Bürgermeister stinksauer

Parken nur gegen Gebühr: Bahn will am Bahnhof Dreieich-Buchschlag abkassieren

Wer sein Auto am Bahnhof Buchschlag parken will, muss dafür künftig bezahlen.
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Wer sein Auto am Bahnhof Buchschlag parken will, muss dafür künftig bezahlen. (Symbolbild)

Wer ab Januar sein Auto auf dem Park-and-ride-Platz am Buchschlager Bahnhof abstellt, muss dafür aller Voraussicht nach bezahlen. Nach Angaben aus dem Rathaus will die Deutsche Bahn AG über eine Tochtergesellschaft für die 100 Plätze Gebühren kassieren. Bürgermeister Martin Burlon wähnt sich im falschen Film, ist stinksauer und kündigt Protest an.

Dreieich – Die Vorgeschichte: Seit etwa zwei Jahren versucht die Stadt, das Areal als kostenloses Angebot für die Pendler durch die Aufstellung eines Bebauungsplans, den Erwerb der Fläche oder durch die Verlängerung des Pachtvertrags zu erhalten. Die Bemühungen müssen als gescheitert betrachtet werden. Die DB will den zum Jahresende auslaufenden Vertrag, auf dessen Grundlage die Stadt den Parkplatz vor über 20 Jahren aus eigenen Mitteln hergestellt und unterhalten hat, nicht verlängern. Eine Tochter der Bahn soll das Gelände bewirtschaften und Parkautomaten aufstellen.

Vorschläge, die Attraktivität der Anlage zu steigern und damit noch mehr Pendler auf die Schiene zu locken, verliefen laut Burlon im Sand. Die Stadt wollte mehr (kostenlose) Stellplätze schaffen, um umliegende Wohngebiete zu entlasten, und auch das Angebot für Radfahrer ausbauen.

„Es macht mich fassungslos, dass auf allen Ebenen von der Verkehrswende gesprochen wird und dann ein Konzern, der dem Bund gehört, ein funktionierendes Angebot kaputt macht, den Parkdruck in umliegenden Quartieren und im Zweifel sogar in den Nachbarstädten verschärft und die Bürger, die bereits Geld für ihre Bahntickets zahlen, hier auch noch abzocken will.“ Martin Burlon ist bedient. Einen solchen Vorgang hat er nach eigenen Worten bislang nicht für möglich gehalten. Der Rathauschef will diese Entwicklung aber nicht hinnehmen: „Alle Entscheidungsträger in Bund, Land und beim DB-Konzern werden in den nächsten Tagen Post von mir erhalten. Auf die Reaktion gerade auch der politisch Verantwortlichen bin ich sehr gespannt, denn hier zeigt sich, wie jenseits der Sonntagsreden vor Ort tatsächlich gehandelt wird.“

Sollten die Verantwortlichen bei der Bahn nicht einlenken, befürchtet der Bürgermeister zahlreiche negative Folgen. Weil der Bedarf an Stellplätzen das Angebot der bestehenden Park-and-ride-Anlage längst übersteigt, parken schon heute etliche Bahnkunden in den Wohnstraßen nahe des Bahnhofs. Bei einer Einführung von Gebühren werde sich das Verkehrsaufkommen in den Wohnstraßen erhöhen und die dort vorhandenen Parkplätze werden noch stärker belegt, ist Burlon sicher. „Außerdem ist anzunehmen, dass viele Verkehrsteilnehmende dann lieber gleich mit dem Auto nach Frankfurt fahren, um die Parkgebühr dort zu zahlen, dafür aber bequemer direkt von zu Hause ohne Umsteigen in die Bahn zur Arbeit kommen. Auch kann der Druck auf die ohnehin schon stark belasteten Park-and-ride-Anlagen in den Nachbarkommunen zunehmen, was keinesfalls gewünscht ist. Dies setzt ein falsches Signal und ist ein deutlicher Rückschritt in den Bemühungen für eine umweltfreundlichere, nachhaltigere Mobilität.“ (fm)

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