Silverballs begeistern / Konstantin Wecker sagt Auftritte ab

Mitreißendes Konzert bei Luft & Liebe in Dreieich

Was für ein großartiger Abend: Die Silverballs um Pianist und Sänger Jürgen Rutz rockten die Parkterrasse am Bürgerhaus. Das Publikum ließ sich von der Spielfreude schnell anstecken.
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Was für ein großartiger Abend: Die Silverballs um Pianist und Sänger Jürgen Rutz rockten die Parkterrasse am Bürgerhaus. Das Publikum ließ sich von der Spielfreude schnell anstecken.

Bürgerhauschef Benjamin Halberstadt und Veranstaltungsleiterin Maria Ochs sind sich sicher: Es wäre ein fantastischer Sonntag bei „Luft & Liebe“ in Dreieich geworden. Spitzenwetter, herausragende Künstler, ausverkaufte Vorstellungen auf der Parkterrasse – doch dann klingelt am Samstagmittag das Telefon. Konstantin Wecker kann nicht auftreten, teilt die Agentur des Liedermachers mit.

Dreieich - Weckers zwei Konzerte sollten der Höhepunkt der Reihe „Luft & Liebe“ werden. Aus Lust wird kurzzeitig Frust. Halberstadt, Ochs und ihr Team machen sich daran, die Gäste zu informieren, damit die sich nicht umsonst auf den Weg machen. Das ist, wenn man so will, ein Vorteil von Corona: Die Bürgerhäuser haben Telefonnummern und Mail-Adressen von allen Kartenkäufern.

Bei aller Enttäuschung hält das Wochenende aber auch ein wunderbares Trostpflaster bereit: Am Samstagabend legen die Silverballs einen mitreißenden Auftritt hin, der von 230 Besuchern gefeiert wird. Der Gig hebt auch Halberstadts und Ochs’ Laune. Im Gegensatz zum Vorjahr stehen die „Balls“ nur noch zu viert auf der Bühne, ihnen ist der Sänger verlustig gegangen. Schlechter sind sie dadurch nicht geworden. Dazu später mehr.

Dass der Sonntag nicht ganz so werden würde wie geplant, stand schon länger fest. Das Saxofon-Quartett Sistergold, für eine Matinee gebucht, hatte seinen (ausverkauften) Auftritt bereits vor ein paar Wochen wegen eines Krankheitsfalls absagen müssen. Die kurzfristige Nachricht von Weckers Ausfall – seine Stimme ist angegriffen – setzt auch einem Dauer-Optimisten wie Benjamin Halberstadt zu. „Was da alles dran hängt. Das Hotel war gebucht, Catering und was sonst noch alles. Die Konzerte hätten auch unserem Budget gut getan“, sagt Halberstadt. Bei Luft & Liebe bewegen sich die Preise zwischen 15 und 25 Euro, für Wecker sind 42 fällig. Es war ein Kunststück, den bayerischen Barden für so eine kleine Bühne überhaupt zu engagieren. Deshalb auch der Doppelpack. Wer Wecker schon live erlebt hat, weiß: Der Mann will nichts lieber als vor Publikum spielen. „Ich kriege so langsam ein Wecker-Trauma“, sagt Halberstadt und erinnert an den August 2019. Damals gab der Sänger samstags ein Konzert bei den Festspielen und sollte am Sonntag den Abschluss bestreiten. Dann kam der Sturm – und nichts ging mehr. Was bleibt, ist der Ausblick auf 2022. Für den 14. August ist Wecker bei den Festspielen gebucht.

Nun zum erfreulichen Ereignis des Wochenendes. Die vier Musiker der Silverballs sprühen bei ihrem Auftritt am Samstagabend nur so vor Spiellaune. Nach langer Bühnenabstinenz gibt das Quartett um Pianist und Sänger Jürgen Rutz mächtig Gas – und die Besucher haben richtig Spaß. Die Balls nehmen sie mit auf eine Zeitreise in die Welt des Rock’n’Roll der 50er und 60er Jahre. Sie haben auch eigene Songs im Repertoire, hauen aber etliche Klassiker raus. Beseelt singt, wippt und klatscht das Publikum bei Louis Primas „Just a Gigolo“, Paul Ankas „Diana“ oder Cliff Richards „Lucky Lips“ – ehe Rutz zur kollektiven Gesangsstunde bittet. „La, la-la-la-la-la, La-la-la-la-la, La-la-la-la-la“ – bei (Sir) Elton Johns „Crocodile Rock“ aus den 70ern wird das Publikum zum Chor. In Erinnerung bleibt auch eine wunderbare Version von Grand Funk Railroads „Some kind of wonderful“. Nach zwei Stunden ist Schluss. Man merkt den Vieren an, sie hätten gerne noch weitergemacht. Aber aus Rücksicht auf die Anwohner ist um 22 Uhr Schicht. Für Halberstadt und seine Crew nicht, schließlich muss noch abgebaut werden. Beim „Feiernachtbierchen“ mit der Band kann dann auch Halberstadt mal abschalten.

Von Frank Mahn

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