Gemeinsame Aktion von DLB und zwölf Künstlern

Mit Kunst gegen den Müll in Dreieich

Die zwölf Plakate der Künstler aus Dreieich und Neu-Isenburg zur Müllaktion finden sich in der Dreieichenhainer Altstadt. Und jedes ist mit einem abgewandelten Gedicht versehen.
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Die zwölf Plakate der Künstler aus Dreieich und Neu-Isenburg zur Müllaktion finden sich in der Dreieichenhainer Altstadt. Und jedes ist mit einem abgewandelten Gedicht versehen.

Die Ergebnisse einer originellen interkulturellen Zusammenarbeit sind aktuell in der Dreieichenhainer Altstadt und in Neu-Isenburg rund um den Rosenauplatz zu bewundern. Um der zunehmenden Vermüllung in Zeiten der Pandemie zu begegnen, hat der Dienstleistungsbetrieb (DLB) für beide Städte die Initiative „Ein schöner Ort kennt keinen Müll“ gestartet, begleitet von einer Kunstaktion.

Dreieichenhain/Neu-Isenburg - Gegen das achtlose Wegwerfen vor allem von To-Go-Verpackungen hat der DLB spezielle Tonnen aufgestellt. Um die Problematik mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken, wurden jeweils sechs Künstler aus beiden Städten vom Kulturbüro Neu-Isenburg und den Bürgerhäusern gebeten, sich kreativ mit der Thematik Müllvermeidung zu beschäftigen.

„Das ist eine schöne Idee. Da haben wir sofort zugesagt“, betont Ilse Dreher von der Kunstinitiative Dreieich. In Neu-Isenburg wurde das Forum zur Förderung von Kunst und Kultur (FFK) unter der Leitung von Kati Conrad dafür gewonnen. Das Ergebnis sind originelle Arbeiten – beispielsweise zur Schönheit der Natur, aber auch ihrer Verschandelung durch den Müll. Von Dreieicher Seite haben Robert Kögel, Waltraud Munz-Heiliger, Gloria Brand, Ilse Dreher und Tobias Ballweg teilgenommen. Walter Diewock nutzte einen Text des verstorbenen Robert Chariot.

Alle Kunstmotive werden von berühmten Gedichtzeilen begleitet, die für das Thema abgeändert wurden. So soll die Annäherung fantasievoll erfolgen und zum Nachdenken anregen. „Denn die Botschaft ist eigentlich klar: Lasst keinen Müll herumliegen“, betonen die Initiatoren der Aktion.

Nachfolgend ein paar Beispiele: Robert Kögel machte aus Zeilen des Gedichts „O lieb, solang du lieben kannst!“ von Freiligrath: „O lieb, solang du lieben kannst!/O pfleg die Welt, damit du Schönheit siehst!/‘Die Stunde kommt, die Stunde kommt,/Wo du am Müllberg stehst und klagst!“

Waltraud Munz-Heiliger verwandelte „Abschied“ von Eichendorff in „O Täler weit, o Höhen,/O schöner, weiter Platz,/Da draußen, liegt in Massen,/Müll der geschäftgen Welt,/werft doch nichts auf den Boden!/Es kostet euch viel Geld.“ Und Tobias Ballweg machte aus „Der Knabe im Moor“ von Droste-Hülshoff: „O schaurig ist’s übern Platz zu gehn,/ Wenn es wimmelt von Pizzakartonen,/ Sich wie Phantome Pappbecher drehn/Und die Plastikflasche häkelt am Strauche.“ Natürlich fehlen auf den Plakaten die Hinweise zum Ursprungstext nicht. Vielleicht regt das Besucher auch an, sich mit den wunderschönen Original-Gedichten zu beschäftigen.

Wichtig war es Dreher, dass es keine Trennung zwischen den Künstlern und den Städten gibt. In diesem Sinne hängen die zwölf Plakate aller Beteiligten sowohl in Neu-Isenburg als auch in Dreieich. Zum schönen Ambiente der Altstadt passen sie besonders.

Mit den ersten Erfahrungen der Aktion „Ein schöner Ort kennt keinen Müll“ zeigt sich Petra Klink, DLB-Vorstand, durchaus zufrieden: „Die Tonnen werden gut angenommen.“ Drei stehen im Bereich der Burg und der Altstadt in Dreieichenhain, sechs an verschiedenen Orten in Neu-Isenburg. „Wir haben schon die Anregung bekommen, weitere Tonnen aufzustellen“, führt sie aus. Doch an eine Ausweitung denkt der DLB aktuell nicht. Denn mit der Aktion sei einiges an Arbeit verbunden. So müsse es Kooperationspartner geben, die auch an den Wochenenden und Feiertagen die Tonnen leeren. Klink hofft, dass die nun anstehende Öffnung der Außengastronomie dafür sorgen wird, dass die Menge an To-Go-Verpackungen in der Öffentlichkeit zurückgeht.

Von Holger Klemm

In der Dreieichenhainer Altstadte hängen die zwölf Plakate.

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