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Modemacherin aus Buchschlag unterstützt Nachwuchs

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Von: Nicole Jost

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Ihre Kontakte in die Modewelt hat die in Buchschlag wohnende Sevinc Yerli genutzt, um die Frankfurt Fashion Lounge auf die Beine zu stellen.
Ihre Kontakte in die Modewelt hat die in Buchschlag wohnende Sevinc Yerli genutzt, um die Frankfurt Fashion Lounge auf die Beine zu stellen. © -Marina Ackar

Sevinc Yerli ist noch ganz berauscht von dem Erfolg der Fashion Lounge bei der Frankfurt Fashion Week im Januar: „Es war so großartig, wir haben es trotz aller Schwierigkeiten mit der Pandemie durchgezogen. Ich bin noch so geflasht“, sagt die 43 Jahre alte Buchschlagerin mit funkelnden Augen.

Dreieich - 2019 hat sie ihre Idee der Frankfurt Fashion Lounge zum ersten Mal umgesetzt – es ist der Treffpunkt für die Modedesigner aus Hessen, Deutschland und vor allem auch immer eine Chance für den Nachwuchs. Über drei Tage waren zwölf Designer auf den Runways im Restaurant der Alten Oper und im Sofitel Alte Oper live zu erleben, 70 Models haben die neuesten Kollektionen präsentiert und 250 Mitarbeiter haben Backstage dafür gesorgt, dass alles rund läuft. Der große Name war sicherlich der Berliner Designer David Tomaszewski. „Aber alle haben Haute Couture auf ganz hohem Niveau gezeigt und es war so glamourös – so wie wir es eben in diesen Tagen gebraucht haben“, sagt die glückliche Gastgeberin rund eine Woche nach der Veranstaltung.

Sevinc Yerli ist selbst Designerin, Mutter von drei Kindern und gemeinsam mit ihrem Mann, der weltweit sehr erfolgreich in der Computerspielbranche tätig ist, lebt sie seit acht Jahren in Buchschlag. „Wir sind hier zu Hause, es ist meine Oase der Ruhe. Ich schätze die Nähe zur Natur, wo ich mit den Hunden laufen kann und doch habe ich alles, was ich brauche, in der unmittelbaren Nähe“, ist sie längst in dem Dreieicher Stadtteil angekommen. Außerdem, sagt Sevinc Yerli, haben es die zwei jüngeren Kinder – die älteste Tochter studiert in der Schweiz– nah zu ihren Sportvereinen und die Nachbarschaft sei unvergleichlich hilfsbereit.

Ihre eigene Karriere als Modedesignerin startet vor zehn Jahren. Mit dem Label Chili Bang Bang hat sie sich schnell einen Namen für ausgefallene Shirts gemacht, die vielseitig nutzbar sind. Ihre Kundinnen tragen die Stücke mit Pailletten sowie frechen und lustigen Sprüchen schick zum Ausgehen und genauso zu Hause als Streetstyle zum Einkaufen. Dazu entwirft sie glamouröse Glitzerkleider für besondere Anlässe und zum Wohlfühlen. „Es geht mir darum, Frauen zu bestärken, mit Mode, die Selbstbewusstsein ausdrückt“, erläutert die Designerin ihre Motivation.

Es läuft gut für Sevinc Yerli, Moderatorin Frauke Ludowig trägt ihre Shirts. Das Geschäft wird schnell groß, die Shirts und Kleider liegen in 300 Boutiquen deutschlandweit. In der Herstellung setzt sie auf faire Bedingungen: Die Produktion ist in Istanbul, die Mitarbeiter werden fair bezahlt und die Stoffe werden nicht extra gefertigt, sondern sie kauft solche auf, die schon im Kreislauf der Textilindustrie sind. „Ich habe dann aber nach einigen Jahren gemerkt – übrigens schon vor Corona – dass die kleineren Boutiquen es schwer haben und unser Lager sich mit den jeweils älteren Kollektionen füllte. Das ist nicht mein Verständnis von Nachhaltigkeit“, erzählt sie. Yerli denkt um, verkleinert vor etwa vier Jahren die Kollektion, entwirft und präsentiert nur noch in einer sehr exklusiven Stückzahl.

Ihre Erfahrung, ihre Kontakte in der Modewelt nutzt sie, um die Frankfurt Fashion Lounge auf die Beine zu stellen. Gleich die erste, 2019, ist mit einem 30 Meter langen Cross-Walk als Zebrastreifen über den Opernplatz ein durchschlagender Erfolg. Heute ist sie sehr gerne Mentorin für junge Modemacher aus Hessen. Gemeinsam mit der Maßschneiderinnung Hessen, Benjamin Füller vom Modehaus Füller und der Wirtschaftsinitiative Frankfurt hebt sie das Fashion Designer Mentoring Programm aus der Taufe. Junge Designer reichen ihre Entwürfe zum Thema Nachhaltigkeit und Alleinstellungsmerkmal ein. Die besten Fünf bekommen die Chance, zwei Entwürfe zu realisieren. Models tragen sie bei der Fashion Lounge über den Laufsteg. Die Wirtschaftsinitiative unterstützt bei Businessplänen, die Maßschneiderinnung bei der Umsetzung und das Modehaus Füller stellt ein Regal bereit, um die Mode dann auch tatsächlich zu verkaufen. „Ich hätte mir so eine Chance sehr gewünscht, als ich anfing. Und es macht mir jetzt so einen Spaß, mit den jungen Leuten zusammenzuarbeiten. Sie sind so kreativ und inspirierend“, freut sich die Unternehmerin. Was treibt sie an? „Ich kann nur sagen, dass es mich maßlos ärgert, wenn Menschen sagen, die Mode sei mein Hobby. Das ist es nicht, wir arbeiten hart!“, so Yerli. Sie hat bei allem Erfolg nie vergessen, wo sie herkommt: „Ich bin ein Gastarbeiterkind. Meine Eltern haben uns mitgegeben, dass es sich lohnt, fleißig zu sein und für die Ziele zu kämpfen. Oft ist es der leichtere Weg, bei Niederlagen aufzugeben. Mein Mann und ich haben es über den Fleiß und den Ehrgeiz geschafft. Das geben wir auch unseren Kindern mit“, sagt sie mit großer Überzeugung.

Von Nicole Jost

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