Neuer Name für einen alten Weg

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Grenzsteinaufsteller (von links): Peter Kienert, Mime Steinhäuser, Bürgermeister Dieter Zimmer, Martin Kaltenbach und Wilhelm Ott machen Historie wieder sichtbar.

Buchschlag - Es sind mehr als 50 Frauen und Männer, die an den Rudolf-Binding-Weg Ecke Pirschweg gekommen sind. Immer wieder halten neugierige Autofahrer an, fragen, was sich da tut.

Die Antwort ist denkbar einfach: Bürgermeister Dieter Zimmer, Mime Steinhäuser (Vorsitzende des Geschichtsvereins Buchschlag), Professor Martin Kaltenbach und Dr. Wilhelm Ott (Obmann für Grenzsteine im Kreis Offenbach) weihen den Weg zwischen Sprendlingen und Buchschlag ein. Den gibt es schon sehr, sehr lange, doch er hört jetzt auf einen neuen Namen: „Alter Grenzweg“.

Es ist einem Zufall zu verdanken, dass Martin Kaltenbach die Historie des Wegs während eines Spazierganges auffiel: „Ich habe am Wegesrand einen alten Sandstein gesehen und wollte ihn aufheben. Aber der Stein war nicht klein und ließ sich schon gar nicht aufheben. Also habe ich gebuddelt“, erzählt er. Auf dem Stein prangte die Inschrift 1783, des Weiteren ein paar Buchstaben. Beim Amt für Bodenmanagement des Kreises Offenbach erfuhr Kaltenbach die Geschichte des Steines: 1783 wurde die Grenze zwischen dem Fürstentum Ysenburg-Birstein und der Landgrafenschaft Hessen-Darmstadt mit 115 Steinen markiert. Damals trennte die beiden Landstriche auch ein Doppelgraben, ein Wall und dichtes Gestrüpp. Wer die Grenze passieren wollte, musste Zoll bezahlen. „Diese Grenze wurde 1783 neu berechnet und neu gezogen, aber die eigentliche Teilung bestand schon seit gut 1000 Jahren“, so Kaltenbach.

„Der Geschichtsverein nutzt diese Gelegenheit, diese Historie von Buchschlag zu erzählen“, sagt Kaltenbach. Bislang war der Weg, der seit Jahrzehnten Sprendlingen mit Buchschlag verbindet, namenlos. Von den 115 Steinen stehen noch 65 an ihrem ursprünglichen Platz, fand Wilhelm Ott heraus. 39 sind verschwunden. Zwei stehen in Privatgärten und sechs sind öffentlich zugänglich. Ein Stein erhielt am Wochenende die ganze Aufmerksamkeit: Er, der die Nummer 21 trägt, wurde an seinem angestammten Platz am Alten Grenzweg gesetzt. Peter Kienert, Mitglied im Geschichtsverein Buchschlag, hatte ihn 1977 beim Holzholen aus einem Steinhaufen an der Holzmann-Grube geholt: „Ich musste mich ein bisschen überwinden, ihn herzugeben, weil er schön aussieht in meinem Garten. Aber er gehört hier her.“ (es)

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