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Mit Kunst gegen Elterntaxis in Dreieich

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Von: Nicole Jost

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Die bunten Bilder sollen die Autos ausbremsen. Leider sind die Fabelwesen nicht von Dauer.
Die bunten Bilder sollen die Autos ausbremsen. Leider sind die Fabelwesen nicht von Dauer. © -Jost

An einem normalen Schultag herrscht Chaos pur vor der Weibelfeldschule in Dreieich. Noch ein bisschen schlimmer wird es, wenn es regnet. Daran sind keinesfalls Schüler schuld, oder gar die Lehrkräfte: Es sind Eltern, die ihren Nachwuchs am liebsten bis vors Tor der Gesamtschule fahren und dabei alle anderen Jugendlichen, die zu hunderten zu Fuß oder mit dem Rad kommen, in Gefahr bringen.

Dreieich - Die Fahrzeuge bleiben im Halteverbot stehen, verstopfen die Zufahrtsstraße und, wie erst gestern beobachtet, wenden sogar mitten auf der viel befahrenen Hainer Chaussee.

Die Schulgemeinde und das Ordnungsamt haben bereits viel versucht, um die Gefahr für alle Beteiligten einzudämmen. Es gibt regelmäßige Kontrollen und an der Hainer Chaussee wurde ein Elternhalt eingerichtet. „Leider alles nur mit mäßigem Erfolg, die Autos fahren trotzdem bis vor die Schule“, beobachtet Michael Becker, stellvertretender Leiter der Weibelfeldschule.

Kunstlehrerin Kirsten Riedl begegnet dem Problem jetzt mit einer kreativen Street-Art-Aktion. Schüler der siebten, neunten und zehnten Klassen schaffen unter dem Motto „Malen statt Fahren“ optische Hürden auf der Zufahrtsstraße vor der Schule. Ganz nach dem Vorbild von Straßenkünstler David Zinn, dessen besondere Kreidetechnik auf der Straße für einen bunten Drei-D-Effekt sorgt, sollen die von den Schülern gezeichneten Kreidebilder die Straße in Szene setzen und schnelle Autos ausbremsen.

„Es war eine tolle Aktion. Das Ordnungsamt hat uns die Straße gesperrt, der Förderverein hat die Kreide gespendet und die Schülerinnen und Schüler haben sehr kreativ und konzentriert gearbeitet. Die Ergebnisse sind großartig“, ist Kirsten Riedl stolz auf die jungen Künstler. Leonie sitzt im Spagat auf der Straße und malt eine Mäuseballerina mit Stopschild in den Pfoten, Emy und Lara sprechen mit ihren Fabeltieren, die ein „Stop Eltern“- Schild halten, die Unbelehrbaren auf vier Rädern sogar direkt an. Es sind kunterbunte Bilder, die auch durch eine schwarze Kohleumrandung einen dreidimensionalen Ausdruck bekommen und die Figuren scheinbar aus der Straße steigen lassen.

„Wir finden es super. Wir haben fast sechs Stunden gemalt, hatten Musik an, es war eine tolle Atmosphäre, auch zwischen uns jüngeren Schülern und den älteren Jahrgängen. Es hat wirklich Spaß gemacht“, berichten Malea und Lene aus der G7b. „Wir hoffen, dass unsere Aktion Erfolg hat und die Autos der Eltern ausbremst“, sagt auch Leonie.

Schade ist nur, dass die ausdrucksvollen Zeichnungen vom ersten Regen in ein buntes Farbengemisch verwandelt und anschließend in den Gulli abfließen werden. „Das ist das Schicksal von Straßenkunst“, bedauert auch Kunstlehrerin Riedl die Vergänglichkeit. Aber auf die eigentliche Aktion mit der Kreide folgt eine zweite – eine Social-Media-Kampagne. Über Instagram veröffentlicht die Schule ein Video im Zeitraffer, das das Verkehrschaos an einem ganz normalen Schultag zeigt. Die Bilder bekommen dabei einen zweiten Auftritt, weil Kirsten Riedl sie mit dem Überflug einer Drohne festgehalten hat. Zusätzlich sollen in dem Video auch die schönsten Fotografien der Kunstwerke und ihr Entstehungsprozess zu sehen sein und damit hoffentlich langfristig für Wirkung sorgen, also die Eltern auf das Problem aufmerksam machen. Das Video geht bei Schulbibliothekarin Linda Hein auf dem offiziellen Instagram Account instagram.de/ausleihulla online.

Von Nicole Jost

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