Ortsdurchfahrt in Offenthal

Vorfahrt für Radler und Fußgänger

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In Offenthal haben sich die Verkehrsströme gewaltig verändert. Martin Krauskopf, Leiter des städtischen Fachbereichs Bau und Planung, informierte die Besucher über die Ergebnisse der vor ein paar Tagen gelaufenen Verkehrszählung.

Offenthal - Die Umgestaltung der Ortsdurchfahrt in Offenthal nimmt unter Beteiligung von Bürgern Konturen an. Von Frank Mahn 

Sachlich, konstruktiv, engagiert: Mehr als 60 Bürger sind am Donnerstagabend in die Philipp-Köppen-Halle gekommen, um in der Planungswerkstatt über die Zukunft Offenthals mitzureden. Es geht um die Entwicklung eines Verkehrs- und Gestaltungskonzepts für die alte Ortsdurchfahrt. „Hier werden keine Lösungsansätze präsentiert. Die wollen wir mit Ihnen erarbeiten“, versichert Erster Stadtrat Martin Burlon gleich zu Beginn. In der Diskussion um den Nahversorgungsstandort an der Borngartenstraße war das so manchem ein bisschen zu kurz gekommen. In diesem Fall, der allerdings auch anders gelagert ist, weil kein privater Investor die Richtung vorgibt, will die Stadt die Bürger, wie es heute so schön heißt, von Anfang an mitnehmen.

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Zum Auftakt gibt es erstmal harte Fakten, und die sind überaus erfreulich. Martin Krauskopf, Leiter des Fachbereichs Planung und Bau, stellt die Zahlen einer Verkehrszählung vor, die just im Januar gelaufen ist. „Von der einstigen Belastung sind im Schnitt 20 Prozent übrig geblieben“, sagt Krauskopf. Ein Beispiel aus der Mainzer Straße: Bei einer Zählung im Jahr 2000 waren dort in 24 Stunden 25.000 Autos registriert worden. Nach Eröffnung der Ortsumfahrung hatten die Experten einen Rückgang auf 6 500 prognostiziert, tatsächlich sind es nur noch 4 000. Von denen, und das ist die Kehrseite der Medaille, fahren allerdings etliche zu schnell. Das soll schon bald unterbunden werden, auch um den Straßenraum für Fußgänger und Radfahrer attraktiver zu machen.

„Passabler Zustand“

Da die Stadt einen Großteil der Ortsdurchfahrt – Ausnahme ist ein Stück der Dieburger Straße – von Hessen Mobil übernimmt, kann sie dort nun nach ihren Vorstellungen schalten und walten. Die Straßen seien nach der Reparatur in „passablem Zustand“ und würden mindestens zehn Jahre halten, sagt Krauskopf. Für die Weiherstraße gilt dies nicht, hier muss Hessen Mobil noch liefern. Vorher schon will die Stadt dort zumindest in Teilen das Halteverbot aufheben, wie Bürgermeister Dieter Zimmer ankündigt.

Ein kleiner Baustein unter vielen, der Grundstein indes ist längst gelegt. Bei einer Ortsbegehung im September 2013 hatten die Teilnehmer Vorschläge gemacht, wie die Ortsdurchfahrt künftig aussehen könnte. Diese Ideen haben Verkehrsplaner Thomas Pickel und seine Kollegin Stephanie Feuerbach vom Darmstädter Planungsbüro R + T im Auftrag des Magistrats unter die Lupe genommen und bewertet. Einiges davon können sich die beiden gut in Offenthal vorstellen. Auf der Positivliste finden sich unter anderem Mittelinseln als Querungshilfe, optische Verengung des Straßenraums durch wechselseitig angeordnete Baumscheiben, Aufpflasterungen, Tempo 30, Mischverkehrsflächen, Fahrbahnverengung, Fahrrad-Piktogramme auf dem Asphalt und breitere Gehwege.

Von Blitzern hält Pickel nicht viel. „Da haben gestalterische Elemente eine größere Wirkung.“ Auch ein Durchfahrtsverbot für Lkw – ihr Anteil liegt bei ein bis drei Prozent – hält der Planer nicht für erforderlich. Das sei bei einer Umgestaltung entbehrlich. Die Stadt hat indes schon die Vorbereitungen dafür getroffen. „Es schadet ja nichts“, sagt Burlon.

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Mit Schwellen und Aufpflasterungen müsse man sparsam umgehen, weil sie die Geräuschentwicklung erhöhen, warnt Pickel. Gleichwohl ist eine solche Aufpflasterung zentraler Bestandteil dessen, was sich viele Offenthaler für das Areal rund um die Kirche wünschen. Hält der Experte an dieser Stelle auch für gut. Er befürwortet zudem eine Verbindung von alter und neuer Ortsmitte am Rewe, zum Beispiel durch Pflaster oder Gestaltungselemente.

Pickel und Feuerbach können an diesem Abend noch weitere Anregungen mitnehmen. Bis zur nächsten Planungswerkstatt Anfang März wollen sie „unter Abwägung der Vorschläge ein Konzept entwickeln“, wie Feuerbach sagt. Die Stadt will die Priorität darauf legen, das Rasen zu unterbinden. Bis das Gesamtkonzept steht, sind deshalb auch provisorische Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung denkbar.

Deutlich wird im Laufe des mehr als zweieinhalbstündigen Abends auch, dass es im Neubaugebiet nahe des Kreisels In der Quelle Unmut gibt. Es sei ein „Einfallstor für Lärm“ geschaffen worden, klagt eine Frau. Dort seien beim Bau der Ortsumfahrung keine ausreichenden Schutzmaßnahmen getroffen worden. Hoffnung auf Linderung kann Burlon ihr allerdings nicht machen. Das Thema Ortsumfahrung ist durch.

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