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Dreieicher bekommt dubiosen Anruf – Mann fordert Zugriff auf Rechner

Telefon (Symbolbild)
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Jochem Liebermann bekam einen verdächtigen Anruf: Ein angeblicher Microsoft-Mitarbeiter forderte sofortigen Zugriff auf seinen Computer. (Symbolbild)

Ein vermeintlicher Microsoft-Mitarbeiter ruft bei einem Mann aus Dreieich an. Doch der schöpft von Anfang an Verdacht.

Dreieich – Der Anruf kommt OP-Leser Jochem Liebermann auf Anhieb spanisch vor. Auf Englisch meldet sich ein Mann bei dem Dreieichenhainer und behauptet, er arbeite für das Microsoft Headoffice in den USA und müsse sofort auf Liebermanns Computer zugreifen. Denn dort würden gerade Hacker ihr Unwesen treiben. Der angebliche Microsoft-Mitarbeiter teilt Liebermann mit, die Diebe hätten sich bereits in sein Netzwerk und sein Windows-Konto gehackt. Damit diese nicht auch noch seine Bankdaten stehlen könnten, benötige er umgehend Zugriff auf Liebermanns Rechner, gibt er vor.

Der 61-Jährige ist skeptisch, hakt nach. „Als ich den Mann darum gebeten habe, seine Behauptungen nachzuweisen, weicht er mir aus.“ Statt der Bitte nachzukommen, wird der Anrufer aggressiver, drängt Liebermann, den Rechner freizugeben. Der bleibt ruhig, verweigert weiterhin den Zugang. Er ist sich nämlich von Anfang an sicher: Der Anrufer arbeitet gar nicht für Microsoft in den USA. Liebermann erläutert: „Er rief mich mit einer deutschen Nummer an.“ Der Anruf konnte also unmöglich aus Amerika kommen. Als Liebermann den Mann mit seinem Verdacht konfrontiert, wird dieser erst wütend, dann legt er auf. Wenige Minuten später klingelt das Telefon erneut. Wieder ist der angebliche Microsoft-Mitarbeiter dran. Doch diesmal ruft er mit einer österreichischen Rufnummer an.

Vermeintlicher Microsoft-Mitarbeiter: Bekannter Trick von Betrügern

Nachdem der Anrufer auch mit diesem Versuch gescheitert ist und aufgelegt hat, wendet sich Jochem Liebermann umgehend an Microsoft Deutschland. Dort wird dem Dreieichenhainer versichert, dass das Unternehmen solche Anrufe niemals tätigen würde. Eine Sprecherin bestätigt dies auf Nachfrage der Redaktion: „Microsoft führt unter keinen Umständen unaufgefordert Telefonanrufe durch, in denen angeboten wird, ein schadhaftes Gerät zu reparieren oder in denen persönliche oder finanzielle Daten abgefragt werden.“ Bei dem Anruf habe es sich um einen sogenannten Scam-Anruf gehandelt. Mit dieser Methode würden „Betrüger seit Jahren viel Geld ergaunern“, heißt es auf der Internetseite des Konzerns.

Rainer Lechtenböhmer sind solche Betrugsversuche bestens bekannt. Der Leiter des Kommissariats ZK 50 der Polizei in Dreieich ist unter anderem für Cyber- und Internetkriminalität zuständig. Trotz Homeoffice hätten solche Anrufe während der Pandemie nicht zugenommen, denn schon vor Corona „erhielt unser Kommissariat nahezu jede Woche solche Meldungen“. Die Täter riefen meist aus Callcentern in Kalkutta an, sagt der Beamte: Die seien professionell aufgebaut, bis zu 250 Mitarbeiter würden dort arbeiten. Deren Masche sei oftmals identisch, betont Lechtenböhmer. Mal habe der Computer einen Virus, mal soll er – wie im Fall von Jochem Liebermann – gehackt worden sein.

Betrüger wollen Kontodaten stehlen

Die Täter haben es vor allem auf Kontodaten beispielsweise vom Online-Banking oder Amazon abgesehen. Die Verantwortlichen zu fassen sei allerdings schwierig, denn den Beamten fehle oft ein Ermittlungsansatz. Lechtenböhmer: „Die Rufnummern können wir nicht nachverfolgen, da sie von ausländischen Anbietern generiert werden.“ Daher sei der Geldfluss meist die einzige Spur. Doch auch diese verspricht nicht immer Erfolg, denn das Geld „wird meistens über mehrere Konten geleitet.“ Der Beamte rät daher allen Personen, die solche Anrufe bekommen, den Anweisungen auf keinen Fall zu folgen. „Die beste Lösung bei solchen Telefonaten ist es, einfach aufzulegen.“ (Joshua Bär)

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