Sprendlinger Baierhansenwiesen

Naturlotse löst Konflikte um Naturschutzgebiet in Dreieich Sprendlingen

Torsten Jens ist zum zweiten Mal im Einsatz in den Baierhansenwiesen. In dem hoch frequentierten Landschaftsschutzgebiet in Dreieich bei Offenbach gibt es einiges zu tun.
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Torsten Jens ist zum zweiten Mal im Einsatz in den Baierhansenwiesen. In dem hoch frequentierten Landschaftsschutzgebiet in Dreieich bei Offenbach gibt es einiges zu tun.

Naturlotse Torsten Jens in Dreieich bei Offenbach schützt die Sprendlinger Baierhansenwiesen und klärt über sie auf. Doch immer wieder kommt es auch zu Konflikten.

Dreieich - Es ist ganz schön was los an einem gewöhnlichen Wochentag in den Vormittagsstunden im grünen Naherholungsgebiet am Rande von Sprendlingen: Zahlreiche Spaziergänger – mit und ohne Hund – flanieren über den Rundweg an den Baierhansenwiesen. Manch einer tollt auch verbotenerweise mitten durch das Grün. Ein älteres Ehepaar ist mit E-Bikes schnell unterwegs, ein Polizeiauto wirbelt beim Streife fahren im Landschaftsschutzgebiet ordentlich Staub auf.

„Die Problematik in diesem Gebiet hat sich nicht verändert, und auch die Frequenz ist nach wie vor hoch“, sagt Torsten Jens von der Naturschule Hessen. Seit gut zwei Wochen ist er wieder in den Baierhansenwiesen unterwegs. Schon 2015 hat die Stadt Dreieich Jens mit seiner Partnerin Stephanie König als Mediatoren in die Wiesen geholt. Auch jetzt ist das Rathaus nach der Anregung der städtischen AG Umwelt und Naturschutz wieder Auftraggeber für 15 Einsätze des Naturlotsen.

Sprendlingen in Dreieich bei Offenbach: Konflikte im Spannungsfeld Naturschutz und Naherholungsgebiet

Hunde in der Wiese, unangeleinte Vierbeiner, die die Bodenbrüter stören, Menschen, die rücksichtslos gegenüber den Eigentumsgrenzen der landwirtschaftlichen Fläche sind – das sind wie gehabt die Konflikte im Spannungsfeld Naturschutz und Naherholungsgebiet. „Es gibt aber nicht nur schwarz und weiß“, betont Torsten Jens. Der Diplom-Verwaltungswirt und Forstwirt mit Ausbildung zum Umweltpädagogen, spricht die Menschen auf den Wiesen direkt an – und findet offensichtlich den richtigen Ton. Er habe inzwischen gute Kontakte zu den Hundeleuten. Eine Gruppe treffe sich jeden Mittag zum Spazierengehen. „Und sie marschieren auch schon mal mitten durch die Wiesen. Das Argument dabei ist: Das haben wir schon immer so gemacht“, berichtet Jens.

Sein Weg ist die Kommunikation, die Aufklärung über die Schönheit und die Besonderheit in dem Landschaftsschutzgebiet, aber eben auch das Zuhören, wenn die Menschen ihm erzählen, was sie in diesem schon seit Jahren schwelenden Konflikt „ankekst“. „Hier wird viel Energie investiert: von der einen Seite, Schilder aufzustellen und Grenzen zu ziehen, und von der anderen Seite, eben genau diese immer wieder zu überwinden. Das führt zu nichts. Wir müssen die Fronten aufweichen und die Menschen an einen Tisch setzen und gemeinsam Lösungen finden“, so Jens.

Hundebesitzer in Dreieich Sprendlingen (Offenbach) fühlen sich kritisiert

Es gelte, betont der Naturlotse, mit kreativen Aktionen die Grenzüberschreitungen deutlich zu machen. Es könne nur über das Verständnis funktionieren. Aber natürlich müssten Leute, die sich über alle Regeln hinwegsetzen, Büsche heraus reißen und „schwarze Schafe“, die die Hunde durch die Wiese jagen lassen, auch Konsequenzen spüren. Das ginge eben nur mit gewissen Kontrollen. „Soziale Eigenverantwortung alleine reicht eben manchmal nicht aus“, weiß der Naturlotse. Da sei der Feldschütz eine gute Idee, auch wenn er den Namen nicht sonderlich passend findet.

Aber in den Gesprächen hat er auch herausgehört: Die Hundebesitzer fühlen sich kritisiert und schuldig gemacht. Dabei seien sie selbst beispielsweise verärgert über den Hundetourismus. Auf jeden Fall wollen sie den Stempel „der bösen Hundeleute“ loswerden. Eine mögliche Lösung zeichne sich jetzt schon ab. Eine Ausgleichsfläche, also ausreichend Platz auf einer Wiese, auf dem die Hunde ganz legal und ohne Leine toben dürfen, wäre eine echte Alternative. Das müsse jetzt mit der Politik und der Unteren Naturschutzbehörde besprochen werden.

Sprendlingen in Dreieich nahe Offenbach: Naturlotse bringt Schulklasse die Natur näher

Um noch mehr Informationen zu sammeln, gibt Torsten Jens Fragebögen aus, auf dem die Leute anonym notieren können, wann und wie oft sie in die Baierhansenwiesen kommen, aus welchen Stadtteil sie kommen, wie lange sie bleiben - und ihm ganz besonders wichtig - welche Wünsche und Anregungen sie für das Naherholungsgebiet haben. „Daraus können wir die Grundlage für unsere Gespräche ziehen“, ist er optimistisch, die Beteiligten an einen Tisch zu bekommen.

In den kommenden Tagen soll es neben einem Rundgang mit Bürgermeister Martin Burlon auch Unterrichtsstunden unter freiem Himmel für die sechsten Klassen der Ricarda-Huch-Schule mit Torsten Jens in den Baierhansenwiesen geben. Schließlich können Kinder nicht früh genug lernen, wie schön die Natur ist und wie man sich rücksichtsvoll in ihr verhält. (Nicole Jost)

Erst kürzlich sorgte ein Park-Chaos in Sprendlingen in Dreieich nahe Offenbach für Frustration.

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