Per Online-Chat

Bot Oma ihre Enkelin (1,5) zum sexuellen Missbrauch an? Schwerer Vorwurf vor Gericht

Im Internet lernte die Angeklagte einen 45-Jährigen kennen, der ihr daraufhin seine sexuellen Fantasien schilderte. (Symbolbild)
+
Im Internet soll die Frau, die zu diesem Zeitpunkt in Dreieich lebte, ihre Enkelin zum sexuellen Missbrauch angeboten haben. Das Darmstädter Schöffengericht entscheidet nun.

Eine Frau aus Dreieich soll einem Mann ihre Enkelin zum sexuellen Missbrauch angeboten haben. Nun muss sie sich in Darmstadt vor Gericht verantworten.

Dreieich/Darmstadt – Großmütter sind nicht immer nur lieb zu ihren Enkeln. Glaubt man der Anklage des Darmstädter Amtsgerichts, scheint es sogar ausgesprochen schäbige Omas geben. Vor dem Schöffengericht muss sich jetzt eine 56-jährige Frau aus Wöllstadt verantworten. Die Mutter dreier erwachsener Kinder lebte bis vor Kurzem in Dreieich und soll von dort aus per Internet-Chat ihre damals eineinhalbjährige Enkeltochter zum sexuellen Missbrauch angeboten haben.

Ihr wird neben der Verabredung zu einer Straftat von Ende November bis Mitte Dezember 2019 auch der Besitz kinderpornografischer Videos vorgeworfen. Verteidiger Hermann Hädicke versucht, etwas zu relativieren, das „Ungeheuerliche“ wieder mehr auf die menschliche Ebene zu rücken. „Trennung und Scheidung nach 35 Ehejahren waren für meine Mandantin sehr belastend. Sie leidet unter Depressionen und Angstzuständen. Sie kann nachts nicht schlafen, da hat sie dann gechattet. Auch, um abzuklären, ob sie für Männer noch interessant ist, ohne sich mit ihnen treffen zu müssen.“

Der 45-jährige Chatpartner, um den es geht, habe angefangen, seine sexuellen Fantasien mit ihr zu teilen. Er wurde inzwischen wegen diverser pädophiler Straftaten verurteilt und sitzt eine vierjährige Haftstrafe in Rheinland-Pfalz ab. Im Zuge der Ermittlungen stieß man dann auf die nicht vorbestrafte 56-Jährige.

Prozess in Darmstadt: Frau aus Dreieich bietet Enkelin zum sexuellen Missbrauch an

Im Grunde sei sie von den Vorstellungen schockiert gewesen, habe aber sprachlich nicht dagegen halten können. „Sie hätte nie zugelassen, dass er ihre Enkelin in die Finger bekommt“, erklärt Hädicke. Nach dem Erhalt der Videos sei sie angeekelt und betroffen gewesen. Richter Mathias Siebertz überzeugt das allerdings wenig. Denn es gebe auch – in der Öffentlichkeit wenig beachtet und bekannt – eine pädophile Frauenszene, „in der Frauen den Männern nicht nur die Kinder in die Hand drücken, sondern fröhlich mitmischen“. Siebertz weiter: „Bei den Kommentaren und Sprachnachrichten, die hier dokumentiert sind, fällt es mir schwer, zu glauben, dass ihr das nicht gefiel. Mit Einsamkeit ist das jedenfalls nicht zu erklären.“

Sie habe sprachlich alles andere als nur passiv reagiert, wirft auch Staatsanwältin Melanie Heine der Angeklagten vor. So wird schnell klar, dass das Verfahren nicht an einem Verhandlungstag zu stemmen ist. Siebertz regt an, Tochter, Schwiegersohn und den einsitzenden Chatpartner als Zeugen zu laden. Und ein psychiatrisches Gutachten sei einzuholen – aufgrund der psychischen Probleme und des schlichten Gemüts der Angeklagten. „Wusste sie wirklich, was sie tat? Die Sache wird eventuell in den höheren Instanzen weitergehen. Deshalb brauchen wir Rechtssicherheit. Wir müssen die Schuldfähigkeit abklären“, so der Richter. Bis das Gutachten vorliegt, geht erfahrungsgemäß viel Zeit ins Land. Es wird wohl Ende des Jahres werden, bis ein neuer Verhandlungstermin steht. (Silke Gelhausen)

Ein Fall von sexuellem Missbrauch in Dreieich hat das Leben einer heute 17-Jährigen radikal verändert. Sie lebt seit der Tat nicht mehr in ihrer Familie und leidet an psychischen Problemen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion