Phänomen am Himmel

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Stephan Heinsius freut sich auf die partielle Mondfinsternis am kommenden Dienstag.

Götzenhain ‐ „Dort drüben wird man sie gut sehen könne.“ Von der Dachterrasse seines Hauses in der Straße Im Höchsten zeigt Stephan Heinsius in Richtung Taunus. Von Holger Klemm

Wenn das Wetter mitspielt, wird am kommenden Dienstag früh auch in Dreieich eine partielle Mondfinsternis zu beobachten sein. Heinsius will sie im Internet zeigen.

Normalerweise reist der Götzenhainer zu Sonnen- und Mondfinsternissen auf der ganzen Welt. Doch nächste Woche benötigt der 46-Jährige nur ein paar Schritte, um - bei klarer Sicht - Zeuge des Himmelsschauspiels zu werden. Allerdings wird nur der Beginn, wenn der Mond in den Erdschatten eintritt, in Mitteleuropa zu verfolgen sein. Die totale Mondfinsternis entfaltet sich dann weiter im Westen. Nach Angaben von Heinsius wird von Dreieich aus gesehen ein teilweise verfinsterter Erdtrabant über dem Taunus untergehen.

Weitere Informationen auf der Internetseite von Stephan Heinsius.

Seine Begeisterung für die Himmelsphänomene lässt sich auf das Jahr 1998 zurückführen. Damals erlebte Heinsius in Guadeloupe in der Karibik eine totale Sonnenfinsternis. Und noch heute gerät der Götzenhainer ins Schwärmen, wenn er von den unglaublichen Lichteffekten, die sich in Sekundenschnelle am Himmel und auf der Erde abspielten, spricht. „Man kann schon verstehen, was die Naturvölker früher bei dem Anblick empfunden haben.“ Seitdem hat es ihn gepackt. Die Folgen waren sieben Reisen zu einer totalen Sonnenfinsternis auf verschiedenen Kontinenten.

Und nur einmal machte ihm schlechtes Wetter einen Strich durch die Rechnung, ausgerechnet 1999 in Süddeutschland. Mittlerweile ist er aber mit einem Veranstalter unterwegs, der sich auf solche Reisen spezialisiert hat und flexibel auf Wetterbedingungen reagiert. Als sich 2009 abzeichnete, dass eine totale Sonnenfinsternis im chinesischen Shanghai doch nicht so gut zu betrachten ist, flog die Gruppe kurzerhand weiter nach Chongqing in Zentralchina, wo die Bedingungen hervorragend waren. „In Shanghai haben Millionen nichts gesehen“, berichtet er.

Längst hat sich sein Interesse aber auch auf andere astronomische Konstellationen ausgeweitet, die er mit der Kamera festhält. Mit Hilfe des Computers berechnet er diese im Vorfeld genau und versucht sie vor Ort originell in Szene zu setzen. Ein Beispiel ist ein Foto der Dreieichenhainer Burgruine, auf dem Jupiter und Venus zu sehen sind - und beim genauen Betrachten findet sich die Mondsichel in einem Fensterrahmen. In Dreieich begutachtet er die Orte genau unter diesem Blickwinkel. Zum Beispiel gebe es eine Stelle, von der aus zweimal im Jahr der Sonnenuntergang genau zwischen den beiden Götzenhainer Kirchen zu liegen scheint.

2011 wird eher arm an Sonnen- und Mondfinsternissen sein. Ein Höhepunkt dürfte da schon eine partielle Sonnenfinsternis am 4. Januar sein - bei gutem Wetter auch von Dreieich aus zu sehen.

Heinsius hat sich für dieses Ereignis aber eine Stelle in Frankfurt überlegt. Von dort aus will er das Himmelsschauspiel hinter der Skyline festhalten.

Die nächste totale Sonnenfinsternis steht erst wieder am 14. November 2012 in Cairns in Australien auf dem Programm. Heinsius hat diesen Termin schon fest eingetragen.

Doch erst einmal freut er sich auf den kommenden Dienstag. Damit möglichst viele zwischen 7 Uhr und 8.20 Uhr die partielle Mondfinsternis miterleben können, will der Götzenhainer sie von seinem Dach aus beobachten und live ins Internet stellen. Die technische Ausrüstung steht - nun muss nur noch das Wetter mitspielen, um auch in den Genuss des Himmelsphänomens von Dreieich aus zu kommen.

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