Gestaltungssatzung für Sprendlinger Altstadtkern

Wildwuchs Einhalt gebieten

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In der Tempelstraße entsteht ein neues Haus. Dass sich der Neubau mit seinem Flachdach in die Reihe der Häuser mit Satteldach einfügt, kann man nicht behaupten. Wurde aber im Rathaus befürwortet und vom Kreis genehmigt.

Dreieich - Im kleinen Altstadtkern von Sprendlingen um die Erasmus-Alberus-Kirche herum lassen sich durchaus Häuser neueren Datums ausmachen, die sich in die historische Bebauung einfügen. Es gibt aber auch Beispiele, die nicht nur den Freunden Sprendlingens ein Graus sind. Von Frank Mahn

Um weitere Bausünden zu verhindern, wünscht sich der Verein für Heimatkunde eine Gestaltungssatzung. Auch der Magistrat hält ein solches Regelwerk für sinnvoll. Die Stadtregierung hat das Anliegen der Freunde Sprendlingens prüfen lassen und den Stadtverordneten einen Bericht vorgelegt. Bei ihnen liegt die Entscheidung. Der Heimatkundeverein darf sich Hoffnung machen. „Eine Gestaltungssatzung könnte sich positiv auf die weitere Entwicklung der Altstadt rund um den Lindenplatz auswirken“, meint jedenfalls Erster Stadtrat Martin Burlon (parteilos). Sie sei ein gutes Instrument, um den Charakter einer Altstadt zu bewahren. Bereits vor gut 35 Jahren hatte Dr. Walther Schliepe, einer von Burlons Vorgängern, einen Entwurf für eine solche Satzung präsentiert. Leider hat es der Plan nicht zur Beschlussreife geschafft. Burlon ist sich sicher, dass das eine oder andere Bauwerk nicht errichtet worden wäre, hätten die Politiker eine Satzung auf den Weg gebracht.

Trotz „vielfältiger Störungen“ im Erscheinungsbild weise die Altstadt aber insgesamt eine geschlossene und in sich stimmige Struktur auf, meint Burlon. Details wie Dachformen, Fenster und Türen oder Fassadenmaterialien seien im Laufe der Zeit vielfach geändert worden. Dies unterscheide die Altstadt von Sprendlingen zum Beispiel von der Altstadt Dreieichenhains, die überwiegend aus einem geschlossenen Fachwerkensemble besteht. In Sprendlingen sei daher jedes Gebäude auch im Kontext seiner Bauzeit zu beurteilen, so der Erste Stadtrat. Die meisten der jüngeren Bauten hätten sich auch ohne eine Gestaltungssatzung städtebaulich gut eingefügt. Die Untersuchung des Bestands habe ergeben, dass nur einzelne Häuser aus der Reihe tanzten. Die freilich lösten zum Teil heftige Reaktionen in der Öffentlichkeit aus.

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Als positives Beispiel von alt und neu nebeneinander nennt Burlon die Bebauung des Bürgersaal-Geländes in Buchschlag. Die neuen Häuser seien modern, passten sich aber gut an das alte Buchschlag an. Burlon hält eine Satzung für sinnvoll, aber: „Auch sie kann nicht in jedem Einzelfall architektonische Ergebnisse garantieren, die allen gefallen.“ Durch die vielen Veränderungen in den vergangenen Jahrzehnten sollte eine Satzung zudem keine an historischen Vorbildern angelehnte baulichen und gestalterischen Details vorschreiben, sondern sich auf die wesentlichen Kriterien der Einfügung zeitgemäßer Architektur beschränken. Die Kosten für die Erstellung einer Satzung beziffert Burlon auf bis zu 30.000 Euro. Im Haushalt für 2016 wurden dafür keine Mittel eingestellt. Erst sind die Stadtverordneten am Zug. Sollten sie zustimmen, will der Magistrat die nächsten Schritte in die Wege leiten.

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