Traum vom Hindernislauf im Freien

Parkour-Anlage am Sprendlinger Freibad schon nächstes Jahr?

Von klein bis groß machen alle mit: Kinder und Jugendliche trainieren in insgesamt sechs Gruppen in den Hallen, dazu kommen Angebote in Vereinen und Schulen. Das zeigt: Parkour ist im Trend.  
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Von klein bis groß machen alle mit: Kinder und Jugendliche trainieren in insgesamt sechs Gruppen in den Hallen, dazu kommen Angebote in Vereinen und Schulen. Das zeigt: Parkour ist im Trend.  

Dreieich - Der vom Dreieicher Jugendparlament initiierte Parkour-Park wurde im Bürgermeisterwahlkampf zu einem kleinen Politikum. Nun hoffen die Organisatoren auf die Zustimmung der Stadtverordneten, damit das Projekt im kommenden Jahr umgesetzt werden kann. Von Nicole Jost 

Auch Springen in Form von Flic-Flacs und Saltos gehört zum Parkoursport. Die Jugendlichen trainieren derzeit noch drinnen, wie hier in der Hans-Meudt-Halle, wünschen sich aber endlich eine Anlage draußen, wie sie in Großstädten schon Realität ist.

Denn die Sportart erfreut sich bei Jugendlichen – momentan noch drinnen – großer Beliebtheit. Die jungen Leute um László Boroffka, Vorsitzender des Dreieicher Jugendparlaments (Jupa), wollen, dass auf der Grünfläche vor dem Sprendlinger Schwimmbad ein Parkour-Park errichtet wird. Ihnen war es übel aufgestoßen, dass die CDU die städtische Förderung für das Projekt in Höhe von 30.000 Euro aus dem Haushalt streichen wollte. Die Christdemokraten sind damit schon im Sozial- und im Stadtentwicklungsausschuss gescheitert. Auch im Haupt- und Finanzausschuss in dieser Woche stimmte dem Streich-Antrag nur die Fraktion selbst zu.

So sind die Jugendlichen sehr optimistisch, dass die Stadtverordneten am 27. November im Parlament grünes Licht für das Projekt geben. „Und dann liegt es nur noch an uns, ob es gelingt, den Traum von einer Parkour-Anlage unter freiem Himmel zu realisieren“, erklärt Boroffka, Denn die Abmachung zur Finanzierung lautet: Die Stadt gibt ihren Anteil zum Sportprojekt auf der Mariahall-Anlage dazu, wenn die Jugendlichen die andere Hälfte der Kosten über Sponsoren und Crowfunding selbst eintreiben. Das sei laut Boroffka die Idee der Jung-Parlamentarier gewesen.

Dass die Trendsportart hohen Zuspruch findet, beweisen insgesamt rund 120 Kinder und Jugendliche, die jede Woche in der Hans-Meudt-Halle und der Halle der Heinrich-Heine-Schule trainieren. Bei Parkour geht es darum, effizient, elegant und möglichst schnell über Hindernisse zu gelangen. „In urbanen Städten wie Frankfurt kann man das auch prima einfach so im Stadtbild machen. Wir üben den Sport aber derzeit vor allem in der Halle aus“, erklärt Maxim Kuznetsov, der Übungsleiter der Sprendlinger Turngemeinde ist. Viele Kinder und Jugendliche, die aus dem Geräteturnen kommen, aber keinen Spaß mehr an den Wettbewerben mit klaren Regeln und Perfektion haben, kommen zum Parkourtraining. Sechs Gruppen, die Jüngsten zwischen sechs und zehn Jahren turnen gemeinsam über Bänke, Barren, Kästen. Auch auf den Weichmatten üben die Jungs und Mädchen Flic-Flac und Salto in alle Richtungen. „Der Reiz ist einfach die Freude an der Bewegung und sich immer neuen Herausforderungen zu stellen. Es ist auch ein sehr kooperativer Sport, wir helfen uns gegenseitig und lernen voneinander“, sagt Kuznetsov.

Von einem öffentlichen Parkour-Park würde nicht nur die STG profitieren, glauben die jungen Organisatoren. Auch der Turnverein in Dreieichenhain habe Parkour-Gruppen, wie sie wissen. Bei der SG Götzenhain gebe es ein Angebot und an einigen Schulen, wie beispielsweise der Ricarda-Huch-Schule ist sogar Parkour Bestandteil des Sportunterrichts. Wenn eine solche Hindernislandschaft öffentlich erreichbar für alle Kinder und Jugendlichen ist, motiviere das außerdem auch abseits von Vereinen und Schule zur Bewegung – davon sind die jungen Leute überzeugt.

„Wir sind froh, dass wir mit der Stadt den Platz am Schwimmbad mit der nicht mehr genutzten Rollschuhbahn ausgewählt haben. Dieses Areal ist gut erreichbar und auch reizvoll“, sagt Boroffka. Entstehen soll eine Hindernislandschaft aus Beton mit speziellen Fallschutzböden, die das Verletzungsrisiko minimieren. Ein solcher Platz sei auch sozialer Treffpunkt für Jugendliche, der Bewegung an der frischen Luft ermöglicht – aber auch zum Zuschauen reizvoll ist.

Parkour-Szene in Frankfurt

Die Kosten von 60.000 Euro für die Anlage habe die Stadt Dreieich errechnet. Boroffka und Kuznetsov haben schon Pläne, wie sie die nach den städtischen Zuschüssen fehlenden 30.000 Euro erwirtschaften können: „Wir wollen gezielt größere Sponsoren ansprechen, Cowdfunding betreiben und auch Stiftungen anschreiben, die Projekte für Sport und Jugend unterstützen. Wir sind sehr optimistisch, dass das funktioniert.“ Die Jugendlichen sind sich bewusst, dass das Projekt erst umgesetzt werden kann, wenn sie ihren Teil beigetragen haben – und das Geld von der Stadt fließt. „Natürlich wäre es auch für das Jugendparlament ein Erfolg, wenn wir 2019, in unserem vierten Jahr, ein solches Projekt vorweisen könnten. Es ist ein Signal, dass es sich lohnt, sich bei uns zu engagieren“, sagt Boroffka. Im Mittelpunkt stehe aber die Parkour-Anlage, „die wir uns alle so sehr wünschen.“

Wer die Jugendlichen bei der Parkour-Anlage in Dreieich unterstützen möchte, kann sich per E-Mail beim Jugendparlament Dreieich unter info@jupa-dreieich.de melden.

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