Abrissverfügung

Gestüt Hengstbach steht vor dem Aus

Kinder, Eltern  und Ponys auf dem Reitplatz des Gestüt Hengstbach.
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Die Kinder und deren Eltern vom Gestüt Hengstbach auf eine Lösung zum Erhalt des Ponyhofs

Schlechte Nachrichten für Freunde des Gestüt Hengstbach in Dreieich: Der Ponyhof könnte schon bald abgerissen werden.

Dreieich - Das Gestüt Hengstbach ist ein Ponyidyll am Ende der Dorotheenstraße in Dreieichenhain. Ein Abräumvertrag mit der Unteren Naturschutzbehörde läuft im September diesen Jahres aus. Eigentümerin Ingeborg Bopp, ihre Reitschulkinder und deren Eltern hoffen, dass der Ponyhof überleben darf.

Jeden Tag tummeln sich auf dem Gestüt Hengstbach Kinder, die ihre Ponys zum Reitunterricht fertig machen, unter den Augen von Reitlehrerin Ingeborg Bopp ihre Runden auf dem kleinen Reitplatz drehen und Eltern, die am Rand stehen und ziemlich glücklich beobachten, wie die Jüngsten das Glück der Erde auf dem Rücken der Pferde erleben. Doch ein Damoklesschwert schwebt über dem Kinder- und Ponyparadies unweit des Neurothweges: Es gibt eine Abräumverfügung von der beim Kreis Offenbach angesiedelten Unteren Naturschutzbehörde (UNB). Im September diesen Jahres soll Schluss sein. „Es geht um Hochwasserschutz, weil die Gebäude keine zehn Meter Abstand zum Hengstbach haben, und darum, dass die Ponyställe keine genehmigten Gebäude sind“, erklärt Ingeborg Bopp. Schon in den 80er Jahren erging an den vorherigen, inzwischen verstorbenen Besitzer die Aufforderung, die Ställe zurückzubauen, berichtet Bopp, die schon seit den 70er Jahren mit den Ponys auf dem Gestüt arbeitet. Zu Beginn der 90er Jahre hat sie ihren Traum eines Ponyhofs für Kinder an dieser Stelle verwirklicht.

Dreieich: Gestüt Hengstbach hat noch drei Monate bis zur Räumung

Vor Gericht hatte der damalige Eigentümer in erster Instanz gewonnen. Dann war es viele Jahre ruhig um das Areal, doch auch Ingeborg Bopp hatte immer wieder Kontakt zur UNB und die Forderung nach dem Abriss der Stallungen stand im Raum. Die Ställe und der Reitbetrieb stünden einer Renaturierung des Hengstbachs im Weg, für den ein Hochwasserschutz nötig sei. Außerdem, so erinnert sich Bopp, sei eine Fortführung des Fuß- und Radwegs entlang des Hengstbachs geplant. Vor fünf Jahren hat die Reitlehrerin ihre Unterschrift unter einen Abräumvertrag der UNB gesetzt, der einen fünfjährigen Puffer vorsieht.

„Ich habe das 2016 unter Druck unterschrieben, weil ich andernfalls sofort hätte schließen müssen“, erklärt Bopp. Jetzt sind es offiziell also nur noch drei Monate bis zu einer Räumung. Die Reitlehrerin hat ihren Bestand in den vergangenen Jahren erheblich verkleinert. Statt 30 sind es nur noch 14 Ponys, vier von ihnen schon sehr alt. Es wird nicht leicht, ein neues Zuhause für sie zu finden. Die Chefin hat die Hoffnung, dass die Behörde weitere drei Jahre Aufschub gewährt.

Gestüt Hengstbach in Dreieich: Verlust des Ponyhofareals eine Katastrophe

Für Bopp, Dutzende von Kindern und auch deren Eltern ist der drohende Verlust des Ponyhofareals eine Katastrophe. „Das alles hier, die Ponys, meine Freundinnen, das ist mein zweites Zuhause. Ich will es nicht verlieren“, sagt Viktoria (14), die täglich auf das Gelände kommt. „Für die Kinder ist das Gestüt ein toller Ausgleich. Sie sind in der Natur, haben den Umgang mit den Tieren. Sie lernen Verantwortung und die Größeren helfen den Kleineren, es ist einfach ein zauberhafter Ort“, schildert Stefanie Chalk, deren Tochter bereits im Alter von vier Jahren mit dem Voltigieren bei Ingeborg Bopp angefangen hat.

Seit Corona ist das Gestüt Hengstbach für viele kleine Reiter sogar die Rettung aus dem Lockdown, weil der Umgang mit den Tieren immer erlaubt war, auch wenn der Reitunterricht verboten war. „Es gibt keine vergleichbare Reitschule in der ganzen Region. Die Kinder können auf den kleinen Ponys anfangen und immer in das nächstgrößere hineinwachsen. Auch der Unterricht ist so gut, dass die Kinder wirklich das Reiten lernen und an Turnieren teilnehmen können, ganz ohne eigenes Pferd“, berichtet Sonja Fuhrmann, die über ihre Kinder selbst nach langer Pause wieder in den Sattel gestiegen ist. Dass es den Ponyhof bald nicht mehr geben könnte, hat bereits für Tränen gesorgt. „Vielleicht gibt es ja einen Weg, den Hof auf rechtlich sichere Beine zu stellen und damit die Zukunft zu sichern. Es gibt so viel gelebten Naturschutz hier, die Kinder lernen über die Natur, die Tiere und die Landwirtschaft. Es wäre sehr schade, das alles zu verlieren. Hoffentlich gibt es noch eine Lösung“, sagt Linda Weller, Mutter einer Tochter, die sehr traurig wäre, wenn der Ponyhof in ein paar Monaten nicht mehr existieren sollte.

Ingeborg Bopp, Ponystute Venezia und Viktoria hoffen zumindest auf einen weiteren Aufschub durch die Untere Naturschutzbehörde.

Aber: „Es gibt keine Möglichkeit, den Abräumvertrag zu verlängern“, sagt Ursula Luh, Pressesprecherin der Kreisverwaltung. Die UNB habe sich an den Vertrag gehalten und jetzt müsse die Eigentümerin ihren Part erfüllen und das Grundstück räumen. Eine Legalisierung des Ponyhofs sei schwierig, weil es seitens der Stadt Dreieich einen Bebauungsplan für das Areal gebe, der eine naturnahe Gestaltung des Hengstbachs vorsieht. (Nicole Jost)

Es ist nicht der erste Rückschlag für das Gestüt Hengstbach: Vor einigen Jahren hatte es dort gebrannt.

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