die im Jugendzentrum beheimatete Behindertenhilfe rückte zusammen, um etwa Platz für PC-Plätze und Wii-Sessions zu machen. Nach wenigen Monaten kam von übergeordneten Behörden dann der Verweis, dass das Juz zwar als Notunterkunft tauge, aber eine Überführung in die reguläre und langfristige Unterbringung Minderjähriger nicht möglich sei.

Inzwischen ist das für die Flüchtlinge zuvor benötigte Inventar längst abgebaut. „Wir haben die Sachen entweder in anderen Unterkünften untergebracht oder eingelagert: die Betten, die Spinde, die Waschmaschinen – bis hin zu Laken und Bettwäsche“, schildert Sabine Neuert. Wichtig sei, weiter gewappnet zu sein: Sollte die Stadt ad hoc Flüchtlinge im großen Stil aufnehmen müssen, könne das Juz schnell wieder in eine Notunterkunft verwandelt werden.

Die aktuellen Renovierungsarbeiten haben nach den Worten von Sabine Neuert nichts mit dem Intermezzo der Flüchtlingsunterbringung zu tun, sondern standen ohnehin an. „Jugendliche aus dem Juz packen mit an – darunter auch junge Bewohner der Unterkunft am Schäferpfad“, berichtet die Ressortleiterin. In Kürze soll das Foyer dann wieder seiner Bestimmung als Empfangsraum dienen und Sitzecken, Billardtisch und Tischkicker an ihren angestammten Platz im Aufenthaltsraum des Altbaus wandern. Darüber hinaus wird die Parallel- und Mehrfachnutzung von Gruppenräumen wieder zurückgeschraubt werden können. „Dann haben wir die Möglichkeit, im offenen Betrieb wieder mehr Interessen parallel abzudecken: Musik hören, kochen, Billard spielen – das war auf engem Raum zwischenzeitlich ein beachtlicher Geräuschpegel“, so Neuert.

Eine Vernetzung des Juz mit der Flüchtlingsarbeit ist derweil auch weiterhin im Gespräch. „Wir denken darüber nach, ob wir den alten Gebäudeteil sonntags für die benachbarten Bewohner der Containerunterkunft öffnen“, berichtet die Ressortleiterin. Die dortigen Aufenthaltsräume seien sehr eng, wenn Kinder, Jugendliche und Erwachsene zusammenkommen. Ob und in welcher Form diese Kooperation zustande kommt, muss sich nach den Worten von Neuert aber noch weisen.

Archivbilder

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