Sanierung entpuppt sich als teures Unterfangen

Pfarrzentrums St. Stephan: Seit zweieinhalb Jahren Baustelle

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Während der Pfarrei-Garten noch brach liegt, kann sich die gedämmte und gestrichene Fassade des Gemeindezentrums schon sehen lassen.

Sprendlingen - Seit zweieinhalb Jahren sind Bauarbeiter im und am Pfarrzentrum St. Stephan zugange. Die erforderliche Sanierung hat eine Größenordnung angenommen, mit der die Dreieicher Pfarrei St. Laurentius anfangs nicht gerechnet hatte. Von Cora Werwitzke 

Die ursprüngliche Kostenprognose von 535.000 Euro ist nun auf eine Million Euro angewachsen. Im Januar musste die Gemeinde angesichts der unsicheren Finanzierungslage sogar einen kurzzeitigen Baustopp einlegen. Von seinem Arbeitszimmer aus blickt Pfarrer Erik Wehner auf eine Brachfläche, die einmal der Garten der Begegnung war. „Seitdem ist der Garten im Zuge von Kanalarbeiten mehrmals auf- und wieder zugebuddelt worden“, erzählt er. Aus der anfänglich geplanten moderaten Sanierung und Modernisierung einzelner Gebäudeteile ist inzwischen eine Baumaßnahme geworden, die fast das gesamte Pfarrzentrum umfasst. „Es ist wie so oft bei Sanierungen“, sagt der Pfarrer: „Wenn man im Zuge von Bauarbeiten genauer hinsieht, dann wird das Ausmaß des Schadens erst sichtbar.“

Die Mängelliste umfasste 2013 Punkte wie das Flachdach, die Dämmung, den Keller und den Bürobereich, der einer Modernisierung bedurfte. Dafür kalkulierte die Pfarrei nach den Worten von Wehner rund ein Jahr ein. Doch die Behebung der Feuchtschäden im Keller entpuppte sich als ausuferndes Unterfangen. Um die Entwässerung auf dem Areal in den Griff zu bekommen, kam die Gemeinde an Kanal- und Erdarbeiten im größeren Stil nicht vorbei. „Darüber hinaus müssen wir gesetzlich vorgeschriebene Brandschutzmaßnahmen im gesamten Gebäude erfüllen“, schildert der Pfarrer. Dazu zählen Umbauten und unter anderem die Installation von Feuerschutztüren und Brandmeldeanlagen. Asbest-Entsorgung, Elektroarbeiten und die Erneuerung von Wasserrohren sind nur einige weitere Posten auf der To-do-Liste, die im Laufe der Zeit immer länger geworden ist.

Wie Pfarrer Erik Wehner schildert, ist der Keller  inzwischen trocken gelegt, allerdings hat die weitere Renovierung dort erstmal keine Priorität.  

Was die Finanzierung angeht, hätte nach den Angaben von Wehner schon der ursprünglich geplante Sanierungsumfang ausgereicht, um die Gemeinde an ihre Belastungsgrenze zu bringen. Doch mit der Kostensteigerung auf eine Million Euro steht sie nun vor immensen finanziellen Problemen. Das Bistum Mainz hat seinen Zuschuss angesichts des ungeahnten Schadenumfangs ausnahmsweise erhöht – auf 90 Prozent der anfallenden Kosten. Der Eigenanteil der Gemeinde beläuft sich damit aber immer noch auf 100.000 Euro, die „im Haushalt nicht vorhanden sind“, sagt Wehner. Im Januar führte die unberechenbare Lage zu einem kurzzeitigen Baustopp, inzwischen sind die Arbeiten wieder angelaufen. „Wir hangeln uns mit ,internen Anleihen‘ durch“, erläutert der Pfarrer. Die eigentliche Finanzierung des Eigenanteils müsse mittelfristig jedoch durch die kaum verfügbaren Haushaltsmittel und über Spenden erfolgen.

Unter dem Motto: „Es geht nur mit Ihrer Unterstützung“, wirbt die Pfarrei deshalb aktiv um Spenden. Der Kraftakt der Sanierung lohnt sich, versprechen die Verantwortlichen: Die Gemeinde wird nach Abschluss der Arbeiten über eine langfristig nutzbare Versammlungsstätte verfügen, die auf dem aktuellen Stand der Bautechnik ist. Pfarrer Wehner hofft auf viele Menschen, die einen Obolus dazugeben, auch wenn ihm natürlich bewusst ist, dass Schimmelentfernung und eine Kanalsanierung nicht so sehr zum Spenden anregen. „Es ist wahr, dass viel von dem, was getan wird, unsichtbar ist, weil es sich um rein bautechnische Maßnahmen handelt.“

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

Durchaus sichtbar sind dafür die bereits funktional und optisch aufgewerteten Gebäudeteile. So wartet das Zentrum mit gedämmter Fassade, neuen Fenstern und neuem Anstrich auf. Im Zuge der Elektroarbeiten sind im und um das ganze Gebäude viereinhalb Kilometer Kabel verlegt worden. Auch der Keller ist inzwischen trocken, wird allerdings vorerst nicht weiter saniert. Das hat nach den Worten der Verantwortlichen Zeit, bis sich die Pfarreikasse wieder etwas erholt hat. Auf die Frage, wie lange die aktuelle Sanierung noch dauern wird, antwortet Pfarrer Wehner zögerlich: „Da bin ich vorsichtig geworden, aber wir hoffen, dass es im Laufe dieses Jahres geschafft ist.“

Spender können an die Pfarrei St. Laurentius Sanierung Pfarrzentrum, IBAN: DE 54 5059 2200 0607 1057 46 überweisen. Auf Wunsch stellt das Pfarrbüro eine Spendenquittung aus.

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