Gut Neuhof empfängt Grundschüler

Sitzprobe auf dem Melkschemel

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Wo Tiere sind, da sind auch streichelnde Kinderhände. Etliche Mädchen und Jungen kamen beim großen Grundschultag näher an Ferkel, Rinder, Pferde, Hühner und Co. heran als je zuvor.

Götzenhain - Was würde Dr. Manuel Lösel aus dem hessischen Kultusministerium für Gummistiefel geben. Beim Rundgang über das Hofgut Neuhof krempelt der Staatssekretär die Hosenbeine ein Stück hoch. Von Cora Werwitzke

Es ist matschig – so sehr, dass die Schweine der Götzenhainer Landwirtsfamilie Sehring ihre helle Freude hätten. Aber das Borstenvieh hat beim 6. Hessischen Grundschultag in seinem kleinen Gehege einen anderen Auftrag: Wie etliche weitere Bauernhoftiere, wie Info- und Mitmachstände bildet es eine Anlaufstelle für an die 1800 Mädchen und Jungen, die an diesem Vormittag auf dem Götzenhainer Gelände über die vom Regen aufgeweichten Wiesen waten.

Bus um Bus bringt die Dritt- und Viertklässler am Morgen aus der ganzen Region auf das Aktionsgelände. Dort hat das Organisationsteam vom Kreis, dem Amt für ländlichen Raum in Bad Homburg und dem Pferdesportverband Hessen zusammen mit rund 300 ehrenamtlichen Helfern schon ganze Arbeit geleistet. Auf die Kinder wartet geballte Bauernhof-Atmosphäre, angereichert mit Wissenswertem rund um Sach- und Naturthemen. Die Klassen treffen Förster, Imker, Bauern, Naturschützer und Jäger.

Melken einer Kuh-Attrappe

Richtig ins Zeug legt sich der Nachwuchs am Stand von Günther Wehr. Dort machen sich die Schüler einer Langener Grundschule daran, eine Kuh-Attrappe zu melken. Der Euter speist sich aus einem Wasserkanister auf der Rückseite der Kuh. Nicolas ist an der Reihe – und gibt beim Plastikzitzen ziehen ordentlich Gas. Nach einer halben Minute misst Günther Wehr 664 Milliliter. Hut ab. Eine weitere Standbetreuerin händigt Nicolas eine Urkunde aus. Melktest bestanden!

Einige Meter abseits steuert Lehrerin Gabi Rannow mit ihrer Klasse 3c der Erich-Kästner-Schule den Stand von Hessen Forst an. Dort zählen die jungen Sprendlinger Jahresringe verschiedener Baumarten und testen ihr Geschick beim „Eichel-Flipperautomat“. Wobei der eine oder andere dafür noch gar keine Hand frei hat – viele knabbern an Äpfeln oder Karotten, die es an der Vorstation gegeben hat.

Politiker machen sich Bild vom Trubel

Fast zur gleichen Zeit drückt sich ein Schüler-Trio der Offenthaler Wingertschule nahe des großen, mit Biergarnituren bestückten Rastplatzes fast die Nasen an einem Brutkasten platt. Darin erkunden einige frisch geschlüpfte Küken ihre Umgebung. „Nein, die kann man nicht kaufen, auch nicht verschenken“, antwortet die Standbetreuerin schmunzelnd auf die drängenden Fragen einer ganzen Traube von Kindern.

Im Trubel hat sich derweil eine Delegation aus Kreis- und Ministeriumsvertretern in Bewegung gesetzt, die sich ein Bild vom Bauernhof-Spektakel machen möchte. Landrat Oliver Quilling schreitet auf matschigem Untergrund forsch voran. „Mit diesem Tag wollen wir die Möglichkeit schaffen, Tiere und die Abläufe in der Natur direkt zu erleben – Dinge also, die im normalen Unterricht so gar nicht möglich sind“, fasst er zusammen.

Jede Klasse hat im Vorfeld rund sieben Stationen zugewiesen bekommen. An jeder einzelnen verbringen die Kinder mit ihren Lehrern und Betreuern zwischen einer Viertel- und halben Stunde. Außerdem winkt allen rund 90 Klassen eine Kutschfahrt.

Bilder vom Grundschultag

Grundschultag 2014 am Hofgut Neuhof

Im Laufe des Tages bekommt vor allem der über das Gelände verteilte Streichelzoo viel Aufmerksamkeit. Jagdhorn-Bläser Markus Wißkirchen verfolgt belustigt, wie die sechs Jagdhunde der Taunus-Meute die Streicheleinheiten in ihrem Gehege genießen. Als plötzlich spitze Schreie laut werden und eine Reihe Kinder zurückweicht, ist das Gelächter groß: Einer der Hunde hat just das Bein gehoben und die Gehegestange markiert. Wo man hinsieht, streicheln Kinderhände Rinder, Pferde, Ziegen und Hühner. Bei Falkner Detlef Kotsch geht’s noch exotischer zu: Er stellt Drittklässlern aus Rembrücken eine junge Schleiereule vor. „Wenn sie angreift, verlässt sie sich auf den letzten Metern nur noch auf ihr Gehör“, erläutert er. Die Kinder suchen erstaunt die Ohren am Eulenkopf. Später erzählt der Falkner, dass seine Eule eine Handaufzucht ist – „für ein wildes Tier wäre der Vormittag hier zu stressig“. Im Hintergrund putzen sich auf einer Stange zwei Wüstenbussarde das Gefieder.

Alle 80 Standbetreiber geben sich viel Mühe damit, ihre Themen spannend zu präsentieren. Gleich an drei Buden geht es um Bienen. Ein paar Meter weiter stehen Äpfel und die Kelterei, Ackerpflanzen, Pilze und die Hufschmiederei im Fokus. Selbst eine Abordnung des Wetterparks Offenbach ist vertreten. Und das, obwohl sie das durchwachsene Wetter vermutlich vorhergesehen hat.

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