Wegen Fotovoltaikanlage

Max-Eyth-Schule in Dreieich: Klima-AG ärgert sich über Gebäude-Eigentümer

Ihre Geduld wird auf die Probe gestellt: Die Schülervertretung mit Helena Lindenblatt, Anastasia Ereskovskji, Julian Martin, Alisha Seyffer und Mahir-Ahmad Taeser (von links) wartet ungeduldig auf eine Reaktion der Immobilienverwaltung Hannover Leasing.
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Ihre Geduld wird auf die Probe gestellt: Die Schülervertretung mit Helena Lindenblatt, Anastasia Ereskovskji, Julian Martin, Alisha Seyffer und Mahir-Ahmad Taeser (von links) wartet ungeduldig auf eine Reaktion der Immobilienverwaltung Hannover Leasing.

Die Klima-AG der Max-Eyth-Schule in Dreieich würde gerne eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach errichten. Der Eigentümer des Schulgebäudes - die Hannover Leasing aus Bayern - reagierte bislang aber nicht auf den Vorschlag. Die engagierten Oberstufenschüler sind enttäuscht.

Dreieich – Bei den Demonstrationen von Fridays for Future in Frankfurt waren sie am Start, in der Aula des Hauses des Lebenslangen Lernens (HLL) haben sie eine große Podiumsdiskussion zum Thema Klimawandel organisiert und dank ihres Engagements ist es in der Mensa der Max-Eyth-Schule (MES) möglich, die eigene Tasse mitzubringen, um Müll zu vermeiden. Die Klima-AG des beruflichen Gymnasiums wurde erst 2019 gegründet, aber die engagierten Oberstufenschüler haben bereits für Aufsehen gesorgt. Der Kreis Offenbach zeichnete sie mit dem Jugendengagementpreis „Ist doch Ehrensache“ in der Kategorie Umwelt aus.

Jetzt aber bohren die jungen Leute an einem besonders dicken Brett. Um die Schule auf dem Weg zur Klimaneutralität voranzubringen, wünschen sie sich eine Fotovoltaikanlage zur Stromgewinnung für den Eigenbedarf auf dem Schuldach. Die erste Anfrage an den Kreis Offenbach als Schulträger ist zum Scheitern verurteilt: Das HLL ist nicht im Besitz des Kreises. Für den Campus mit all seinen Gebäuden ist die Hannover Leasing in Pullach bei München zuständig.

Im Dezember 2019 wenden sich die Oberstufenschüler mit einem Schreiben an das Unternehmen in Bayern. „Wir haben uns schon intensiv mit den technischen Möglichkeiten des Schuldachs beschäftigt“, berichtet Lehrer Matthias Wallich, der die Klima-AG betreut. „Das Gebäude ist optimal für Solarmodule. Es ist ein Flachdach ohne jegliche Verschattung und bietet eine große Fläche.“ Der erste Versuch der Kontaktaufnahme mit der Gesellschaft verläuft ernüchternd – es gibt keinerlei Reaktion aus Pullach.

So leicht lassen sich die Schüler aber nicht entmutigen. Wie ernst es den Jugendlichen ist, zeigt eine Unterschriftenaktion im Dezember 2020. Unter den schwierigen Pandemie-Bedingungen gelingt es der AG, mit Unterstützung der Schülervertretung mehr als 600 Unterschriften für eine Solaranlage auf dem Schuldach zu sammeln. In kurzer Zeit konnten die Initiatoren gut ein Viertel der gesamten Schülerschaft mobilisieren. Ein zweiter Brief geht am 20. Dezember 2020 an die Hannover Leasing. Auch die Lehrerschaft unterstützt die Klima-AG. Der Personalrat schreibt das bayerische Unternehmen ebenfalls an. „Bislang gab es einfach gar keine Resonanz des Eigentümers unseres Schulgebäudes. Weder an uns Lehrer noch an die Schüler“, bedauert Pädagoge Wallich, dass sich das Unternehmen nicht einmal die Mühe mache, den Schülern zu antworten.

Die jungen Leute fragen sich, weshalb eine so sinnvolle Idee nicht umgesetzt wird. Den Schülern geht es darum, dass die Verantwortlichen aktiv werden, die Klimawende mitgestalten und sich „den notwendigen und überfälligen Neuerungen nicht länger widersetzen“, schreiben sie. Es sei ein alarmierendes Zeichen, wenn Jahre verstrichen, ohne dass etwas für den Klimaschutz und für die Reduktion klimaschädlicher Emissionen getan werde.

Mit der Veröffentlichung ihres Anliegens wollen sie Druck aufbauen und einen Gesprächstermin mit der Hannover Leasing erreichen. „Sie empfinden die Mauer des Schweigens und der Ignoranz inzwischen als Abwertung“, sagt auch Florian Kraft, der zuständige Lehrer an der MES für die Schülervertretung. Er selbst findet es bitter, dass engagierte Jugendliche die Erfahrung machen müssen, dass sich sinnvolle Vorhaben selbst mit besten Argumenten und unter Verweis auf ihre Dringlichkeit nicht anstoßen und umsetzen lassen. Die Mitglieder der Klima- AG sind bereit, nach Pullach zu reisen, sie laden Vertreter des Unternehmens aber auch in die Schule ein. Die Kreisverwaltung hat laut Klima-AG übrigens Dialogbereitschaft signalisiert, eine Installation von Solaranlagen auf einem der kleineren, älteren Kreisgebäude des Schulgeländes sei möglich.

Auch die Redaktion benötigt mehrere Anläufe, um eine Aussage von der Hannover Leasing zu bekommen. Ein Sprecher der Vermögensverwaltungsgesellschaft entschuldigt sich: „Es tut uns sehr leid. Die Schreiben sind hier schlicht untergegangen“, räumt er ein. Man stehe der Idee einer Fotovoltaikanlage keinesfalls abgeneigt gegenüber. Ganz so einfach sei es dennoch nicht, die Pläne zu realisieren: „Die Hannover Leasing ist nur der Verwalter des Gebäudes, Eigentümer ist ein geschlossener Immobilienfonds. Und Verhandlungspartner müsste der Kreis sein. Aber wir nehmen den Kontakt zur Schule auf“, verspricht der Sprecher. (njo)

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