Monologe mit dem Publikum

Dreieich - Jutta Wübbe überzeugt als Marlene Jaschke

Sprendlingen Für hörbare Lachanfälle und hysterische Heiterkeitsausbrüche sorgte der Besuch einer älteren, liebenswert-nervigen Dame im voll besetzten Sprendlinger Bürgerhaus: Die Komikerin Jutta Wübbe hat als Marlene Jaschke mit ihrem Programm „Verflixt noch mal“ das Publikum begeistert.

Überzeugend, aber auch strapazierend konsequent spielt Jutta Wübbe die Kleinbürgerin und altjüngferliche Tratschtante, die gestenreich und ohne jede Scham vor Mitteilungsdrang nur so platzt und kein Blatt vor den Mund nimmt.

So erspart sie dem Publikum weder die peinlichen Details ihrer 23 Jahre währenden unerfüllten Leidenschaft für ihren Arbeitskollegen Siegfried Tramstedt, noch werden den Zuschauern die Intimitäten ihres Schwagers Werner verheimlicht.

Diesen unkontrollierten Redefluss würzt sie inhaltlich mit hochphilosophischen Theorien („Menschen, die viel Fleisch essen, verwildern“) und gibt, die Hand eines Zuschauers bewundernd, Kosmetik-Tipps: „Ich nehme Melkfett!“

Die schrullig-naive Quasselstrippe mit dem roten Hut, der Hornbrille und ihrer Umhängetasche scheint gar schon zur Kultfigur geworden sein, denn es reicht schon eine Andeutung ihres Gestenreichtums oder eine Anspielung zu einem ihrer Lieblingsthemen wie Waltraud, ihr Wellensittich oder ihr Schwager Werner, um einige Zuschauer schier ausrasten zu lassen.

Dass einer Marlene Jaschke jegliches Schamgefühl abhanden gekommen ist, zeigt sie, wenn sie völlig hemmungslos anfängt, auf der Bühne zu singen und zu tanzen: Sie trällert Volkslieder und Schlager, schmettert Opern-Arien aus voller Kehle oder packt alte Rock‘n Roll-Klassiker und Balladen aus.

Je exhibitionistischer sie ihre Sangeskünste präsentiert, desto schauerlicher klingen sie. Da kann auch der die begleitende Pianist Volker Griepenstroh den Karren nicht mehr aus dem musikalischen Dreck ziehen. Dafür aber muss dieser aber anderweitig den rasierten Schädel hinhalten, wenn Jaschke den schweigsamen Orgelspieler zunächst verbal misshandelt und später gar zu Leibesübungen auf der Bühne nötigt.

Der Trumpf von Marlene Jaschke sind jedoch die unnachahmliche Versuche, sich körperlich auszudrücken: Mit einer Mischung aus tolpatschig-hilfloser Gestik und trotzdem irgendwie emphatischer Mimik, meist mit vorgestrecktem Oberkörper, versucht sie, ihren Kalauern und dem biederem Geplauder Nachdruck zu verleihen.

Während des Programms befindet sich Jaschke im ständigen Monolog mit den Zuschauern: Sie plaudert auf sie ein, gibt ihnen Ratschläge, animiert zwei Herren zum Turnen und macht mit ihnen letztendlich eine Polonäse durch den Saal - zur Schadenfreude des restlichen Publikums im Bürgerhaus.

NIELS BRITSCH

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