Notizbuch der Woche

Kommentar: Nur nicht ängstlich sein

Dreieich - Braucht Dreieich eine Moschee? Die Frage, mit der sich am Donnerstagabend eine Diskussionsrunde vor großem Publikum in der Sprendlinger Stadtbücherei befasste, ist ganz klar mit einem Ja zu beantworten. Von Klaus Hellweg

Allerdings ist es nicht Dreieich, das eine Moschee braucht, sondern es sind die gläubigen Muslime, denen man das Recht auf einen würdigen Gebetsraum nicht absprechen kann und darf. Wobei die Betonung auf „würdig“ liegt, denn die vielen Hinterhofräume sind nicht das, wohin man eine große Glaubensgemeinschaft abdrängen darf. Die Muslime haben ebenso einen Anspruch auf eine Moschee wie die Christen auf ihre Kirchen.

Doch so wichtig das Thema Moscheebau in Dreieich auch ist und so kontrovers es bisher diskutiert wurde: Die Podiumsdiskussion, organisiert vom „Runden Tisch Islam“, hat ein wenig ihr Ziel verfehlt. Ganz einfach deshalb, weil man unter sich geblieben war. Soll heißen, weil es niemanden auf dem Podium und auch nicht im Publikum gab, der eine Moschee-kritische Position vertreten hätte. Nicht etwa, weil die Veranstalter so jemanden nicht bei sich haben wollten, sondern weil sich niemand gefunden hatte. Auch nicht einer von denen, die schon vor Monaten eine Unterschriftsliste gegen den Bau der Moschee an der Maybachstraße gestartet hatten.

Die Menschen sind, wie sie sind

Doch so schade das ist: Man muss Verständnis haben. Die Menschen haben schlichtweg Angst davor, für ein offenes Moschee- oder Islam-kritisches Wort abgestraft zu werden. Sicherlich nicht im Rahmen der Podiumsdiskussion, aber bei passender Gelegenheit. Das mag unbegründet, falsch und von übertriebener Sorge getragen sein, aber die Menschen sind nun einmal, wie sie sind. Sie bringen den Islam, eine von Haus aus friedliche Religion, schnell in Verbindung mit Terrorismus, Gewalt und Anschlägen. Und sie glauben jeden Tag aufs Neue, hauptsächlich via Fernsehen dafür Belege ins Haus geliefert zu bekommen.

Weil das nun einmal so ist, führt kein Weg daran vorbei, sich bei seinen Bedenken nicht von dem leiten zu lassen, was in der weiten Welt angeblich im Namen des Islam passiert. Wichtiger ist es, die Muslime vor Ort, in der Nachbarschaft, kennen und verstehen zu lernen; zu sehen, wie sie leben und zu wissen, wie sie ihren Glauben praktizieren. Das ist bestimmt nicht immer ganz einfach und braucht ein gegenseitiges Aufeinander-Zugehen. Aber es führt dahin, gelassener zu sein, Ängste abzubauen und dann vielleicht auch nichts mehr gegen eine Moschee zu haben.

Rubriklistenbild: © op-online

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