Kampf gegen Windmühlen

Mit László Boroffka hat ein Hoffnungsträger der Dreieicher Grünen seinen Parteiaustritt erklärt

László Boroffka hat die Grünen verlassen.
+
László Boroffka hat die Grünen verlassen.

Es ist ein Paukenschlag und zumindest ein kleiner Schock für die örtliche Parteispitze: Sie verliert einen ihrer Hoffnungsträger. Der ehemalige Sprecher der Grünen Jugend Dreieich und Mitglied der Grünen-Fraktion im Stadtparlament, László Boroffka, hat seinen Austritt bekanntgegeben. Auch das Mandat als Stadtverordneter legt er nieder, sobald die Frage der Nachfolge geklärt ist.

Dreieich. Der Austritt sei das Ergebnis eines längeren Prozesses gewesen, sagt Boroffka. Seine Entscheidung habe persönliche wie politische Gründe. Er habe sich in der Partei schon länger nicht mehr wohlgefühlt, sagt der 22-Jährige, der in der Stadt auch für sein großes Engagement zur Realisierung der Parkour-Anlage im Bürgerpark bekannt ist. Boroffka nennt einen Vorfall in der Landespartei vor zwei Jahren, den er als „harte Erfahrung“ für sich bezeichnet. „Es ging damals um einen Antrag in der Landesmitgliederversammlung von einem Parteikollegen und mir, der eine Verschärfung der Klimaziele zum Ziel hatte – besonders im Hinblick auf die Koalition mit der CDU“, schildert er. Die Parteispitze war mit dem Entwurf nicht einverstanden, die Basis hatte dem Antrag aber zugestimmt. „Das gab sehr schlechte Stimmung und ich habe mich dann aus der Arbeit in der Landespartei zurückgezogen. Das war eine schwierige Zeit“, sagt er rückblickend.

Insgesamt erlebt der Student der Politikwissenschaften und Philosophie die politische Arbeit häufig als frustrierend. „Die Mutlosigkeit der eigenen Partei hat mich etwas enttäuscht. Wir haben über Dinge diskutiert, von denen ich dachte, sie sind längst Konsens. Ich hatte den Eindruck, mich mehr an parteiinternen Widerständen abzuarbeiten, als Politik zu machen“, so Boroffka.

„Ich will die Sache auch nicht größer machen, als sie ist. Natürlich gab es gute Gründe für den Austritt – auch auf persönlicher Ebene – aber im Streit sind wir nicht auseinandergegangen“, sagt der scheidende Kommunalpolitiker.

Seine persönliche Bilanz der vergangenen Jahre bleibt positiv: Die Zeit mit der Grünen Jugend bezeichnet er als „spitze“, er habe in den drei Jahren in der Partei und auch in der kommunalpolitischen Arbeit sehr viel gelernt, dafür ist er dankbar und möchte die Zeit auch nicht missen. „Ich habe sehr viel Unterstützung erfahren. Und ich muss mir jetzt natürlich den Vorwurf gefallen lassen, warum ich nicht weiter für meine Ideale gekämpft habe. Das ist sicher richtig, aber es kommt mir vor wie ein Kampf gegen Windmühlen“, sagt László Boroffka. Und weiter: „Aber meine Entscheidung fühlt sich richtig an. Und trotzdem wüsste ich zumindest in Dreieich nicht, welche andere Partei ich wählen sollte.“ Die Grünen hätten das ambitionierteste Programm.

Auch aus der Fraktion gibt es keine bösen Worte. Sprecherin Linda Hein sagt: „Wir bedauern den Austritt von László Boroffka natürlich sehr, respektieren aber die Entscheidung. Er hat die Grüne Jugend Dreieich aufgebaut und war ein wichtiges Mitglied der Grünen Dreieich. László hat uns versichert, auch weiterhin ansprechbar zu sein für Themen, in die er involviert war. Wir wünschen ihm alles Gute, er wird seinen Weg gehen.“  njo/fm

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare