Bäume leiden unter der Trockenheit

Buchensterben in Dreieich: Nur noch kahle Stämme

Da ist nichts mehr zu machen: Sylvio Jäckel (DLB) zeigt auf die abgeplatzte Rinde, die an vielen Buchen zu finden ist.
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Da ist nichts mehr zu machen: Sylvio Jäckel (DLB) zeigt auf die abgeplatzte Rinde, die an vielen Buchen zu finden ist.

Der Anblick der Buchen im Wald zwischen Götzenhain und Sprendlingen entlang der Landesstraße 3317 stimmt traurig. „Apokalyptisch“ nennt es Sylvio Jäckel, beim Dienstleistungsbetrieb Dreieich und Neu-Isenburg zuständig für den Baumbestand und die Planung.

Dreieich – Die Bäume sind komplett nackt, die Rinde ist bis auf viele Meter in die Höhe abgeplatzt, die Äste in der Krone sind bereits ausgedünnt, es sprießen keine jungen Triebe mehr und der zum Teil reichlich dicke Stamm hat Längsrisse, in die man schon einen kleinen Finger versenken kann. Keine Frage, die Bäume sind tot. „Sie sterben wegen der Trockenheit der vergangenen drei Sommer und wenn sie erst einmal krank sind, erholen sie sich auch nicht mehr“, weiß der Fachmann. Die rund 100 betroffenen Bäume des Staatswaldes entlang der Landesstraße sind nur ein Beispiel. Sylvio Jäckel hat auch schon mehrere kaputte Buchen im Bereich des Stadtwaldes am Berliner Ring in Sprendlingen entdeckt, die von der Krankheit befallen sind. Ganze Bestände sterben dabei ab.

„Buchenkomplexkrankheit beziehungsweise Buchentrocknis nennen wir diesen Befund“, erklärt Melvin Mika, Leiter des zuständigen Fortamtes in Langen. „Durch die starke Sonneneinstrahlung platzt die Rinde auf. Das ist wie ein Sonnenbrand. Die Wunden werden dann von einem Pilz besiedelt, welcher die schwarze Färbung verursacht und das weitere Absterben beschleunigt“, erläutert der studierte Forstwirt.

Das ganze Rhein-Main-Gebiet extrem betroffen

An einigen umliegenden Bäumen in Götzenhain, deren Krone noch grün ist, ist der schwarze Befall, der beinahe aussieht wie Ruß, auch schon zu sehen. Das ist aber beileibe kein Dreieicher Problem, der komplette südhessische Raum – insbesondere das Rhein-Main-Gebiet – sei von dem großflächigen Buchensterben betroffen.

Der absterbende Wald gehe als CO2-Speicher verloren und gleichzeitig bieten die kaputten Bäume auch den restlichen, gesunden Strukturen des Waldes keinen Schutz mehr vor der Sonneneinstrahlung, bedauert Sylvio Jäckel. Auch das bestätigt Melvin Mika. Er nennt es die Gefahr der „aufgelichteten Wälder“. Dennoch können die Förster nur wenig tun, um dem gefährdeten Bestand zu helfen. „Wir versuchen, den Wald so dunkel wie möglich zu halten, damit die Hitze nicht zu tief hineinkriechen kann und die Bäume nach Möglichkeit mit der sehr empfindlichen Rinde der Buchen nicht der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind“, sagt der Forstamtsleiter.

Ein Pilz sorgt für eine schwarze Verfärbung der Buchen.

Aus diesem Grund werden derzeit auch nur kranke Buchen gefällt. Es sei zudem hilfreich, wenn junger Bestand von unten nachwächst und den alten Stämmen damit Schutz biete. „Das sehen wir hier zum Glück schon ein bisschen, das macht Hoffnung“, deutet Sylvio Jäckel auf die vielen jungen Bäume, die im Staatswald von Götzenhain aus dem hinteren Dickicht hochkommen. Er hält es auch für den richtigen Weg, nach Pflanzen zu suchen, die mit den veränderten klimatischen Bedingungen besser umgehen können. „Es gibt schon einige vielversprechende Versuche. Aber das ist ein langer Prozess. Es dauert gut 40 bis 50 Jahre, bis hier an dieser Stelle wieder ein gesunder Wald stehen kann“, sagt er mit Blick auf die kahlen Buchenstämme.

Melvin Mika ist davon überzeugt, dass die stark gestiegene Besucherfrequenz keine weitere Belastung für die Vegetation bedeute: „Wenn die Menschen auf den Wegen bleiben, sich rücksichtsvoll verhalten, stört das die Bäume nicht. Ganz im Gegenteil, eigentlich finde ich es gut, dass die Bürger sehen, dass der Klimawandel Folgen hat und es unserem Wald nicht gut geht. Das führt vielleicht zu einem Umdenken“, so der Forstamtsleiter. Er mahnt allerdings zur Vorsicht. Die abgestorbenen Bäume stellen auch eine Gefahr dar. Bei einem Windstoß brechen leicht Äste ab. „Also besser nicht unter einem kranken Baum stehen bleiben!“ Er hofft jetzt wie Sylvio Jäckel auf eine Verschnaufpause für die Bäume: Beide wünschen sich ein feuchtes Frühjahr, damit sich die Wasserspeicher in den Böden auffüllen können, und einen nicht zu heißen Sommer, damit die Erkrankung der Bäume nicht so rasant fortschreitet wie in den vergangenen Jahren.

Von Nicole Jost

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