Keine „lahme“ Veranstaltung

Grünes Erfolgsjahr: Neujahrsempfang mit Minister Kai Klose  

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Mit akrobatischen Kunststücken eröffneten Kinder und Jugendliche vom Neu-Isenburger Zirkus Wannabe den Empfang im Rathaus. Da zückte sogar der Minister sein Smartphone.

Dreieich – Akrobatik, Musik und Politik – aus diesen Zutaten haben die Dreieicher Grünen das Menü für ihren Neujahrsempfang komponiert. Von Frank Mahn

Gastredner ist ein frisch gebackener Landesminister: Kai Klose, an diesem Abend seit genau einer Woche im Kabinett von Volker Bouffier für Soziales und Integration verantwortlich. Der 45-Jährige, bis zum Sommer auch noch Landesvorsitzender seiner Partei, freut sich nach eigenen Worten, dass er bei keiner „lahmen“ Veranstaltung gelandet ist. Als Kinder und Jugendliche vom Neu-Isenburger Zirkus Wannabe zum Auftakt ihre Kunststücke zeigen, zückt der Minister sein Smartphone, um den Auftritt festzuhalten. Er habe noch nie einen Empfang mit so vielen Kindern erlebt, sagt Klose und scherzt: „Ich hoffe, ihr seid alle freiwillig hier.“

Klose lässt das Wahljahr 2018 Revue passieren, das aus Sicht der Grünen bekanntlich sehr erfreulich gelaufen ist. In Bayern verdoppelte die Partei ihren Stimmenanteil nahezu auf 17,6 Prozent. Noch erfolgreicher waren die Grünen am 28. Oktober bei der Landtagswahl in Hessen: „Mit 19,8 Prozent haben wir unser historisch bestes Ergebnis erzielt“, stellt Klose fest. Mit 29 Abgeordneten und einem hauchdünnen Vorsprung von 66 Stimmen zog die Partei vor der SPD in den Landtag ein. Von den 29 Parlamentariern, hebt der Minister hervor, seien fünf direkt gewählt worden. Auch das habe es noch nicht gegeben. Das gilt ebenso für den Umstand, dass aus zwei grünen Ministerien vier wurden. „Mit dem Rückenwind aus Berlin haben wir eine neue Erfahrung gemacht. Endlich hat Wahlkampf mal wieder Spaß gemacht.“

Eine „hervorragende“ Bilanz attestiert Klose der schwarz-grünen Koalition für die ersten fünf Jahre. Dennoch habe man nach der Wahl auch mit anderen Fraktionen Sondierungsgespräche geführt. „Das hat mich allerdings ernüchtert.“ Mit der CDU werde in der Sache „knallhart“ debattiert, aber man führe keine ideologischen Grabenkämpfe. Klose betont, dass es im ersten Kapitel des neuen Koalitionsvertrags um den Zusammenhalt der Gesellschaft gehe. Das sei auch deshalb von Bedeutung, weil 30 Prozent der in Hessen lebenden Menschen einen Migrationshintergrund hätten. In keinem anderen Bundesland sei der Anteil höher. Ausbau der Kinderbetreuung, ein Hessenpass, der Menschen mit geringem Einkommen die Teilhabe an Kultur ermöglicht, und das Problem fehlender Hebammen (Klose: „Das Thema wurde lange belächelt“) sind einige der Schwerpunkte, die der Minister auf seiner Agenda hat.

So sieht das Landeskabinett in Hessen aus

In Dreieich schnitten die Grünen mit fast 24 Prozent noch deutlich besser ab als im Landesdurchschnitt. Der Slogan „Haltung statt Populismus“ sei bei den Menschen „gut angekommen“, sagt Roland Kreyscher. Klimaschutz, Kinderbetreuung und Finanzen nennt der Sprecher der Grünen-Fraktion im Stadtparlament als vordringliche Themen, die es in Dreieich zu beackern gelte. „Die Städte und Gemeinden sind die ersten, die beim Klimaschutz etwas bewegen können.“ Bei der Kinderbetreuung sollten 250 neue Plätze in den nächsten Monaten „zumindest Milderung bringen“, so Kreyscher. Die Kommunen brauchten allerdings dringend stärkere finanzielle Unterstützung von Bund und Ländern. Das jährliche Defizit in Dreieich beträgt laut Kreyscher 14 Millionen Euro.

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