Stadt sieht keine akute Gefahr durch verbuddelte Eternitplatten

Umweltskandal in Offenthal?

Schlummern in diesem unscheinbaren Erdhaufen Gefahren durch Asbest?
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Schlummern in diesem unscheinbaren Erdhaufen Gefahren durch Asbest?

Geht von einer zugewucherten Erhebung auf auf einer Wiese im Offenthaler Süden neben den Gärten eine Gefahr für die Umwelt aus? Das vermutet ein Leser, der die Situation dort schon länger beobachtet und das auch der Stadt gemeldet hat. Diese sieht keinen akuten Handlungsbedarf.

Offenthal - Zum Hintergrund: Der Leser hat gesehen, wie im Jahr 2019 auf dem Gelände ein alter Schuppen abgerissen wurde, der mit Eternitplatten abgedeckt war. Doch statt diese fachgerecht entsorgen zu lassen, seien die Reste mit schwerem Gerät etwa 30 Meter in eine Ecke geschoben worden. Der Verursacher hat vorsorglich Erde darüber geschüttet, so der Zeuge. Deshalb sei jetzt alles mit Gras überwachsen.

Der Mann, der namentlich nicht genannt werden möchte, geht angesichts des erkennbaren Alters der Eternitplatten von asbesthaltigem Material aus. Der Abwassergraben direkt daneben verschärft seiner Ansicht nach die Situation noch. Für ihn liegt die wilde Entsorgung im Bereich einer Straftat.

Er hat seine Beobachtungen im März 2019 dem Dienstleistungsbetrieb (DLB) mitgeteilt, der ihn an die Stadt verwiesen habe. In einem Schriftwechsel mit Karl Markloff, städtische Ressortleitung Infrastruktur und Umwelt, verwies dieser auf die Schwierigkeit, den Namen des oder der Eigentümer ausfindig zu machen. Der Zeuge betont, dass die Wiese von einem Landwirt regelmäßig bewirtschaftet werde, was doch ein Ansatz wäre, an die Adresse zu kommen.

Die Situation hat sich seiner Ansicht nach am Anfang des Jahres durch die längeren Regenfälle deutlich verschärft. Durch angesammeltes Oberflächenwasser sei es an dieser tiefsten Stelle im Gelände zu einer teilweisen Überflutung des Abfallberges und zur direkten Verbindung an den angrenzenden Wassergraben gekommen. „Ohne Zweifel ist unverzügliches Handeln geboten“, so der Mann. Doch bis heute sei nichts passiert. Er versteht nicht, warum die Stadt keine Fachfirma beauftragt, um das Material zu beseitigen.

Markloff spricht auf Anfrage von einer komplizierten Materie. Da es sich nicht um ein städtisches Grundstück handelt, müsse der Eigentümer ausgemacht werden. Recherchen hätten ergeben, dass der frühere gestorben ist. Die Erben hat die Stadt bislang nicht ausfindig machen können – auch nicht über die Grundsteuer. Durch personelle Engpässe im Rathaus sei die Angelegenheit zurückgestellt worden, räumt der Ressortleiter ein. Er will jetzt den Feldschütz mit einschalten, bei der Suche nach dem Eigentümer zu helfen. Sollte diese erfolglos bleiben, müsste die Stadt in den „sauren Apfel“ beißen und auf dem Grundstück die verbuddelten Reste der Hütte entsorgen.

Zugleich beruhigt er, dass von den möglicherweise asbesthaltigen Platten keine akute Gefahr ausgehe. Diese würde dagegen bei einem Bruch der Platten entstehen. Dann könnten asbesthaltige Fasern in die Luft gelangen und diese verunreinigen. So gibt es laut Markloff auch keine Vorschriften, noch vorhandene Dächer mit eternithaltigen Platten abzubauen und zu entsorgen. Dafür müssten Fachfirmen mit geschultem Personal eingesetzt werden, die einen Bruch der Platten und ein Freisetzen von Asbest verhindern. Auch wenn die Gefahr momentan gering sei, verspricht Markloff, dran zu bleiben.

Von Holger Klemm

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