ÖPNV-Kleinbus kommt wohl später

Noch Fragen zum Hopper in Dreieich

So sieht der Hopper aus: Der Kleinbus in der Elektrovariante ist im Ostkreis in Seligenstadt, Haiburg und Mainhausen schon sehr erfolgreich unterwegs. Über 50 000 Fahrgäste transportierte der Hopper bereits.
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So sieht der Hopper aus: Der Kleinbus in der Elektrovariante ist im Ostkreis in Seligenstadt, Haiburg und Mainhausen schon sehr erfolgreich unterwegs. Über 50 000 Fahrgäste transportierte der Hopper bereits.

Wie im Ostkreis könnte der Hopper in Dreieich das ÖPNV-Angebot verbessern. Doch im Ausschuss gab es noch einige Fragen, die zu einer Verzögerung der Einführung des Konzepts führen werden.

Dreieich – Können die Dreieicher künftig mit dem Hopper pünktlich aus Offenthal zum Flughafenbus, aus Götzenhain zu einem Arzttermin nach Sprendlingen oder nach einem Frankfurt-Besuch mit der letzten S-Bahn vom Bahnhof Buchschlag sicher nach Hause? Das Pilotprojekt „Bus on demand“ von der Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach (kvgOF) verspricht eine individuelle und flexible Nutzung des kleinen Elektrobusses, der bequem 24 Stunden vorab über eine App gebucht werden kann und dann zuverlässig innerhalb der Stadt unterwegs ist.

Der Vorteil des kleinen E-Busses: Es gibt keine verbindlichen Haltestellen, der Fahrer kann seine Gäste an jeder Straßenecke aufnehmen und der Bus kann ganz individuell für eine bestimmte Uhrzeit vorbestellt werden. Auch der Transport von Menschen im Rollstuhl bereitet dem Hopper keine Schwierigkeiten. Im Ostkreis, in den Kommunen Seligenstadt, Hainburg und Mainhausen, ist das ÖPNV-Angebot schon am Start und hat seit Februar 2020 mehr als 50 000 Fahrgäste transportiert. Laut Marcel Biederbick, Leiter Planung und Infrastruktur bei der kvgOF, empfehlen 98 Prozent der Nutzer das Verkehrsmittel weiter.

In Dreieich ist es noch fraglich, wann und ob der Hopper zum Einsatz kommt. Der ursprüngliche Zeitplan sah eine Einführung im Sommer/Herbst diesen Jahres vor – das klappt jetzt keinesfalls. Die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung, Umwelt und Energie haben einstimmig einem Antrag des Magistrats zugestimmt, der sich eine detailliertere Ausarbeitung des Konzeptes für den Hopper in Dreieich wünscht. Dabei geht es insbesondere um die Kosten der Elektro-Busse.

Die Frage der Finanzierung beantwortet Andreas Maatz, Geschäftsführer der kvgOF, mit konkreten Zahlen: Rund 40 Prozent der Kosten trage der Bund, die kvgOF könne 3,6 Millionen Euro Fördermittel aus Berlin abrufen. Die Stadt Dreieich müsste den Betrieb mit 50 Cent pro Einwohner im Monat bezuschussen, das sind rund 250 000 Euro im Jahr. „Den Rest des Defizits trägt die kvgOF“, sagt Maatz, räumt aber ehrlicherweise ein, dass diese Verluste über die Kreisumlage wieder auf die Kommunen zurückkommen könnten.

Stadtverordnete Natascha Bingenheimer (Bürger für Dreieich) drängt auf einen zuverlässigen Personennahverkehr in der Region. „Der Hopper hört sich gut an, besonders für Senioren in den Randzeiten, wenn Busse und Bahnen nicht mehr so regelmäßig fahren. Aber das darf nicht heißen, dass das Stadtbus-Konzept eingeschränkt wird“, sorgt sie sich um ausreichende Kapazität in den Stoßzeiten. Karin Holste-Flinspach (CDU) betont, dass der Einsatz der Schulbusse keinesfalls unter einem solchen Angebot leiden dürfte.

Beide Befürchtungen schließt Steffen Arta, Geschäftsführer der Stadstwerke und der Dreieicher Verkehrsbetriebe, aus. „Es geht nicht darum, mit dem Hopper den Busverkehr auf den Hauptlinien zu schlagen. Auch den Schülerverkehr betrifft das Konzept nicht“, so Arta. Bürgermeister Martin Burlon ergänzt, niemand rede vom Berufsverkehr, aber der Hopper könne eine gute Alternative sein, wenn der Stadtbus mitten in der Nacht mit einem einzigen Passagier durch Dreieich fahre. Dennoch, so Arta weiter, müsse man detailliert ausarbeiten, in welcher Form man eine Erschließung durch den ÖPNV bis in die Quartiere durch den Hopper haben wolle. „Vielleicht sollten wir jetzt den Fuß vom Gas nehmen und das Konzept speziell für Dreieich schärfen. Welchen Nutzen versprechen wir uns von dem Angebot?“, möchte der Chef der Verkehrsbetriebe wissen. Die Verträge für die Stadtbusse liefen ohnehin alle bis 2027 und könnten maximal um zehn Prozent gekürzt werden, sodass keine finanzielle Einsparung zu erwarten wäre. Die Ausschussmitglieder wünschen sich Aufklärung zur Finanzierung des Hoppers und was die Verluste des ÖPNV für Dreieich bedeuten könnte.

Für Andreas Maatz ist die zeitliche Verzögerung kein Problem. Eine Zusage heute könne ohnehin erst einen Betrieb 2022 ermöglichen. Verschiebt die Stadt – wie es derzeit aussieht – die Zusage, könne der Hopper erst 2023 fahren. Maatz wirbt dennoch für den Kleinbus auf Abruf. „Fahren Sie nach Seligenstadt, schauen Sie sich das Konzept an und probieren Sie den Hopper aus.“ Dreieich sei ein wichtiger Partner in dem Gesamtkonzept, auch um Synergien mit den Nachbarstätten zu schaffen. Abschließend entscheidet das Stadtparlament in seiner nächsten Sitzung am Dienstag, 13. Juli.

Von Nicole Jost

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