Stadtwerke behaupten sich am Markt

Nicht sexy, aber gut im Geschäft

Dreieich - Der Energiemarkt ist heiß umkämpft, aber die Stadtwerke Dreieich sind nach den Worten ihres Geschäftsführers Steffen Arta für den Wettbewerb und die Herausforderungen der Digitalisierung gewappnet. Von Frank Mahn 

Eine der größen Aufgaben in den nächsten Jahren ist die Sanierung des Stromnetzes. Das Gros der Leitungen ist 40 bis 50 Jahre alt. Steffen Arta ist zufrieden mit dem vergangenen Geschäftsjahr. Die Stadtwerke seien im Markt gut positioniert, bräuchten sich mit ihren Angeboten nicht zu verstecken. „Auch wenn wir keine sexy Produkte haben, die wir mit einem Schleifchen drum verkaufen können.“ Der Stellenwert des Unternehmens werde erst deutlich, wenn mal kein Wasser aus dem Hahn fließe oder der Strom kurzzeitig ausfalle, so der Geschäftsführer bei der Vorstellung des Geschäftsberichts. Doch obwohl ein Großteil des Stromnetzes in die Jahre gekommen ist – die Versorgung ist nahezu lückenlos gewährleistet. 2017 wurden gerade einmal 22,4 Ausfallminuten im Netz registriert. In Unterhalt, Ausbau und Modernisierung der gesamten Infrastruktur und in die Digitalisierung der Netze investierte die Gesellschaft im vergangenen Jahr fast vier Millionen Euro.

Beim Gewinn verbuchten die Stadtwerke einen Rückgang von knapp 1,3 auf 5,5 Millionen Euro. Das ist laut Arta immer noch ein sehr gutes Ergebnis, denn 2016 hätten Einmaleffekte für ein herausragendes Plus gesorgt. Den Gewinn überweisen die Stadtwerke an ihre Gesellschafter Mainova (eine Million) und Stadt-Holding Dreieich. Der Mutterkonzern gleicht damit die Verluste von Verkehrsbetrieben und Bädern aus – und er füttert die Stadtkasse. Die Ausschüttung beträgt wieder 600.000 Euro.

Mit seinen knapp 80 Mitarbeitern erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 51,8 Millionen Euro (2016: 52,7). Sowohl bei Strom als auch bei Gas und Wasser konnten die Stadtwerke den Absatz steigern. Augenfällig ist der Anstieg beim Wasser – 124.000 Kubikmeter plus im Vergleich zu 2016. Als Gründe nennt Arta den Standort-Ausbau von Biotest und die Neubaugebiete.

Erfreuliches vermeldet Arta von der Rhein-Main-Solarpark GmbH, die als gemeinsames Unternehmen der Stadtwerke und der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH den Solarpark auf der ehemaligen Mülldeponie in Buchschlag betrieben wird. Sie speiste mit 8 540 Megawattstunden 7,4 Prozent mehr ein als geplant. Der Jahresüberschuss kletterte dadurch auf 188.000 Euro.

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Deutlich besser als im Jahr zuvor schnitten die Verkehrsbetriebe ab. Sie hatten 2016 ein Minus von 490.000 Euro verursacht. Der Verlust reduzierte sich auf 280.000 Euro, bedingt durch den Einnahme-Verteilerschlüssel des RMV. Erheblich belastet wird die Bilanz von den beiden Bädern. Sie machten ein Minus von 1,6 Millionen Euro (2016: 1,8 Millionen).

Eine zentrale Rolle spielen die Stadtwerke beim Klimaschutz. Für die Energiewende vor Ort sind sie unverzichtbar. Beim Fotovoltaik-Pachtmodell seien 18 neue Verträge abgeschlossen worden, berichtet Arta. Auch das Wärmecontracting-Modell Thermopur werde gut angenommen. Verlängert haben die Stadtwerke das Förderprogramm für Erdgasfahrzeuge. Das Unternehmen setzt auch im eigenen Fuhrpark immer stärker auf das umweltfreundlichere Erdgas, die halbe Flotte ist inzwischen umgerüstet. Generell stellt Arta fest, dass immer mehr Verbraucher individuelle und digitale Angebote erwarteten. „Darauf müssen wir mit neuen Geschäftsmodellen reagieren.“ Seit diesem Jahr sei es beispielsweise für Solarpur-Kunden möglich, die gewonnene Energie im Keller zwischenzuspeichern. Um sie dann zu nutzen, wenn sie gebraucht wird.

Rubriklistenbild: © dpa

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