Anwohner-Ärger

Auto-Ballett auf Eis

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Auf der Heinrich-Heine-Straße könnte man getrost Schlittschuhlaufen. Anwohner finden das gar nicht witzig. Durch das ständige Rangieren der Autofahrer vor den Garagen hat sich der Niederschlag zu einer geschlossenen Eisschicht verfestigt.

Götzenhain - Wenn Robert Becker aus seinem Fenster schaut, hat er schon häufig die Luft angehalten. „Es ist oft knapp“, sagt er. Autos zuckeln im Schneckentempo vorbei, damit sie nicht an Garagen, Tore und Mauern anecken. Von Cora Werwitzke

Die Heinrich-Heine-Straße in Götzenhain verdient die Bezeichnung „Straße“ im Moment eigentlich nicht – wenn überhaupt, dann als Heinrich-Eis-Straße. In vielen Nebenstraßen Dreieichs hält sich das Eis hartnäckig, aber so großflächig wie vor Robert Beckers Haustür ist es fast nirgendwo. „Jedes Jahr sieht es hier so aus“, klagt der Anwohner. „Die Stadt weiß davon, unternimmt aber nichts. Für mich ist das Unterlassene Hilfeleistung.“ Tatsächlich ist die Straße leicht abschüssig, Garagentore reihen sich aneinander. „Das ist das Problem“, vermutet Becker. „Durch das ständige Rangieren vor den Garagen sind Schnee und Eis auf der Fahrbahn schnell festgefahren.“

Dazu kommt, dass es in der Heinrich-Heine-Straße keine Bürgersteige gibt. „Alte Leute haben im Moment echt ein Problem, sie können quasi nicht vor die Tür gehen“, konstatiert Becker. Die Anwohner streuen zwar entlang ihrer Häuser, vor den Garagen und teils sogar auf der Fahrbahn, aber vor allem, wenn fremde Autos in die Straße einbiegen, wird’s laut Becker schnell brenzlig.

Im Rathaus bemüht man sich um Verständnis für die Grenzen des Machbaren: „Wir bekommen in diesen Tagen viele Anrufe von Bürgern, die uns auf vereiste Straßen aufmerksam machen“, sagt Pressesprecherin Irene Dietz auf Anfrage. „Fakt ist, unsere Personalsituation und das Budget geben nicht her, dass wir Nebenstraßen räumen. Das ist einfach nicht leistbar.“

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Anrufer werden mit dem Hinweis vertröstet, dass die Wettervorhersage ab dem Wochenende wieder wärmere Temperaturen verspricht. „Wir können bis dahin nur dazu raten, auf vereisten Flächen sehr vorsichtig zu fahren“, sagt die Pressesprecherin. Für Robert Becker, der zu den vielen Anrufern gehört, ist die Haltung der Verantwortlichen im Rathaus nicht nachvollziehbar: „Bei allem Verständnis“, meint er, „in so einem Extremfall wie in der Heinrich-Heine-Straße muss die Stadt einfach handeln.“

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