Nicht nur Aufgabe von Spezialisten

Pfarrer Erik Wehner und öAi-Café mit Integrationspreis ausgezeichnet

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Ausgezeichnete Integrationshelfer: Bürgermeister Martin Burlon (Dritter von links) überreichte den Preis im Beisein von Stadtverordnetenvorsteherin Bettina Schmitt (Fünfte von links) an Pfarrer Erik Wehner (Mitte), der ihn stellvertretend für die Institution Kirche entgegennahm, und Wulf-Dieter Preiß von der ökumenischen Arbeitsloseninitiative, der von zahlreichen Mitstreitern begleitet wurde.

Premiere: Erstmals hat die Stadt Dreieich einen Integrationspreis verliehen. Ausgezeichnet wurden die ökumenische Arbeitsloseninitiative – bekannt auch als öAi-Café – und Pfarrer Erik Wehner von der katholischen Pfarrei St. Laurentius.

„Dreieich – Integration passiert genau dann, wenn Nationalität keine Rolle mehr spielt.“ Bürgermeister Martin Burlon stellte seiner Rede ein Zitat der Pädagogin und Sozialwissenschaftlerin Marina Zuber voran. Integration werde nur gelingen, wenn Menschen ohne Ansehen von Ethnie, Hautfarbe, Kultur oder Religion bewertet würden, so der Rathauschef. Die Stadt habe schon seit Jahrzehnten Fachkräfte, die sich den Fragen der Integration widmeten. „Aber Integration ist nicht nur eine Aufgabe von Spezialisten. Vielmehr kommt den zwischenmenschlichen Beziehungen große Bedeutung zu. Hierzu gehören unter anderem gute nachbarschaftliche Beziehungen, gemeinsame Feste und Veranstaltungen, die das Kennenlernen ermöglichen. Genau hier entfaltet ehrenamtlichen Arbeit ihre besondere Wirkung.“

Das öAi-Café hilft seit 22 Jahren Menschen unabhängig von Staatsangehörigkeit oder Religion bei der Suche nach einem Arbeitsplatz. Die Ehrenamtler um Wulf-Dieter Preiß kümmern sich um Lebensläufe und Bewerbungen, leisten Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen, beraten individuell oder haben einfach nur ein offenes Ohr für die Probleme der Klienten. Die Mehrzahl der Besucher hat ausländische Wurzeln. Das vom öAi-Café bewusst niedrigschwellig gehaltene Angebot senkt insbesondere bei Menschen mit Migrationshintergrund die Hemmschwelle, die der Gang zu Behörden oft bedeutet. „Außerdem gibt das Angebot zur Begegnung bei einem Kaffee auch Chancen zu erkennen, dass man mit der schwierigen Situation nicht alleine ist und man einander unterstützen und beistehen kann“, sagte Burlon und bescheinigte dem Team herausragendes Engagement.

Erik Wehner erhielt die Auszeichnung stellvertretend für die Institution Kirche. Ihr komme bei der Integration und im interreligiösen Dialog besondere Bedeutung zu, so Burlon. Wehner war eines der ersten aktiven Mitglieder im Forum der Religionsgemeinschaften. Ihm sei Integration persönlich ein extrem wichtiges Anliegen, aber auch im Verständnis der Ausübung seines Berufs und in seinem Verständnis von christlichem Miteinander. Aktuell engagiert sich der Geistliche im Besonderen für das Forum der Religionsgemeinschaften, das öAi-Café und das Friedensgebet.

Burlon erinnerte daran, dass Dreieich vor wenigen Jahren viele Flüchtlinge aufnehmen musste. „Pfarrer Wehner fungierte als Gastgeber beim Willkommensfest 2015 und unterstützt seither das Angebot des Lerncafés in St. Laurentius. Er begrüßt jede Initiative, die zur Integration beiträgt und unterstützt sie“, lobte der Verwaltungschef. Wehner nutze seine Funktion, um öffentlich und in Predigten seine Haltung zu verdeutlichen, um Verständnis zu werben und um gegen rechte Tendenzen in der Gesellschaft die Stimme zu erheben.

An beide Preisträger gerichtet, sagte Burlon: „Danke, dass Sie sich einmischen, dass Sie sich in der Vergangenheit engagiert haben und sich künftig weiter einsetzen werden!“  

fm

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