„Noch kein Licht am Ende des Tunnels“

„Night of Light“: Bürgerhaus-Chef kritisiert stiefmütterliche Behandlung der Kultur

Auch das Bürgerhaus in Dreieich erstrahlte in der Night of Light in rot.
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Auch das Bürgerhaus in Dreieich erstrahlte in der Night of Light in rot.

Kaum ist die Dämmerung da, leuchtet die Bürgerhaus-Fassade in Dreieich am Montagabend tiefrot.

Dreieich - Der Eingangsbereich, das markante Dach und auch die neue Sommerbühne auf der Terrasse des Sprendlinger Kulturtempels werden von 36 Strahlern angeleuchtet, die das Team von Bürgerhauschef Benjamin Halberstadt installiert hat. Damit sind die Bürgerhäuser Dreieich Teil der bundesweiten Aktion „Night of Light“, bei der im ganzen Land in der Nacht zu Dienstag Kulturgebäude rot illuminiert sind. Für Halberstadt ist es keine Frage, sich an der Aktion zu beteiligen, die auf die Krise der ganzen Veranstaltungsbranche aufmerksam machen soll.

„Es ist eine Katastrophe – und zwar für alle: vom Caterer über die Techniker, die Veranstalter bis zu den Künstlern. Das liegt vor allem daran, dass nach all den Monaten einfach noch kein Licht am Ende des Tunnels zu erkennen ist“, sagt der Bürgerhauschef. Die Kulturschaffenden würden „stiefmütterlich behandelt“ und brauchen dringend Unterstützung von Bund und Land.

Für den Außenstehenden mag es vielleicht so aussehen, als ob der Kulturbetrieb in Dreieich mit Konzepten wie „Luft & Liebe“ wieder anläuft. Doch Halberstadt macht deutlich, wie massiv der Einschnitt ist: „Normalerweise hätten wir in diesem Sommer 25 000 Karten allein bei den Burgfestspielen verkauft – noch ohne die Karten aus dem Mais. Mit dem Programm auf der Terrasse und den 100 erlaubten Gästen sind es 2 700 Karten, wenn alles ausverkauft ist“, stellt er die Rechnung auf. Mit der Einhaltung aller Regeln sind es nur rund zehn Prozent der Kapazität. Verdienen können die Bürgerhäuser daran nichts, auch wenn die Künstler ihrerseits ebenfalls auf Gage verzichten. „Aber natürlich sind wir froh, dass wir wenigstens dieses Programm anbieten können und unser Publikum Lust hat, Kultur live zu erleben und uns das Vertrauen schenkt, dass wir eine solche Veranstaltung sicher organisieren können“, so Halberstadt.

Die Karten für das Juli-Programm auf der Terrasse sind schon ausverkauft, auch der August laufe hervorragend. Die Künstler, so berichtet der Bürgerhaus-Chef, seien froh, endlich wieder vor richtigem Publikum spielen zu können, nach den Versuchen in Autokinos und Online-Streams. Das Programm für die neue Saison wird im August vorgestellt. Dabei plane er nicht mit einem voll zu besetzenden Haus, um nicht zu viel Schaden anzurichten, falls es bei der derzeitigen Regelung bleibt – oder wieder zu Beschränkungen kommt.  njo

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