Mehr als 21.000 gefälschte Handtaschen

Markenpiraterie: Mehr als 500 Kartons mit Plagiaten

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Kartons ohne Ende. Einen sensationellen Fund machte die Offenbacher Kripo in einer Dreieicher Lagerhalle. Fast 21.000 gefälschte Handtaschen stellten die Beamten dort sicher.

Dreieich - Angesichts dieser Dimension gerieten selbst die alten Hasen unter den Ermittlern ins Staunen. Fast 21.000 gefälschte Handtaschen stellte die Polizei bei der Durchsuchung einer Lagerhalle sicher – und musste anschließend ein logistisches Problem meistern.

Dabei hatte alles vergleichsweise überschaubar angefangen. Ausgestattet mit einem Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Darmstadt, waren Beamte des Offenbacher Betrugskommissariats in den Geschäftsräumen einer asiatischen Firma in der Otto-Hahn-Straße vorstellig geworden. Geschäftszweck des Unternehmens ist der Verkauf von Handtaschen für den Groß- und Einzelhandel. Grundsätzlich werden dort laut Polizeisprecher Henry Faltin die Produkte des firmeneigenen Labels vertrieben. Allerdings hatte es Hinweise gegeben, dass dort auch Kopien namhafter Marken veräußert wurden. Der Geschäftsführer war der Polizei zudem als „Markenpirat“ bekannt.

Der Verdacht bestätigte sich, die Ermittler wurden fündig. Bei der Durchsuchung stellten die Beamten mehr als 1000 gefälschte Designer-Handtaschen sicher. Das für sich war schon ein schöner Erfolg für die Betrugsexperten, doch es kam besser. Bei der Sichtung der Geschäftsunterlagen fanden die Gesetzeshüter einen Mietvertrag für eine Lagerhalle im Dreieicher Gewerbegebiet Ost, die passenden Schlüssel hatte ein Mitarbeiter. Was die Polzisten dort zu sehen bekamen, sorgte für überraschte Gesichter selbst bei den erfahrenen Beamten. Die Halle mit einer Größe von etwa 650 Quadratmetern und einer mittleren Raumhöhe von sieben Metern war randvoll mit Kartonagen, teilweise gestapelt bis zur Decke.

Die etwa 6500 Kartons, in der Regel doppelt so groß wie normale Umzugskisten, waren vollgepackt mit Handtaschen. Sichtung und Selektierung beanspruchten laut Faltin zig Tage, bis endlich der gesamte Inhalt in Augenschein genommen war. Mehr als 200.000 Handtaschen mussten überprüft werden. Ergebnis: 20.914 waren Imitate. Der Ermittlungserfolg stellte die Polizei allerdings vor eine logistische Herausforderung. Schließlich mussten die beschlagnahmten Taschen irgendwo untergebracht werden. Nach intensiven Recherchen habe über das Regierungspräsidium Darmstadt eine geeignete Halle angemietet werden können, berichtet Sprecher Faltin.

Riesige Lagerhalle mit gefälschten Druckerpatronen gefunden

Wie in alten Zeiten bildeten die Beamten Menschenketten, um die Kisten aus der Halle in Dreieich zu wuchten und sie auf Europaletten zum Abtransport bereitzustellen. Mit drei Lastkraftwagen der Bereitschaftspolizei wurden die mehr als 500 Kisten an zwei Tagen in sechs Einzelfahrten zum neuen Lagerort transportiert. Damit seien die „Knochenarbeiten“ in diesem Verfahren abgeschlossen, meint Faltin. Die Feinarbeit in dem Betrugsverfahren dauert allerdings an. (fm)

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