Anträge auf Hartz IV können jetzt online gestellt werden

Pro Arbeit des Kreises Offenbach startet digital durch

Boris Berner, Patrick Burghardt, Landrat Oliver Quilling und Kreisbeigeordneter Carsten Müller (von links)
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Alle Elemente des Online-Antrags auf Tapete: Boris Berner, Patrick Burghardt, Landrat Oliver Quilling und Kreisbeigeordneter Carsten Müller (von links) sind froh, dass die Beantragung von ALG II jetzt online möglich ist.

Wer im Kreis Offenbach Arbeitslosengeld II (ALG II) oder – wie es umgangssprachlich heißt – Hartz IV beantragen möchte, musste bislang die Fahrt nach Dreieich antreten. Seit März 2018 sind die Mitarbeiter des kommunalen Jobcenters Pro Arbeit in der Max-Planck-Straße und Im Gefierth in Sprendlingen untergebracht und dort mussten die Antragsteller persönlich im Amt vorsprechen – jetzt nicht mehr.

Dreieich – Die Corona-Pandemie hat die Digitalisierung im Kreis Offenbach entscheidend vorangetrieben: Schon seit dem 10. Juni ist es möglich, den Antrag für das ALG II über ein Online-Formular in die Behörde zu senden. Von den 531 seit Juni eingegangenen Anträgen haben 144 Bürger das neue Online-Verfahren genutzt. „Es bietet eine ganze Menge Vorteile. Zum einen ist die Plattform 24 Stunden sieben Tage die Woche verfügbar. Niemand muss sich mehr nach den Öffnungszeiten richten und die Nutzer sparen sich die Fahrt nach Dreieich. Durch das innovativ zu bedienende System ist der Zeitaufwand geringer und da die wichtigen Unterlagen, abfotografiert und hochgeladen werden, braucht sich niemand mehr die Mühe einer Kopie zu machen“, erläutert Boris Berner, Vorstand der Pro Arbeit.

Und tatsächlich: Die in Rot und Weiß gehaltene Maske lässt sich im Selbstversuch leicht bedienen. Die persönlichen Daten sind über die Tastatur auf dem heimischen Computer schnell einzugeben, mit der Angabe einer Mailadresse lässt sich das Dokument zwischenspeichern und damit zu einem späteren Zeitpunkt weiterbearbeiten. Ausweisdokumente sind mit einem einfachen Klick als Bilddatei auf den Server hochgeladen. Das Ausfüllen des Dokuments dauert keine halbe Stunde.

Kreis Offenbach startet mit dem Online-Portal

Für die Pro-Arbeit-Mitarbeiter bietet das Online-Verfahren ebenfalls Vorteile: Beispielsweise die bessere Datenqualität durch die elektronische Eingabe. Sie müssen keine unleserlichen Handschriften auf dem in Papierform sechsseitigen Antrag entziffern. „Außerdem stehen den Mitarbeitern im Homeoffice die Online-Anträge ohne zeitliche Verzögerung des Postlaufs für eine schnelle Weiterbearbeitung zur Verfügung“, nennt Berner weitere Vorzüge der elektronischen Bearbeitung.

Die Entwicklung des neuen Online-Antrags war kein Schnellschuss zu Beginn von Corona. Die Pro Arbeit war bereits seit Beginn des Jahres als eines von sechs bundesweiten kommunalen Jobcentern an der Entwicklung der Online-Plattform in Zusammenarbeit mit dem IT-Dienstleister ekom21 beteiligt. Hintergrund ist das Onlinezugangsgesetz, das vorsieht, den Bürgern bis zum Ende des Jahres 2022 alle onlinefähigen Verwaltungsdienstleistungen elektronisch anzubieten. Die Pandemie hat die Umsetzung beschleunigt und damit das Pilotprojekt früher an den Start gebracht. Neben dem Kreis Offenbach starten in Hessen auch der Kreis Groß-Gerau und die Stadt Wiesbaden mit dem Online-Portal.

Pro Arbeit des Kreises Offenbach hat in Krisenzeiten mehr zu tun

Landrat Oliver Quilling ist froh, dass es gelungen ist: „Die Pandemie zeigt, wie dringend digitale Verwaltungsleistungen benötigt werden. Wir haben quasi über Nacht die Kreisverwaltung schließen müssen“, berichtet der Chef des Kreises Offenbach, wie schwierig es war, Dienstleistungen für die Bürger aufrechtzuerhalten und gleichzeitig alle Pandemie-Pläne einzuhalten.

Die Sachbearbeiter der Pro Arbeit hatten in Krisenzeiten nicht weniger zu tun – ganz im Gegenteil: Allein im März und April gingen rund 1820 Neuanträge auf ALG II ein – im gleichen Zeitraum des Vorjahrs waren es 570.

Pro-Arbeit-Chef Berner hat einen Wunsch an Staatssekretär Patrick Burghardt vom Hessischen Ministerium für Digitale Strategie und Entwicklung, der sich das Pilotprojekt in Dreieich erklären ließ: „Wir brauchen jetzt die finanzielle Rückendeckung des Landes für die Weiterentwicklung. Der nächste logische Schritt ist es, für den Weiterbewilligungsantrag einen Online-Antrag zu entwickeln“, betont Berner. (Von Nicole Jost)

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