Arbeiten an der Tourneeproduktion „Drei Männer und ein Baby“

Proben im Bürgerhaus Sprendlingen

Der Babysitter steckt in der Klemme: Im Sprendlinger Bürgerhaus probte das Theaterensemble von „Drei Männer und ein Baby“ – mit Heio von Stetten in einer der drei Hauptrollen.
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Der Babysitter steckt in der Klemme: Im Sprendlinger Bürgerhaus probte das Theaterensemble von „Drei Männer und ein Baby“ – mit Heio von Stetten in einer der drei Hauptrollen.

Seit fünf Monaten gab es keine Theateraufführungen mehr im Bürgerhaus Sprendlingen. Nun haben Schauspieler dort für eine Theaterproduktion geprobt. Unklar ist, wann es mit den Aufführungen losgehen kann.

Dreieich – Scheinwerfer an, der Ton klingt über die Mikrofone der Schauspieler und auf der Bühne des Sprendlinger Bürgerhauses wird professionell Theater gespielt. Nach fünf Monaten ganz ohne Live-Kultur und Publikum probt das Ensemble des Tournee-Theaters Thespiskarren das Stück „Drei Männer und ein Baby“.

Die französische Autorin Coline Serreau landete damit in den 80er Jahren einen Sensationserfolg. Die Geschichte rund um die drei überzeugten Junggesellen Jacques, Michel und Pierre, die überraschend die Obhut von Baby Marie übernehmen und damit zunächst heillos überfordert sind, wurde 1986 mit drei Césars, darunter auch in der Kategorie „Bester Film“, ausgezeichnet und als bester fremdsprachiger Filmbeitrag sowohl für den Oscar als auch für den Golden Globe nominiert.

Regisseur Christian Brey bringt das Stück jetzt für die Theater in Deutschland, Österreich und in der Schweiz wieder auf die Bühne. Eigentlich – wenn die Pandemie nicht gewesen wäre – hätte das achtköpfige Ensemble rund um die Schauspieler Mathias Hermann (Cobra 11), Heio von Stetten (Bandits, Soko Wien) und Boris Valentin Jacoby schon im Januar in Iserlohn Premiere gefeiert. Für Sprendlingen ist das Stück auch gebucht, hier soll es im Dezember zur Aufführung kommen.

„Wir haben jetzt die vergangenen Tage die Endproben gemacht, dabei bringen wir die Schauspieler mit der Technik zusammen, mit Licht und Ton“, erläutert Regisseur Christian Brey. Die Bedingungen im Sprendlinger Bürgerhaus seien dafür optimal, die Technik ist auf einem modernen Stand, die Bühne groß genug und es sei ausreichend Platz vorhanden, ist Brey zufrieden. „Wir sind überhaupt ziemlich glücklich, dass wir überhaupt mal wieder etwas machen können. Natürlich fehlen uns die Stuhlreihen, die sonst bei einer Generalprobe stehen. Außerdem spielen wir noch immer völlig ohne Ziel“, weiß Brey nicht, wann er seine Schauspieler mal wieder als ganze Gruppe zusammen hat und wann die Premiere endlich gefeiert werden kann.

Auch für die Schauspieler ist es schön, mal wieder auf den Brettern zu stehen, die für sie die Welt bedeuten. „Ich habe ehrlich gesagt relativ viel gearbeitet und in mehreren Stücken geprobt“, erzählt Schauspielerin Tina Grottensteiner, die die Mama von Baby Marie spielt.

Sie ist Silvia, die einfach ohne ihr Kind nach New York aufbricht und es bei Schwerenöter Jacques lässt, dem Vater des Kindes. Ihr fehlt das Spiel vor Publikum sehr: „Es ist ein bisschen, als ob man sich auf einen Wettkampf vorbereitet, man aber nicht weiß, wann oder ob der Wettkampf überhaupt stattfindet“, bedauert sie die scheinbar ausweglose Situation der Kulturschaffenden in der Pandemie.

Auch für die Mitarbeiter des Bürgerhauses ist es schön, mal wieder über ein paar Tage Gäste zu haben. „Großartig, dass wir mal wieder Kultur auf der Bühne haben. Wir wissen, dass Stadtparlamentssitzungen wichtig sind, aber wir stehen eben auf Kultur“, erzählt Programmchefin Maria Ochs. Das Bürgerhaus Sprendlingen war für das Tournee-Theater der Ort der Wahl, weil die Schauspieler ohnehin im Rhein-Main-Gebiet mit Dreharbeiten beschäftigt waren. „Viele Hallen sind gerade mit Test- oder Impf-Zentren besetzt. Wir konnten unsere Halle aber über die Woche anbieten – so kamen die Probearbeiten zustande“, ist Ochs glücklich, dass die Bürgerhäuser helfen konnten. Jetzt hofft das Team, dass es bald Konzepte für die kulturelle Szene im Land gibt. Theaterabende vor einem Publikum mit aktuellem Test sind zumindest ein Hoffnungsschimmer.

Von Nicole Jost

Das temporeiche und lustige Stück wird, insofern es die Pandemie-Bestimmungen dann zulassen, im Dezember auch im Bürgerhaus zu sehen sein.

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