Rehasport soll die Teilnehmer anstrengen, aber nicht überfordern

Plätze sind begehrt und schnell weg

+
Rehasport soll die Teilnehmer anstrengen, aber nicht überfordern. Übungsleiterin Ute Backes (Mitte) zeigte den Teilnehmern der Schnupperstunde am Samstag, wie sie alles richtig machen.

Dreieich - Ob Rückenbeschwerden, Bandscheibenvorfall oder die Folgen eines Krebsleidens – der Bedarf an Rehabilitationssport ist groß und die Nachfrage steigt stetig. Von Sina Gebhardt 

Doch wer ist qualifiziert, daran teilzunehmen? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden und wie läuft das Training dann ab? Diese und andere Fragen beantwortete die SKG Sprendlingen am Samstag bei einer Schnupperstunde. „Man kann damit viel erreichen, aber man muss es auch wollen“, erklärt Ute Backes den potenziellen Teilnehmern. Seit 2015 bietet die qualifizierte Trainerin für Rehabilitationssport Orthopädie/Krebs die Kurse bei der SKG an. Wie wichtig Fachkenntnisse beim Rehasport sind, weiß sie aus Erfahrung: „Man muss auf bestimmte Krankheitsbilder achten, denn es gibt Übungen, die beispielsweise jemand, der eine künstliche Hüfte hat, nicht ausführen darf.“ Der Weg ins Fitnessstudio sei daher nicht die beste Lösung – und zudem teurer. Denn mit vom Arzt genehmigter Verordnung (Formblatt 56) ist Rehasport für den Patienten kostenfrei. Es können 50 Übungseinheiten innerhalb von 18 Monaten oder 120 Übungseinheiten innerhalb von 36 Monaten verordnet werden.

Fünf Kurse bietet die SKG insgesamt an, freitags eine Gruppe für Krebspatienten sowie je zwei Orthopädie-Gruppen am Freitag und Samstag. 15 Teilnehmer können maximal am einstündigen Training teilnehmen – und die Nachfrage ist groß, wie die stellvertretende Vorsitzende Bettina Schmidt sagt: „Die Plätze sind sehr begehrt und schnell weg.“ Mit der Schnupperstunde soll also weniger auf den Rehasport aufmerksam gemacht, sondern vielmehr Aufklärungsarbeit geleistet werden. „Viele wollen einfach mal wissen, wie so eine Übungsstunde abläuft“, erzählt Schmidt, „aber wir haben nur eine Stunde für das Training, da bleibt keine Zeit für Erklärungen.“

Deshalb nimmt sich Backes zunächst die Zeit, zu informieren und Fragen zu klären. „Es soll euch anstrengen, aber nicht überfordern“, lautet der letzte Hinweis der Übungsleiterin, bevor der praktische Teil der Schnupperstunde beginnt – denn beim Rehasport geht es schließlich darum, die Bewegungsfähigkeit zu verbessern und den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Die sportwillige Gruppe wird mit Thera-Bändern ausgestattet und begibt sich auf die Aero-Steps, die eine Herausforderung an Koordinationsvermögen und Gleichgewichtssinn sind.

Trainieren mit dem Gymnastikball

Dass bewusst keine Übungen an festen Geräten gemacht werden, hat seinen Grund: „Die Teilnehmer sollen sie auch zu Hause machen können“, erläutert Backes schmunzelnd, wohlwissend, dass die meisten wohl der Versuchung des heimischen Sofas erliegen. Umso wichtiger ist es, dass die wöchentlichen Trainings eingehalten werden. Hilfreich ist dabei das Gruppengefühl, bestätigt Schmidt: „Die Gruppen, die hier entstanden sind, harmonieren. Die Patienten sind dankbar und fühlen sich wohl.“

Mit dem individuell anpassbaren Training können gezielt die Beschwerden des Patienten angegangen werden und Leistungsfähigkeit, Ausdauer, Kraft und Belastbarkeit verbessert werden. Gerade orthopädische Erkrankungen wie Haltungs- oder Gelenkschäden häufen sich und so wächst der Bedarf an Rehasport – das wird auch am Samstag deutlich: Die Teilnehmer stehen schon während der Schnupperstunde Schlange, um einen der begehrten Plätze im Kurs zu ergattern.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare