Gegner warnen vor mehr Verkehr

Neue Mitte: Große Mehrheit beschließt Bebauungsplan

+
Die Weichen für das Projekt Neue Mitte in Sprendlingen sind nach der Abstimmung in der Stadtverordnetenversammlung gestellt. An der Hauptstraße 22 - 38a soll ein Quartier mit fünf Häusern entstehen.

Dreieich - Eine Chance, den Niedergang der Sprendlinger Innenstadt aufzuhalten, oder ein überdimensioniertes Projekt, das die Lebensqualität der Altstadtbewohner verschlechtert? Zum Thema Neue Mitte prallten in der Stadtverordnetensitzung gegensätzliche Standpunkte aufeinander. Von Holger Klemm

Am Ende gab es eine klare Mehrheit dafür. Die Dramaturgie der Sitzung am Dienstagabend führt dazu, dass die Gegner den Auftakt machen. Holger Gros (FWG), Maximilian Müger (AfD) und Natascha Bingenheimer (Linke) zählen noch einmal die Argumente gegen das Projekt auf, ohne ein Umdenken bei den anderen Fraktionen zu erreichen. Der Bebauungsplan „konterkariert die Ziele, die wir bisher für die Ortsmitte von Sprendlingen verfolgten“, kritisiert Gros. Das Projekt sei völlig überdimensioniert und füge sich nicht in die Eigenart der näheren Umgebung ein. Die geplante Verdichtung überschreite deutlich die vorgesehenen Obergrenzen für Mischgebiete. Zudem führe der Bebauungsplan zu mehr Verkehr, zu mehr Lärm-immissionen und zu weniger Lebensqualität. Der angenommene Antrag der Grünen zu einer weitergehenden Verkehrsuntersuchung sei lediglich eine Beschwichtigung.

Müger ergänzt für die AfD, dass durch den großen Supermarkt auf Dauer weitere Einzelhändler aufgeben würden. Zudem fließe für die Stadt nichts zurück, da der Investor in Neu-Isenburg sitze und dort Gewerbesteuer zahle. Bingenheimer (Linke) bedauert die vertane Chance auf eine behutsame Stadtentwicklung. Wegen der Nullzinspolitik würden Investoren in die Städte drängen. Im Vordergrund stünde die Gewinnmaximierung. Die Bürger hätten das Nachsehen. Wichtig sei es dagegen, ökologische und soziale Belange in Einklang zu bringen.

Die Befürworter des Projekts sehen das naturgemäß ganz anders und befürchten einen Stillstand und einen weiteren Abstieg der Innenstadt, sollte nichts passieren. Es liege im Trend und sei sinnvoll, Wohnungen und die Nahversorgung in die Innenstädte zu holen, wie Dr. Günter Gericke (FDP) hervorhebt.

Alles zum Bebauungsplan „Neue Mitte“

Hartmut Honka (CDU) verweist auf die lange Vorgeschichte des Projekts, mit dem auf die fehlende Nahversorgung im Sprendlinger Süden und im Heckenborn reagiert werde. Viele fahren momentan mit dem Auto zu den Märkten auf die grüne Wiese, was Verkehr produziere. Es sei zudem nicht so, dass „Beschlüsse in der dunkelsten Ecke gefällt werden“. Honka erinnert an das Bürgerforum 2013, bei dem das Interesse nicht so groß gewesen sei. Und der Investor sei auf Bedenken eingegangen und habe Veränderungen an der Planung vorgenommen. „Man kann natürlich auch alles so lassen, wie es ist.“ Doch die aktuelle Situation sei kein ästhetischer Hingucker. Unhaltbar findet er den Vorwurf von Müger, dass eine Firma in Neu-Isenburg profitiere. Es sei doch das Ziel, dass Firmen Gewinne machen, um Steuern zahlen zu können.

Roland Kreyscher (Grüne) versichert, dass die Bedenken und Risiken Ernst genommen würden. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht.“ Doch nach Abwägungen aller Punkte sei die Fraktion zur Auffassung gekommen, das Projekt zu befürworten. Der Verkehr sei durchaus ein Risiko. Darum werde man sich weiter kümmern. Deshalb hätten die Grünen ihren Antrag gestellt. Und es gebe durchaus Ideen, den Durchgangsverkehr aus der Innenstadt rauszuhalten und sich auf den Ziel- und Quellverkehr zu beschränken. Manchmal habe man bei den Kritikern den Eindruck, in der Innenstadt entstehe eine Shopping-Mall. Dabei gehe es um die Nahversorgung. Allerdings sei das Projekt nur ein Baustein für den Prozess zu einer urbanen und lebendigen Innenstadt.

Auch Gericke spricht für die FDP von einem Baustein für eine Trendwende. Weitere Schritte wie die Neuordnung des gesamten Bereichs müssten folgen. Zudem sei eine Verdichtung im innerstädtischen Bereich durchaus sinnvoll. Es könne keine Rede davon sein, dass das Projekt durchgepeitscht werde. Seit vier Jahren werde darüber gesprochen. Ein Stillstand mache keinen Sinn.

Leserbilder: Die schönsten Plätze in Dreieich

Holger Dechert (SPD) gibt zu, sich an dem Begriff „Neue Mitte“ zu stören, der eine Nummer zu groß sei. Mehr Charme hätte das „Fünf-Häuser-Quartier“ gehabt. Aber auch er sieht in dem Projekt eine Chance für die Zukunft, um die Sprendlinger Innenstadt als Geschäftszentrum zu erhalten. Er glaubt nicht, dass es zu Verkehrsproblemen kommen werde. Der Supermarkt sei ein Ort zum Einkaufen für die Sprendlinger, der – auch vom Baugebiet Heckenborn – fußläufig zu erreichen sei. Die Befürchtungen nach der Inbetriebnahme der Ampel am Rathaus hätten sich ebenfalls nicht bewahrheitet. Es gebe keine Staus, die es auch vorher nicht schon gegeben hätte.

Die Abstimmung wird zu einer klaren Sache: Den Vorlagen des Magistrats zum Städtebaulichen Vertrag und zum Bebauungsplan stimmen 37 Stadtverordnete zu, acht sind dagegen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare