Pfeilschnelle Flugkünstler

Wingertschüler bauen mit OGV-Hilfe Quartiere für Fledermäuse

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Hochkonzentriert gingen die Kinder in der Wingertschule beim Bauen der Kästen ans Werk: Beim Zusammenschrauben der Fledermausquartiere leisteten Mitglieder des Offenthaler Obst- und Gartenbauvereins Hilfestellung. 

Beim Zusammenschrauben der Fledermausquartiere leisteten Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins in Offenthal den Wingertschüler Hilfestellung.

Offenthal –  Anton gleitet mit dem Schmirgelpapier gewissenhaft über die Holzkanten. Der Wingertschüler arbeitet so lange, bis die Fläche sich ganz glatt anfühlt. Sein Fledermausquartier hat jetzt schon mal ein richtiges Dach. Beim Zusammenbauen mit dem Akkuschrauber hilft Matthias Würz, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Offenthal. Mit Rückwand, Blende und Einflugleiste ist das Häuschen für die Nachtschwärmer komplett. Das kleine Refugium aus Holz dient den Tieren, um tagsüber Schutz zu suchen, zu schlafen und ihre Jungen aufzuziehen. Auch für den Winterschlaf ist es geeignet.

Der Förderverein der Grundschule hat gemeinsam mit dem OGV zu dem Bastelvormittag in den Werkraum eingeladen. Mit 21 Kindern ist jeder Platz an der Werkbank besetzt – der Zuspruch ist größer als erwartet.

Mit Hans Schwarting hat der OGV einen Fledermausexperten vom NABU Rodgau gewonnen, der den kleinen Naturwissenschaftlern und Schreinern mit einem Lehrfilm zunächst einmal Wissenswertes über die Fledermäuse in unserer Region erläutert. Seit 1981 beschäftigt sich Schwarting mit den pfeilschnellen Flugkünstlern und wartet mit beeindruckenden Zahlen auf: „Eine Fledermaus frisst in einer Nacht 25 bis 50 Prozent ihres eigenen Körpergewichts an Insekten. Eine säugende Fledermausmutter sogar bis zu 80 Prozent. Es sind also sehr fleißige Insektenjäger“, berichtet der Fachmann. Um den bedrohten Säugern, deren Lebensraum immer kleiner wird, zu helfen, setzt der NABU auf die Unterstützung mit den kleinen Holzkisten. „Wichtig ist eine raue Hinterwand, an der sich die Fledermaus festhalten kann, und die Einflugleiste, die dafür sorgt, dass die Tiere nicht direkt rausfallen, wenn sie doch mal abstürzen und zudem Katzen und Mardern den Weg versperrt.“ Schwarting rät auch, die Quartiere so hoch zu hängen, dass Katzen möglichst nicht drankommen.

Die Schüler lauschen seinen Ausführungen mit großem Interesse und bauen mit noch größerer Begeisterung die Kisten zusammen. „Viele Kinder freuen sich, dass sie die Seitenwände selbst mit dem Akkuschrauber verbohren können. Die meisten haben das noch nie gemacht und wir geben nur eine kleine Hilfestellung“, sagt Matthias Würz.

Seit zwölf Jahren kooperiert der OGV mit der Grundschule. Regelmäßig gibt es mit den Mitgliedern des Vereins Einheiten zum Keltern, rund um die Kartoffel oder zum Bau von Vogelhäuschen. Die Aktionen dienen nicht der Mitgliedergewinnung, sondern haben zum Ziel, dass Kinder mit der Natur in Berührung kommen und lernen, woher die Lebensmittel kommen. „Zwei bis drei Mal im Jahr sind wir schon an der Schule“, berichtet Würz. Die Hauptarbeit bei dem Fledermausprojekt liegt bei Thomas Hornig, er hat alle Teile der 21 Fledermaus-Häuschen vorgesägt und so vorbereitet, dass die Kinder sie nur noch zusammenbauen müssen. Das Projekt ist nachhaltig angelegt: Im Sommer ist eine Fledermauswanderung geplant, bei der die Kinder die Tiere live erleben können.  

njo

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