Nach fast 40 Jahren verabschiedet sich Dr. Heinz Walter

Nicht nur die Patienten sind traurig

+
An diesem Schreibtisch saß Dr. Heinz Walter in dieser Woche zum letzten Mal. Der 68-Jährige wird seinen Patienten fehlen. Umgekehrt ist’s freilich genauso. Die Praxis mit dem bewährten Team bleibt aber bestehen und ist ab Montag wieder besetzt.  

Dreieich - Er war eine Institution im Sprendlinger Norden, seine Patienten werden ihren Hausarzt „schmerzlich“ vermissen. Dr. Heinz Walter hat sich nach fast 40 Jahren in den Ruhestand verabschiedet, die Praxis in der Hegelstraße bleibt aber bestehen. Von Frank Mahn 

Ab Montag ist dort seine Nachfolgerin Dr. Claudia-M. Schnapp anzutreffen. Die Entscheidung, sagt Walter, sei ihm alles andere als leicht gefallen. Und er räumt ohne Umschweife ein: „Ich schlafe im Moment nicht wirklich gut.“ Altersbedingt sei der Schritt aber irgendwann fällig gewesen. Im August feiert der Mediziner seinen 69. Geburtstag, da darf man schon mal ans Aufhören denken. Aber es nimmt ihn mit. „Über all die Jahre haben sich viele Beziehungen zu Patienten aufgebaut. Das ist ja jetzt zu Ende.“ Da schwingt Wehmut mit. Vermissen wird Walter auch sein vierköpfiges Team, auf das er seit Jahren zählen konnte. Die vier Arzthelferinnen arbeiten weiterhin in der Praxis, was Walter besonders wichtig war.

Für eine Hausarztpraxis einen Nachfolger zu finden, sei ungemein schwierig, schildert der Neu-Ruheständler. Die Stelle sei schon seit gut vier Jahren ausgeschrieben gewesen, aber all die Zeit habe sich niemand gemeldet. Bis vor ein paar Monaten. Als dann die Kassenärztliche Vereinigung auch noch ihre Zustimmung gab, habe er die Chance wahrgenommen, sagt Walter – um den Fortbestand der Praxis zu sichern. Und deshalb ging dann auf einmal auch alles ziemlich schnell. Aber: Im schlimmsten Fall hätte er eines Tages aufgehört, ohne das Feld bestellt zu haben.

Viele Patienten reagierten geschockt auf die Nachricht und dachten, Walter sei krank. „Bin ich nicht“, gibt er lächelnd Entwarnung. Etliche Briefe hat er zum Abschied bekommen, mit den besten Wünschen für den neuen Lebensabschnitt. „Es tut mir im Herzen weh, dass er geht, aber ich gönne es ihm von Herzen“, schrieb einer. „Es hat viele Umarmungen und Tränen gegeben“, erzählt der Mann mit dem feinen Humor, der – egal wie lang der Tag war – immer ausgeglichen wirkte und stets aufmunternde Worte für seine Patienten fand.

Mit einer Stammzellspende Leben retten

Fast vier Jahrzehnte sind ins Land gegangen, seit sich der gebürtige Seligenstädter nach Studium und Berufseinstieg in einem Frankfurter Krankenhaus auf eigene Füße stellte und 1978 eine Praxis in der Damaschkestraße eröffnete. Knapp fünf Jahre später folgte der Umzug in die Hegelstraße. Seine Frau Dorothee praktizierte im gleichen Haus als Kinderärztin, bis sie 2013 in den Ruhestand ging.

Nun hat Walter den Schlussstrich gezogen. Er freut sich darauf, mehr Zeit für seine Frau („Sie hat ja vier Jahre auf mich gewartet“) zu haben, will seine Hobbys Wandern, Radfahren, Kochen und die Arbeit im Garten in Götzenhain intensivieren – und darauf, Tochter Antje und deren Familie im Schwarzwald auch mal ohne lange Planung besuchen zu können. Dann kriegen Opa und Oma öfter hautnah mit, wie ihre drei Enkel wachsen.

Der Beruf war für Walter immer Berufung. Mit den Jahren habe man aber immer mehr Zeit für Formalitäten und Bürokratie aufwenden müssen. „Ich habe immer noch Arbeit mit nach Hause genommen“, sagt er. Viel Freizeit blieb da nicht. „Jetzt können wir auch mal abends was unternehmen.“

Walter selbst wäre für einen Kollegen im Übrigen kein guter Patient gewesen. In den fast 40 Jahren als Arzt fehlte er gerade mal einen Tag wegen Krankheit.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.